Oberliga

TuRa darf sich endlich „mit den Besten messen“ – „Mittlerweile ist es für mich offiziell!“

31. Mai 2022, 14:11 Uhr

Jubelnde TuRaner: Harksheide steigt als Vize-Meister der Landesliga-Staffel 1 und als Nachrücker in die Oberliga auf. Foto: Küch

Die Wolke war groß – und wurde immer größer. Der Dunst schien schon fast zu verdampfen, als man doch noch mitten auf eben jener Wolke ankam: Nach jahrelangen Versuchen, in denen die Aufstiegs-Wolke schon fast wie ein Damokles-Schwert über den Verein hinweg schwebte, hat es TuRa Harksheide nun endlich geschafft. Am 16. Mai um 13:26 Uhr ging die Mail vom Hamburger Fußball-Verband ein, in der man (endlich) Fakten zu den Aufstiegsmodalitäten schaffte. Zwar erkämpften sich die Schwarzer-Schützlinge in der Landesliga-Staffel 1 hinter dem Niendorfer TSV II „nur“ die Vize-Meisterschaft – doch: „Niendorf II verzichtet zwar nicht auf den Aufstieg in die Oberliga, darf dort aber wegen der Regelung in § 16 Abs. 1 SpO nicht spielen, weil bereits die 1. Herrenmannschaft von Niendorf in der Oberliga aktiv ist. Führt ein freiwilliger Verzicht aber bereits dazu, dass die nächstplatzierte Mannschaft aufsteigt, muss dies erst Recht für den Fall gelten, wenn eine Mannschaft aufgrund von Regelungen in der Spielordnung nicht aufsteigen darf. Für den Fall, dass Niendorf II Meister der Landesliga 1 wird, folgt daher, dass die zweitplatzierte Mannschaft aus der Landesliga 1 als Regelaufsteiger in die Oberliga aufsteigt.“

TuRa-Trainer Jörg Schwarzer (li.) und Liga-Manager Philipp Penkwitt im engen Austausch. Foto: Küch

Bedeutet: TuRa Harksheide ist Oberligist! Liga-Manager Philipp Penkwitt gab sich dennoch lange zurückhaltend, hielt sich bedeckt und wollte die „101“-prozentige Klarheit haben. Nun haben wir mit ihm über die Aufstiegs-Irrungen, die Planungen und Ziele gesprochen…


FussiFreunde: Philipp, lange Zeit schien es so, als würde der Zweite aus eurer Staffel nicht aufsteigen. Dann hat der HFV mit einer PM zumindest in dem unklaren Punkt für Klarheit gesorgt, dass der Zweite hinter Niendorf II doch nachrücken und in die Oberliga aufsteigen wird. Ist es für dich denn inzwischen auch schon offiziell – oder gibt es noch immer Unklarheiten?

Philipp Penkwitt: „Mittlerweile ist es für mich offiziell – nachdem ich beim Holsten-Pokalfinale, das ich mir als Zuschauern angeguckt habe, von Peter Ehlers (sitzt im Spielausschuss beim HFV, Anm. d. Red.) noch einmal aufgeklärt wurde und er mir sagte, dass alles in Stein gemeißelt und sicher sei. Von daher vertraue ich darauf und freue mich darüber, dass die Reise für uns dorthin geht, worauf wir jahrelang hingearbeitet haben. Man darf ja nicht vergessen, dass es diese eventuelle Möglichkeit für uns vor einigen Jahren, als HEBC letztendlich aufgestiegen ist, schon mal gab. Natürlich ist es schöner, sportlich als Erster hochzugehen und die Sicherheit von Anfang an zu haben. Denn durch diese Konstellation ist es so, dass man den Aufstieg zwar geschafft hat, aber gar keinen Moment hatte, diesen auch gemeinsam zu feiern. Hinzu kommt, dass es ohne Wenn und Aber auch für die Planungen schwierig ist – und das gilt für alle Mannschaften, die sich in dieser langen Zeit unklaren Situation befunden haben oder noch immer befinden.“

Was bedeutet der Aufstieg denn für die Planungen?

Die Mannschaft und der gesamte "Staff" von TuRa Harksheide. Als Vize-Meister geht's in die Oberliga. Foto: Küch

Penkwitt: „Wir haben so geplant, wie wir es in den letzten Jahren immer gemacht haben. Darauf lag auch diesmal wieder der Fokus. Wir stehen für Kontinuität. Das ist unser ganz klarer Weg. Wir haben vor Jahren etwas begonnen – und uns immer wieder weiterentwickelt. Damit meine ich nicht nur das Sportliche, sondern auch den Trainer, das ganze Umfeld und mich persönlich. Es gehören ganz viele Leute dazu. Angefangen bei einem super Betreuerteam, Physiotherapeuten, Kassierer – einfach alle, die für den Verein und die Mannschaft alles tun. Das ist in den letzten Jahren sehr eng zusammengewachsen und hat uns zu einer richtigen Einheit werden lassen. All das ist nun dadurch gekrönt worden, dass wir gemeinsam eine Liga höher gehen werden und uns dort mit den Besten in Hamburg messen lassen dürfen. Das war der Wunschgedanke – und nun bekommen wir alle die Chance, uns zu zeigen – und zwar, was wir als Verein, aber auch als Mannschaft draufhaben. Und jetzt gilt es, dass wir uns erstmal sortieren, was gewisse Themen angeht.“

Du hast es schon angesprochen: Es ist ja nicht das erste Mal, dass ihr kurz vorm Aufstieg seid oder ward, sondern dieses Ziel schwebt ja schon seit Jahren über dem Verein. Was bedeutet es dir ganz persönlich, es nun geschafft zu haben?

Yavuz Kement bildet zusammen mit Jörg Schwarzer ein gleichberechtigtes Trainerduo am Exerzierplatz. Foto: Küch

Penkwitt: „Es ist natürlich jahrelange Arbeit, die dahintersteckt. Ich kann mich noch sehr gut an meine Anfänge im Verein erinnern, als wir auch durch schwierige Phasen gegangen sind. In solchen Momenten wie jetzt darf man auch die Leute nicht vergessen und außen vor lassen, die das mit angeschoben haben. Da wären vor allem Ralf Eggelmeyer und Bernd Meier zu nennen, die sich jahrelang für den Verein aufgeopfert und gewisse Dinge bewegt haben. Beide haben viel für den Verein gemacht. Jetzt haben wir das Ziel erreicht – und natürlich fühlt sich das unglaublich toll an. Aber es ist noch nicht so wirklich greifbar. Jörg (Schwarzer, Anm. d. Red.) hat gerade erst zu mir gesagt, dass er es noch gar nicht so richtig fassen kann. Das geht irgendwie allen so. Dennoch freuen wir uns natürlich riesig darauf, dass wir uns nun mit den Besten messen können – und sind ganz gespannt darauf, wer der erste Gegner sein wird.“

Wie groß ist denn dieser Wehrmutstropfen, dass man das ganz große Ziel nun erreicht hat, es aber nicht so feiern konnte, wie man sich das vermutlich erhofft, gewünscht und vorgestellt hat?

Penkwitt: „Es ist schon merkwürdig. Man muss aber in solch einer Situation auch sagen, dass es nachvollziehbar ist, dass bei manchen Vereinen ein gewisser Unmut da ist. Allerdings darf man auch nicht vergessen: Man leistet bis zu einem gewissen Punkt ‚X‘ etwas ab, man gewinnt und verliert seine Spiele – und hätte vielleicht auch noch das eine oder andere Spiel mehr gewinnen können. Jeder macht seine Arbeit, so gut er kann. Und natürlich wäre es für uns schöner gewesen, auf dem Platz aufzusteigen. So ist es nun mal anders. Aber was ist in der heutigen Zeit schon normal?“

Dass der eingeschlagene Weg in der Konstellation fortgeführt wird, ist nach einem Aufstieg eigentlich logisch. Aber: Ihr habt bereits im Winter, als noch lange nicht feststand, wo die Reise hingehen wird, auf der Trainerposition bereits für Klarheit gesorgt. Wie konkret sieht die Konstellation aus?

Einer der Garanten für die Vize-Meisterschaft bei TuRa: Top-Torjäger Yannick Fischer (re.). Foto: Küch

Penkwitt: „Das stimmt. Und wir haben auch immer – rein auf die Ligen-Zugehörigkeit bezogen – zweigleisig geplant. Das muss man auch und dazu ist man verpflichtet, wenn die Situation lange unklar ist. Wir haben mit den Trainern einen Weg angefangen – und den führen wir fort. Ich sage auch ganz bewusst: Mit den Trainern. Denn wir haben damals den Weg mit Jörg Schwarzer begonnen und im Laufe der Zeit mit Yavuz Kement weitere Kompetenz dazu geholt. Beide verstehen sich richtig gut. Demnach war es so, als es in die Verlängerungsgespräche ging, dass auch Jörg gesagt hat: ‚Wir sind ein gemeinsames Trainerteam‘. Es geht nicht mehr um die Rolle eines Chef- und eines Co-Trainers, sondern darum, dass man die Sache gemeinsam angeht.“

Bedeutet: Jörg Schwarzer und Yavuz Kement bilden ein gleichberechtigtes Trainerduo?

Jörg Schwarzer setzt seine im Dezember 2017 begonnene Arbeit bei TuRa auch in der Oberliga fort. Foto: Küch

Penkwitt: „Genau. Ein Team, um auch den Wünschen und Sorgen der Spieler gerecht zu werden. Ich nenne es immer das ‚Zweirädchen-System‘. Man braucht eigentlich für jede Position zwei Leute – sowohl auf als auch abseits des Platzes. Es gab im Hamburger Amateurfußball in der Vergangenheit genügend Situationen, aus denen man lernen kann und muss. Wir sichern uns damit ab, dass der Verein TuRa Harksheide auf zwei sicheren Beinen steht. Und ich bin froh, dass meine Trainer verlängert haben. Wir verstehen uns super gut, sind ganz eng zusammengerückt – und gerade in der kommenden Saison wird sich zeigen, wie eng. Denn dann wird es auch Momente geben, wo es mal nicht so läuft. Dann gilt es, zusammenzustehen. Darauf haben wir die Mannschaft und den ganzen Verein eingeschworen.“

Wie genau meinst du das?

Penkwitt: „Wir müssen uns bewusst sein, was auf uns zukommt. Für den Verein ist das ein Riesending, dass TuRa Harksheide es geschafft hat, in die Oberliga aufzusteigen! Das ist auch für Norderstedt etwas Besonderes. Und alle in der Stadt sagen, dass man sich das über all die Jahre durch Fleiß und vor allem durch Demut erarbeitet hat. Man sollte immer wissen, wo man herkommt und auf was für Säulen man eine Mannschaft aufbaut. Und das ist das Allerwichtigste: Wir wissen, wo wir herkommen, was uns und den Charakter von TuRa Harksheide ausmacht.“

Ihr wolltet euch mit den Besten messen – jetzt dürft ihr euch mit den Besten messen. Was ist denn sportlich gesehen möglich und was kann man von euch in der Oberliga erwarten?

Philipp Penkwitt hebt den Fleiß und die Demut im Verein hervor. Das Motto "101 Prozent TuRa Harksheide" soll auch in der Oberliga voll gelebt werden. Foto: Küch

Penkwitt: „Es wird natürlich eine Herausforderung und auch ein ganz anderes Muster werden. Bisher haben wir viele Mannschaften gehabt, die gegen uns auch mal ein bisschen tiefer gestanden und uns in der Favoritenrolle gesehen haben. Jetzt gehen wir natürlich auf eine ganz andere Situation zu und sind der klassische ‚Underdog‘. Ich weiß gar nicht, ob der eine oder andere überhaupt weiß, wo TuRa Harksheide auf der Landkarte liegt (lacht). Im Endeffekt war es unser Ziel. Aber: Wir haben in den vergangenen Jahren nie hochgestapelt, sondern für Bescheidenheit gestanden. Und jetzt können wir erst recht bescheiden sein. Wir leisten gute Arbeit – im gesamten Umfeld. Aber wir wissen, dass es kompliziert und schwierig wird, dass wir auch Spiele haben werden, die nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen. Aber dann gilt es, noch enger zusammenzurücken – und das machen, was uns bisher ausgezeichnet hat: Ein Team zu sein.“


Die gesamte FussiFreunde-Redaktion gratuliert TuRa Harksheide zum Aufstieg in die Oberliga Hamburg!

Autor: Dennis Kormanjos

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