Landesliga 02

Türkiye-Not führt beinahe zu Acar-Comeback – Klock platzt nach Sieg vor Stolz!

12. März 2022, 20:02 Uhr

Überschwänglicher Jubel beim FC Türkiye nach dem späten Treffer zum 2:1-Sieg durch Michel Netzbandt. Foto: noveski.com

Es waren nur noch wenige Minuten auf der Uhr, als Jörn Großkopf plötzlich Gökhan Acar zu sich rief. Richtig gelesen. Der ehemalige Spieler und Trainer des FC Türkiye, der zuletzt in Diensten des Meiendorfer SV war, half seinem Ex-Club aus – als Spieler! Die Personalnot bei den Wilhelmsburgern war so groß, dass sich der 40-Jährige auf Nachfrage von Vorstandsmitglied Ismail Uysal dazu bereit erklärte, seinem einstigen Verein zu helfen und sich auf die Bank zu setzen. Unseren Informationen zu Folge war das Dilemma bei Türkiye derart groß, dass auch Onur Tüysüz, David Berwecke und Haissem Mohssen, allesamt Spieler der Alten Herren, die Anfrage erhielten, parat zu stehen und auszuhelfen. Doch dazu kam es aus unterschiedlichsten Gründen nicht.

Gökhan Acar (li.) stand kurz vor seinem Comeback für den FC Türkiye - als Spieler. Foto: noveski.com

Zurück zu Acar: Als sich dieser seiner Klamotten entledigte und in den Schlussminuten „vorne ein paar Bälle festmachen sollte“, brandete urplötzlich riesengroßer Jubel auf. Michel Netzbandt hatte die Bemühungen der Wilhelmsburger gegen den Düneberger SV mit dem Tor zum 2:1 gekrönt – und Acar konnte sich das Trainings-Dress wieder überstreifen. Geschichten, die nur der Fußball schreibt! „Es war ein reiner Freundschaftsdienst, da ich für den Verein einst selbst gespielt habe und hier Trainer war“, verriet uns Acar im Nachgang – und befand, dass der FC Türkiye „unter den Umständen deutlich besser“ war.

"Lieben tue ich die Mannschaft immer, heute hat sie sich meinen größten Respekt verdient"

Sascha de la Cuesta (re., Nr. 22) ist als erster Gratulant bei Torschütze Vitor Cadilhe Branco - 1:0. Foto: noveski.com

Das sah auch Manager Klaus Klock, den unter der Woche große Personalsorgen plagten, so: „Wir haben mit vier Spielern von Anfang an gespielt, die einen wochen-, teilweise sogar monatelangen Trainingsrückstand hatten. Gestern am späten Abend ist uns dann auch noch Roberto d’Urso ausgefallen, sodass Oguz Koras, der starke Adduktorenschmerzen hat und eigentlich gar nicht spielen darf, ran musste. Die Jungs sind komplett über ihre Grenzen gegangen und wollten unbedingt gewinnen“, schwärmte Klock – und legte nach: „Ich kann das gar nicht begreifen. Lieben tue ich die Mannschaft ja immer, aber heute hat sie sich meinen größten Respekt verdient! Ich bin unheimlich stolz auf die Jungs.“

Klocks Angst vor einem verhängnisvollen Konter verhallt

Die prompte Antwort: Joscha Behrens (re.) schießt zum Ausgleich ein. Foto: noveski.com

Wenn es einen Fußballgott gibt, unkte Klock, dann war der am Samstagnachmittag auf Seiten des FC Türkiye. In den zweiten 45 Minuten habe er aufgrund der Dominanz „die Angst gehabt, dass wir irgendwann in einen Konter laufen“. Stattdessen markierte Tormaschine Netzbandt den viel umjubelten Siegtreffer. In Führung gebracht hatte die Hausherren Vitor Cadilhe Branco, der sein letztes Spiel am 12. November 2021 beim 2:1-Sieg beim SVNA bestritt und seither verletzungsbedingt ausfiel. Quasi ohne Training traf er bereits nach zehn Spielminuten zum 1:0. Doch der Gast hatte in Person von Joscha Behrens die prompte Antwort parat.

"Türkiye gehört mit dem Kader ganz nach oben"

Das Siegtor: Michel Netzbandt (li.) drückt trocken ab - und trifft (mal wieder) ins Türkiye-Glück. Foto: noveski.com

Düneberg-Coach Dennis Tornieporth gab sich im Anschluss als fairer Verlierer, erklärte und gegenüber: „Im Endeffekt ist es aufgrund des späten Tores natürlich etwas unglücklich. Aber alles in allem und aufgrund der Spielanteile nicht unverdient. Ärgerlich, dass der Knockout so spät kam. Aber Türkiye hatte vor allem in der zweiten Halbzeit mehr vom Spiel.“ Man hätte „den Punkt am Ende gerne mitgenommen“, so Tornieporth, der aus seiner langjährigen Erfahrung heraus aber auch weiß: „So ist Fußball!“

Durch den Sieg im direkten Duell ist Türkiye wieder an Düneberg vorbeigezogen im Tableau der Landesliga-Staffel 2 und nun Tabellenzweiter. Ein logischer Schritt, konstatierte selbst „Tornie“ offen und ehrlich – denn: „Ich denke, dass Türkiye mit dem Kader, mit der Mannschaftsstärke und mit dem Background ganz nach oben in gehört. Gemeinsam mit dem ASV Hamburg. Beide müssten das eigentlich unter sich ausmachen. Wir werden alles dafür tun, nächste Woche wieder in die Spur zu kommen – und wollen unsere gute Ausgangslage weiter verfolgen. Diese Niederlage ist absolut kein Beinbruch. Das gehört zum Fußball dazu. Das Ziel, in die Oberliga aufzusteigen, haben wir nicht.“

"Türkiye tut mir einfach nur leid - das ist eine absolute Frechheit!"

Ein gefrusteter Joe Warmbier am Boden, ein jubelnder Klaus Klock (re.) am Spielfeldrand. Foto: noveski.com

Im Gegensatz zum Kontrahenten. Doch ein großes Manko bleibt: „Der Platz war wirklich grenzwertig, was aber kein Grund für die Niederlage war. Es tut mir einfach für Türkiye total leid, dass man auf so einem Kartoffelacker Fußball spielen muss und das Bezirksamt sich darum nicht kümmert. Das ist in meinen Augen eine absolute Frechheit! Das hat keine Mannschaft und kein Verein verdient, einen solchen Platz zur Verfügung gestellt zu bekommen. Es war kein Fußballspiel möglich. Aber ich glaube, beide Seiten haben das gut angenommen. Es war ein spannendes Spiel, viel im Mittelfeld und viel über Kampf – aber immer absolut fair“, bilanzierte Tornieporth – und versprach abschließend: „Wir werden uns davon nicht unterkriegen lassen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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