Regionalliga Nord

„Was für ein Fußballspiel!“

17. August 2022, 12:38 Uhr

Pingdwinde Beleme (Mi.) hatte das letzte Wort. Sein Kopfballtor zum 3:3 war zugleich der Endstand in einem hochklassigen Regio-Derby. Foto: noveski.com

„Was für ein Fußballspiel!“ Mit vier einleitenden Worten brachte es Pit Reimers auf den Punkt. Nicht nur der Cheftrainer der U21 des Hamburger SV, auch sein Gegenüber, Olufemi Smith, erlebten ein 90-minütiges Wechselbad der Gefühle und Emotionen (alle Highlights im LIVE-Ticker). Eine in der ersten Halbzeit drückend überlegende Eintracht aus Norderstedt, ein nach Wiederanpfiff aufgewachte Rothosen-Equipe, insgesamt sechs Tore, zwei Platzverweise und etliche Gelbe Karten – das Regionalliga-Derby hatte wahrlich alles zu bieten!

Den Treffer zum 1:0 widmete die Eintracht dem schwer verletzten Philipp Müller. Torschütze Jan Lüneburg hält das Trikot mit der Nummer 25 in die Höhe. Foto: noveski.com

„Zum Glück sind jetzt schon zwei, drei Minuten vergangen“, war Olufemi Smith froh, dass er seine Gedanken erst einmal sammeln und sortieren konnte, bevor er zu dem Treiben auf dem Platz ausführlicher Stellung bezog (siehe PK im Video am Ende des Berichts). Der Coach der Garstedter reagierte auf die schwache Vorstellung aus dem Drochtersen-Spiel (1:3) und stellte seine Hintermannschaft auf gleich drei von vier Positionen um. Und seine Elf zeigte von der ersten Sekunde an eine Reaktion – und was für eine!

Norderstedt überrannte die „Rothöschen“ förmlich. Über Elias Saad und Pelle Hoppe, der Dennis Duah stehen ließ, kam die Kugel zu „Goalgetter“ Jan Lüneburg – Führung nach nicht einmal 120 Sekunden! Und es ging weiter in eine Richtung: Erst köpfte Lüneburg eine Kummerfeld-Flanke ein (8.), dann nickte Yannik Nuxoll einen Behounek-Freistoß in die Maschen (13.) – beide Male ging jedoch die Fahne hoch. Abseits! Aber: Die Smith-Schützlinge rollten weiter über einen anfangs desolaten Gegner hinweg. Einen Ballgewinn von Rechtsverteidiger Tjark Hildebrandt veredelte Kangmin Choi – 2:0 (14.)!

Reimers reagiert - Wallenborn sieht Rot

Referee Florian Pötter (Mi.) zeigt André Wallenborn (3. v. re., leicht verdeckt) den roten Karton. Die Wende! Foto: noveski.com

HSV II-Übungsleiter Reimers reagierte noch im ersten Durchgang, brachte Luis Seifert für Maximilian Großer (40.) und nach Wiederanpfiff Theo Harz für Elijah Krahn. Seine Mannen kamen indes mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine – und profitierten auch von einem Platzverweis der Hausherren. Der bis dato fehlerfreie André Wallenborn brachte Moses Otuali im eigenen Sechzehner zu Fall. Referee Florian Pötter (FC Voran Ohe) wertete das Vergehen als Notbremse und gab zusätzlich glatt Rot (49.)! Den folgenden Strafstoß verwandelte der Gefoulte selbst – und läutete die Aufholjagd ein (51.).

Eine Aufholjagd, die jäh gestoppt wurde. Denn auf der anderen Seite war es erneut Duah, der gegen Pelle Hoppe zu ungestüm zu Werke ging – Elfmeter. Auch in diesem Fall behielt der Gefoulte einen kühlen Kopf und stellte den alten Abstand wieder her (54.)! Schon im Heimspiel gegen den SSV Jeddeloh gab die U21 des HSV in Überzahl eine 2:0-Führung aus der Hand und musste sich letzten Endes mit einem 2:2-Unentschieden zufriedengeben. Sollte man nun etwa erneut mit einem Mann mehr auf dem Platz Federn lassen?

Heiße Schlussphase: Rothosen schlagen zurück - auch Bork fliegt

Der Anschluss: Yannik Nuxoll (Mi.) fälscht den Schuss von Jonah Fabisch (3. v. re.) noch entscheidend ab - das 2:3 aus HSV II-Sicht. Foto: noveski.com

Zumindest sorgte Jonah Fabisch nach einer ansehnlichen Stafette mit einem Abschluss aus der zweiten Reihe wieder für Hoffnung – nur noch 2:3 (67.)! Nun waren die Gäste am Drücker. Während sich die Eintracht mit voller Leidenschaft gegen den drohenden Ausgleich stemmte, war das 3:3 in der 78. Spielminute nicht mehr zu verhindern. Eine Flanke von Arlind Rexhepi nickte Pingdwinde Beleme in die Maschen! Sollte die Partie nun doch noch einmal komplett kippen – und das nach einer einseitigen ersten Halbzeit?

Norderstedt kämpfte aufopferungsvoll – und behielt zumindest den einen Zähler im Edmund-Plambeck-Stadion – obwohl man den Schlusspfiff nur noch zu neunt erlebte, da auch Rico Bork nach einem zunächst gar nicht so wild aussehenden Foulspiel gegen Timon Burmeister im „Karten-Festival“ den roten Karton sah (90. +5). Für Burmeister hatte die Szene aber noch ein übles Nachspiel. Der kurz zuvor erst Eingewechselte verletzte sich am Wadenbein und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Von dieser Stelle: Die allerbesten Genesungswünsche!

Was die Trainer auf der Pressekonferenz zu dem wahrhaftigen Fußball-Fest zu sagen hatten, seht Ihr hier im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

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