Oberliga

Von wegen „zu alt und zu satt“ - Unfassbarer Harnik lehrt dem ETV „Demut“!

26. November 2022, 18:19 Uhr

Schenkte dem ETV beim 6:1-Kantersieg satte fünf Tore ein: Dassendorf-Torjäger Martin Harnik lehrte den "jungen Wilden" Demut. Foto: Henning Rohlfs

„Siehst du, Hanno - es ist wie im Europapokal: Die ganzen ‚Heinis‘ stehen um dich herum“, scherzte Peter Martens beim Verlassen des Platzes - und sprach auf die kleine Pressemeute an, die sich um den viel umjubelten Top-Torjäger der TuS Dassendorf scharrte. Wenige Augenblicke zuvor hatte eben jener Martin Harnik dem Oberliga-Spitzenspiel zwischen seiner TuS und dem Eimsbütteler TV (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen) den Stempel aufgedrückt - und wie! „Hanno“, wie der Ex-Profi nur genannt und gerufen wird, erzielte bei der Revanche - im Hinspiel triumphierte der Oberliga-Aufsteiger gegen den Serienmeister mit 3:0 - einen stolzen Fünferpack! Sagenhafte fünf Buden, auf die Harnik einen kleinen Appell folgen ließ…

Len Aike Strömer (Mi.) zeigte eine bärenstarke Vorstellung in Reihen der TuS Dassendorf. Foto: Henning Rohlfs

„Die erste Priorität war, drei Punkte einzusammeln. Die zweite Priorität war, Demut zu lehren - dass man auch im Falle eines Sieges Respekt zeigen kann. Ich denke, das haben wir heute eindrucksvoll bewiesen“, deutete Martin Harnik auf das erste Aufeinandertreffen beider Clubs an - und machte auch überhaupt keinen Hehl daraus, dass man „bis in die Haarspitzen motiviert“ war. „Wir haben alle mitbekommen, was beim Hinspiel los war - vor allem nach dem Spiel“, sorgte der eine oder andere despektierliche Spruch für Revanchegelüste bei den „Wendelweglern“.

„Wir sind nicht zu alt und zu satt“, betonte Harnik - nachdem er dem aufmüpfigen Aufsteiger zuvor die Leviten lies und im wahrsten Sinne des Wortes die Grenzen aufzeigte. Den Anfang machte der 35-Jährige in der achten Spielminute, als die hoch verteidigenden und aggressiv pressenden Gäste von einem Chip-Ball von Maximilian Ahlschwede überlistet wurden. Harnik spazierte unbedrängt auf und davon - und veredelte zur Führung. Die größte und lange Zeit auch einzige Chance des ETV auf einen Torerfolg vergab Diego Berendsohn ziemlich verspielt und kläglich (11.).

Auch "Dasse"-Geschenk beflügelt den ETV nicht

Idrissa Sambou (re.) versteht die Welt nicht mehr, als ihm Referee Luca Jürgensen (Mi.) den roten Karton zeigt. Foto: Henning Rohlfs

Und so ging die Harnik-Show vor der Pause weiter. Wieder war es ein langer Ahlschwede-Pass, der den bärenstarken Len Aike Strömer in Aktion brachte. Dessen präzise Hereingabe nickte ein abermals sträflich alleingelassener Harnik zum 2:0 in die Maschen (38.)! Der einstige österreische Nationalspieler zeigte „Shootingstar“ Malik Yago und Routinier Idrissa Sambou aber mal sowas von die Grenzen auf. Seinen lupenreinen Hattrick verhinderte ETV-Schlussmann Viktor Weber, als er einen torpedoartigen Kopfball von „Hanno“ rauskratzte (45. +3).

Machtlos war Weber aber nach einer guten Stunde, als Sambou einen Befreiungsschlag von Rinik Carolus gewähren ließ und Harnik mit einem traumhaften Lop vollendete und das Hinspiel-Ergebnis egalisierte (59.)! Auch ein Dassendorfer Gastgeschenk von Tom Muhlack, der einen komplett harmlos anmutenden Freistoß von Yago derart unglücklich verlängerte, so dass Dominik Akyol per Volley verkürzte (63.), konnte den Hausherren nichts anhaben. Ganz im Gegenteil. Statt einer möglichen Aufholjagd folgte das nächste Harnik-Traumtor. Diesmal nach einer Hereingabe von Eyke Kleine per krachender Direktabnahme aus zwölf Metern - 4:1 (68.)!

Sambou fliegt, Harnik macht Fünferpack perfekt

TuS-Trainer Peter Martens (Mi.) klatscht seinen Fünffach-Torschützen Martin Harnik bei seiner Auswechslung ab. Foto: Kormanjos

Den fünften Streich „schenkte“ ihm der indiskutable Sambou, der nach einer One-Touch-Stafette der TuS und einem Steckpass von Strömer gegen R. Carolus unheimlich plump zu Werke ging. Da der Innenverteidiger der Eimsbütteler in jener Szene den einschussbereiten Dassendorfer ausschließlich mann- und nicht ballorientiert zu Fall brachte, zeigte Referee Luca Jürgensen (FC Eintracht Norderstedt) dem Regelwerk nach die Rote Karte (72.). Während Harnik den fälligen Strafstoß mit Hilfe des linken Innenpfostens zum 5:1 ins Dassendorfer Glück beförderte (73.)!

Elf Zeigerumdrehungen vor Ultimo bekam der einstige Bundesliga-Angreifer unter tosendem Beifall der 477 Zuschauer am Wendelweg seinen verdienten Abgang. Aber einen Treffer hatte sein Team noch in petto - und es blieb in der Familie. Denn: Harnik-Schwager Mattias Maggio machte nach einem Zuckerpass von Strömer das halbe Dutzend voll (84.)! „Das machen wir in jedem Spiel, dass wir über 90 Minuten das Maximale rausholen wollen - das hat nichts mit dem ETV zu tun“, entgegnete Harnik hinterher auf Nachfrage, ob die Toreshow auch mit den Ereignissen aus dem Hinspiel einherging. Vielmehr bekundete er: „Wir haben alle Spaß, gegen den ETV zu spielen. Das ist wirklich eine geile Mannschaft, eine gute und junge Truppe“, lobte er mit all seiner Erfahrung den Kontrahenten und sprach auch von einem „Spiel der Generationen“.

"Die werden uns in den nächsten Jahren weiterhin Probleme bereiten"

„Im Hinspiel haben sie uns den Schneid abgekauft, das erkennen wir auch an. Heute werden sie es auch anerkennen, dass wir ihnen den Schneid abgekauft haben. Und in den nächsten Jahren werden sie uns auch noch weiterhin Probleme bereiten“, ist sich Harnik sicher. Überaus anerkennende Worte eines langjährigen Profis, der nun mit Dassendorfs erstmals in dieser Saison auf dem Platz an der Sonne steht. „Eine Momentaufnahme“, wollte er eben jener Tatsache aber nicht allzu viel abgewinnen. „Die Saison ist noch lang. Wir haben gerade mal etwas mehr als die Hälfte geschafft. Es wird noch viele schwere Spiele geben. Allein in diesem Jahr haben wir noch Cordi und Vicky. Zwei Mannschaften, die immer gefährlich sind.“

"Vor drei Monaten hörte ich noch, wir sollten mal lieber Alt-Herren-Sonderklasse spielen"

Die Spieler der TuS Dassendorf feiern das 6:1-Schützenfest gegen den ETV und die "Wiedergutmachung" für das Hinspiel. Foto: Kormanjos

Allerdings gab Harnik unumwunden zu: „Es macht dieses Jahr auf jeden Fall mehr Spaß, weil wir alle auch mal auf die Tabelle schauen und gucken müssen, was die anderen so machen. Das war letztes Jahr - sicherlich auch aufgrund der zwei Staffeln - nicht der Fall.“ Schon früh war die Meisterschaft entschieden. Nun aber hat Sasel am Sonntag die Chance, den Thron zurück zu erklimmen. Aber Fakt ist: Dassendorf war und ist nie abzuschreiben. „Es ist keine drei Monate her, da hörte ich noch, wir sollten mal lieber Alt-Herren-Sonderklasse spielen“, war auch bei Coach Thomas Hoffmann durchaus ein Stück weit Genugtuung herauszuhören. Hier gibt’s die komplette PK mit beiden Trainern im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

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