Oberliga 02

Titze-Debüt geglückt: Vicky „mit anderthalb Beinen“ in der Meisterrunde!

15. Februar 2022, 23:26 Uhr

Nach seinem Kopfballtreffer zum 2:0 drehte Gerrit Pressel (li.) zum Jubellauf in Richtung Vicky-Bank ab. Auch Neucoach Sören Titze (Mi.) schreit seine Freude heraus. Foto: Küch

35 Minuten lang musste er warten – doch dann platzte es aus ihm heraus: Sören Titze stürmte auf den Platz, ballte die Fäuste und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Bis zu jenem Zeitpunkt tat sich sein SC Victoria Hamburg im Nachholspiel gegen den FC Union Tornesch extrem schwer (alle Highlights im LIVE-Ticker). Doch dann durfte der ehemalige Teutonen-Trainer bei seinem Debüt als Chefcoach für Vicky das erste Mal jubeln…

Vickys Pascal Eggert (re.) im Kampf um den Ball. Foto: Küch

Ein Standard der Gäste entwickelte sich zum Bumerang. Der SCV konterte im eigenen Stadion. Über Pascal Eggert und Gerrit Pressel kam die Kugel rechts im gegnerischen Sechzehner zu Nick Scharkowski. Der Torjäger schweißte trocken ins lange Eck ein (35.) – und sorgte damit für einen hochgradig emotionalen Titze! „Für die Jungs freut es mich ungemein. Denn da fällt ja auch eine Last, die sie mit sich schleppen, von ihnen ab. Deshalb habe auch ich mich so sehr gefreut“, erklärte der neue Übungsleiter des Traditionsvereins seinen „Ausbruch“. Und keine 120 Sekunden später verfiel Titze erneut in Freudenstürme. Diesmal war es Pressel, den der Coach schon beim FC Teutonia 05 unter seinen Fittichen hatte und dort zum Kapitän machte, der einen scharfen Freistoß von André Monteiro Branco zum 2:0 einköpfte (37.)!

"Volles Risiko" mit neuem System

Seit genau einer Woche ist Sören Titze nun beim SCV im Amt. Am Dienstagabend feierte er sein erfolgreiches Debüt. Foto: KBS-Picture.de

„Einiges hat heute schon geklappt. Ich will aber auch nicht sagen, dass alles gut war. Es waren auch viele Sachen dabei, an denen wir arbeiten müssen“, so der 37-Jährige, der trotz kurzer Vorbereitung „volles Risiko“ ging und gleich in einem neuen System spielen ließ. Mit Erfolg. „Es freut mich auch, dass wir zu Null gespielt haben“, sprach Titze darauf an, dass Vicky in den letzten drei Spielen neun Gegentore kassierte – macht in der Summe: Drei pro Partie. „Das ist natürlich ‚too much‘, um am Ende Siege einfahren zu wollen.“ Deshalb war die Ansage: „Wir müssen uns gegenseitig helfen, um zu zeigen, dass wir nicht so anfällig sind. Denn das ist auch ein bisschen Kopfsache.“

"Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren"

Der frühe verletzungsbedingte Ausfall von Björn Dohrn (li.) - hier im Duell mit Yannick Siemsen - tat den Gästen weh. Foto: KBS-Picture.de

Am Ende des Tages musste SCV-Torsteher Hendrik Rabe in den gesamten 90 Minuten nicht einen einzigen Ball der Gäste auf sein Tor halten oder entschärfen. Vielmehr war der Keeper komplett beschäftigungslos. „Dass es verdient ist, darüber brauchen wir nicht zu reden“, gestand auch Union-Trainer Thorben Reibe im Nachhinein ein. „Ich finde, wir haben das Spiel so ein bisschen in der ersten Halbzeit verloren. Da waren wir gar nicht so schlecht und hatten auch unsere zwei, drei Situationen. Vicky hatte nicht viel, war aber effektiver als wir. Ärgerlich für uns, dass letztlich zwei Standards – einer für uns – zu den Gegentoren geführt haben“, haderte Reibe, der auf einige Spieler verzichten und auch den frühen Ausfall von Torjäger Björn Dohrn kompensieren musste.

"Vielleicht wäre dann etwas drin gewesen"

Gerrit Pressel (li.) und Doppeltorschütze Nick Scharkowski im Jubelrausch. Foto: Küch

„Wir haben es nochmal versucht, aber mit dem 3:0 war es gegessen“, sprach Reibe auf einen kapitalen Bock in der Hintermannschaft an, als sich Jari Maack nach einem langen Ball ganz schlecht anstellte und von Luca Ernst übertölpeln ließ. Der Victorianer, der sich den Ball eigentlich schon zu weit vorgelegt hatte, wurde von FCU-Fänger Adrian Weiß zu Fall gebracht. Elfmeter. Zwar parierte Weiß den Strafstoß von Scharkowski zunächst noch stark, war gegen den Nachschuss aber machtlos (56.)! Der Versuch, Vicky unten mit reinzuziehen (Reibe: Wir hatten schon noch die Hoffnung, dass das passieren kann“), war längst Geschichte. „Wenn wir in der ersten Halbzeit das Spielglück auf unserer Seite haben, dann wäre vielleicht etwas drin gewesen“, mutmaßte Reibe.

"Ich bin kein Guru oder sonst was"

Victorias Luca Ernst (ob.) geht im Duell mit Adrian Weiß zu Boden und zieht einen Strafstoß, der zum 3:0 führte. Foto: Küch

Stattdessen feierte Sören Titze als neuer Vicky-Coach einen Einstand nach Maß. „Mit dem Ergebnis ist das natürlich super schön. Da fährt man entspannt nach Hause und sagt sich: Gut angekommen“, war die Freude riesengroß. Vor allem „nach dem ganzen hin und her in der letzten Woche, wo wir ja von Freitag bis Sonntag gefühlt gegen drei Mannschaften gespielt haben – und dann wieder doch nicht“, ging Titze nochmal auf das Ansetzungs-Dilemma des Verbandes an – und meinte: „Wir hatten nicht ein Testspiel und nur drei, vier Trainingseinheiten. Auf der anderen Seite wollen alle gleich irgendwelche grundlegenden Veränderungen sehen. Ich bin kein Guru oder sonst was. Im Training hat man aber gesehen, dass die Jungs den Glauben und den Mut in ihre Qualität, die sie ohne Frage haben, wieder auf den Platz bringen und einfach den Reset-Knopf drücken wollen. Mich interessiert nicht, was vorher war. Ich habe gesagt: Wir tun so, als ob die Saison jetzt beginnt.“

"Natürlich spielt das im Kopf eine Rolle - davon kann sich keiner freisprechen"

Heißer Fight um die Kugel: Phillip Kuschka (li.) vs. Felix Schuhmann. Foto: KBS-Picture.de

Und für den SCV hat sie nun mit drei Punkten begonnen. Drei Zähler, die eine große Bedeutung für die Tabelle haben – denn: „Natürlich spielt das im Kopf eine Rolle. Davon kann sich kein Spieler freisprechen. Ich auch nicht. Es gibt gefühlt 42 Szenarien, die man durchrechnen kann. Man kann sogar mit dem heutigen Sieg noch rausfliegen. Im Fußball ist immer alles möglich“, hat Vicky den Platz in der Meisterrunde immer noch nicht zu 100 Prozent sicher. „Aber mit dem Ergebnis sind wir aufgrund des Torverhältnisses mit anderthalb Beinen drin.“

Autor: Dennis Kormanjos

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