Oberliga

Von der Glücks- zur Pechmarie - doch Bramfeld will aus einer „Eintags- eine Viertagsfliege“ machen

Cordi im Glück: „Müssen die Situation annehmen und nichts schöner reden, als es ist“

23. November 2019, 12:12 Uhr

Mit dem Mute der Verzweiflung: Sascha de la Cuesta (Mi.) will es gleich mit zwei Bramfeldern - Lennard Bahn (li.) und 1:0-Schütze Melvin Bonewald - aufnehmen. Foto: Rob Kruber

„Letzte Woche waren wir die Glücklichen, diese Woche sind wir die Pechmaries“, bekamen Mirko Schulz und sein Bramfelder SV knüppelhart zu spüren, wie nah Freud und Leid beieinander liegen. Gegen Paloma rettete das Oberliga-Schlusslicht eine 2:1-Führung gerade noch so über die Zeit, weil die Gäste ein Geschenk des BSV in der Nachspielzeit nicht anzunehmen wussten. Sieben Tage später bekam das Henning/Schulz-Ensemble in buchstäblich letzter Minute gegen Concordia jedoch den Nackenschlag verpasst und musste sich schlussendlich mit einem 2:2 begnügen. „Wenn man in der 93. Minute den Ausgleich kassiert, dann ist das natürlich eine gefühlte Niederlage“, befand auch Schulz.

Zwei Führungen durfte der BSV bejubeln - am Ende stand aufgrund eines Gegentreffers in der Nachspielzeit aber „nur“ ein 2:2. Foto: Rob Kruber

Der Aufschrei war zunächst groß. „Ich weiß nicht, ob es ein Foul war“, hatte Mirko Schulz die Situation, die zum 2:2 führte, nicht richtig wahrnehmen können. Jene Szene, in der Bramfeld-Schlussmann Steven Pagenkop nach einem Eckball der Gäste im Luftkampf angegangen wurde und zu Boden ging. Der Pfiff von Referee Falah Abed Saad (VfL 93) blieb aus – und Niel Lüthje köpfte zum Ausgleich ein. „Vorm Spiel habe ich schon gesagt, dass wir eigentlich mal dran sind, mit so einer doofen Situation in letzter Minute entweder was mitzunehmen oder sogar zu gewinnen. Ersteres ist heute eingetroffen“, musste sich Cordi-Coach Frank Pieper-von Valtier mit dem Remis letztendlich sogar glücklich schätzen. Denn: „Wir haben uns ein bisschen mehr vorgenommen, als das, was wir auf die Platte gebracht haben. Von daher müssen wir aufgrund des Zeitpunktes des Tores zufrieden sein, dass wir hier einen Punkt mitnehmen.“

Schulz muss seiner Mannschaft „ein Riesenkompliment machen“

Voller Einsatz: Melvin Bonewald (re.) gegen Lorenz Lahmann-Lammert. Foto: Rob Kruber

Bevor sein Gegenüber in die Spielanalyse gehen wollte, machte er seiner Mannschaft „ein Riesenkompliment“. Dafür, dass „sie mittlerweile weiß, wie man in der Oberliga zu spielen hat. Nicht mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, sondern mit Einsatz, Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Härte und auch mal der einen oder anderen Nickligkeit, die den Gegner nervt und den Spielrhythmus stört“, so Schulz. „Es ist nicht unser primäres Ziel, den Gegner laufen zu lassen. Wir müssen punkten – und das gelingt vor allem dann, wenn man hinten stabil steht. Das tun wir gerade – auch wenn wir zwei bittere Tore nach Standards hinnehmen mussten.“ Obwohl der BSV auf seinen „Abwehrchef“ Jonas Kastl verzichten musste, ließ die Hintermannschaft des Aufsteigers gegen einen über weite Strecken ideenlosen Gegner nicht viel zu. Zweimal durfte sich Bramfeld-Fänger Pagenkop gegen Jeremy Baur auszeichnen und sein ganzes Können aufbieten. Ansonsten war da noch der Handelfmeter in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs, den Sascha de la Cuesta zum zwischenzeitlichen 1:1 verwandelte (45. +1).

„Fehlende Konstanz“ - und eine wenig überzeugende „zweite Reihe“

Daumen hoch: Raoul Bouveron erzielte sein sechstes Saisontor. Foto: Rob Kruber

Mit seinem ersten Treffer im Bramfeld-Dress brachte Melvin Bonewald die Hausherren in Front, als sein 17-Meter-Schuss – eigentlich harmlos anmutend – plötzlich im linken Toreck einschlug (23.), ehe Raoul Bouveron – nach Vorarbeit von Jassin Zabihi – den Ausgleich der „Bekkampler“ konterte und aus halbrechter Position zum 2:1 ins lange Eck einschweißte (66.). „Es ging darum, dass wir uns stabilisieren“, erklärte Pieper-von Valtier, „aber das haben wir vor allem in der Situation beim 1:2 nicht geschafft. Ein völlig unnötiges Gegentor“, ärgerte er sich – und hob die „Moral“ als positiv hervor. „Nichtsdestotrotz machen wir viel zu viele einfache Fehler und kriegen diese Konstanz nicht rein.“ Durch die Gelb-Roten Karten in der Vorwoche gegen Philip Pettersson und Umut Kocin habe man sich selbst „in Schwulitäten gebracht“, befand der Cordi-Coach. Hinzu kam der kurzfristige Ausfall von „Abwehr-Boss“ Jan Novotny. Die Chance für den einen oder anderen Akteur aus der zweiten Reihe, sich in den Vordergrund zu spielen. „Ob sie’s getan haben oder nicht, sage ich jetzt nicht“, huschte Pieper-von Valtier ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht.

„Müssen die Situation annehmen und nichts schöner reden, als es ist“

Mit seinem Tor sorgte Niel Lüthje (li.) sorgte für Cordis „Last-Minute-Punkt“. Foto: Rob Kruber

Wenngleich er auch lobende Worte für den Gegner übrig hatte: „Bramfeld hat das sehr gut gespielt und es uns schwerer gemacht, als der eine oder andere Spieler vielleicht gedacht hat. Gerade in den Situationen nach unseren Ballverlusten haben sie mit viel Tempo und sehr zielstrebig das Tor gesucht. Das hat uns vor Schwierigkeiten gestellt.“ Apropos Schwierigkeiten: Concordia kommt nach wie vor nicht so richtig in Tritt und muss sich aktuell (mal wieder) mit dem tristen Mittelmaß zufrieden geben. „Wir müssen die Situation so annehmen und nichts schöner reden, als es ist“, stellte Pieper-von Valtier klar. Während man auf der anderen Seite „das Ergebnis vor dem Spiel vielleicht unterschrieben“ hätte. Nach dem Verlauf sei es jedoch „bitter und tut natürlich auch ein wenig weh“, machte Schulz keinen Hehl aus seiner Gefühlslage – und blickt nun den Duellen mit der Konkurrenz aus Buchholz und Rugenbergen entgegen: „Da wird sich dann das wahre Gesicht zeigen – und ob das nur eine Eintags- oder eine Zweitagsfliege war. Oder ob es vielleicht eine Viertagsfliege wird.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

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