Oberliga 01

Wenn Fußball zur absoluten Nebensache wird…

17. Oktober 2021, 14:32 Uhr

Geschockte Mienen vor dem Abtransport von Berkant Aydin. Die gesamte Cordi-Mannschaft fungierte in jenem Moment als Familie. Foto: noveski.com

Der Schock saß allen Beteiligten tief in den Knochen und war sowohl Mit- als auch Gegenspielern, den Trainern, allen weiteren Verantwortlichen beider Vereine sowie den Zuschauern ins Gesicht geschrieben. Man blickte nicht nur in viele ungläubige Mienen, es flossen auch jede Menge Tränen. Wenn der Fußball zur absoluten Nebensache wird!

Das 1:0: Soleiman Kazizada (2. v. re.) befördert den Handelfmeter in die Mitte des Tores. Foto: noveski.com

Was war passiert? Er stand keine 60 Sekunden auf dem Platz, da ging Concordias Berkant Aydin in ein Luftduell, sackte urplötzlich bewusstlos zusammen und blieb zunächst regungslos auf dem Platz an der Brucknerstraße liegen (87.). Sofort deuteten Mit- und Gegenspieler an, dass die Situation um Aydin ernst ist und riefen Hilfe herbei. Der Cordi-Akteur wurde in die stabile Seitenlage versetzt, sein Kapitän Onur Saglam kümmerte sich um seinen Mannschaftskameraden – während bei den Teamkollegen zahlreiche Tränen flossen. Als der Notarzt eintraf, wurde Aydin versorgt. Noch vor dem Abtransport bildete die komplette Cordi-Truppe einen Halbkreis um ihren Mitspieler und Freund, um ein Mitglied UNSERER Fußball-Familie. Wir hoffen das Beste und wünschen dem 22-Jährigen eine möglichst schnelle und vollständige Genesung! „Berki“, wir denken an Dich – und sind bei Dir!

Referee Rosin pfeift nur symbolisch nochmal an, PK abgesagt

Beim 1:1-Ausgleichstreffer von Fatih Umurhan (Mi.) war der unglückliche Dallas Aminzadeh (re.) als einer der ersten Gratulanten zur Stelle. Foto: noveski.com

Da sich dieser unwirklich scheinende Vorfall kurz vor Ultimo ereignete, pfiff Schiedsrichter Kevin Rosin die Begegnung – nach fast 25-minütiger Unterbrechung und einigen bangen Momenten – nur symbolisch nochmal an, um sie dann zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt hieß es im Spitzenspiel und Verfolgerduell schiedlich-friedlich 2:2-Unentschieden. Ein Spiel, das nicht aufgrund des gewerteten Endergebnisses in Erinnerung bleiben wird, sondern aufgrund der Ereignisse um Berkant Aydin. Nicht umsonst sagten die Paloma-Offiziellen die Pressekonferenz nach dem Spiel ab.

Zur Begegnung (alle Highlights im LIVE-Ticker): Er ist die Figur und zentrale Schaltstelle im Spiel von Concordia Hamburg: Onur Saglam. Am Sonntagvormittag konnte der Cordi-Capitano aber nicht so schalten und walten wie gewohnt. Der Grund: Marius Nitsch, Trainer der „Tauben“, hatte eine ganz besondere Idee und setzte Saglam einen persönlichen „Kettenhund“ auf die Füße: Christian Merkle. Dieser verfolgte den Concorden auf Schritt und Tritt und machte es ihm dadurch so richtig schwer. Schwer wog bei den Hausherren auch der Ausfall von zwei absoluten Leistungsträgern der Vorwochen: Innenverteidiger Colin Blumauer, „in der Form seines Lebens“, so Pressewart Christoph Hellwig vor dem Spiel, zog sich einen Kahnbeinbruch zu. Auch Moritz Niemann konnte aufgrund einer fünften Gelben Karte nicht mitwirken.

Paloma bestraft Aminzadeh-Böcke - zwei Tore vom Punkt

Schon vor dem Sechzehner ging das Hakeln los, im Strafraum brachte Seyhmus Atug (li.) Palomas Tom Wohlers zu Fall. Der zweite Elfer! Foto: noveski.com

Aber: Die Uhlenhorster stemmen sich in dieser Saison gegen einige Widerstände und untermauerten einmal mehr ihren Teamgedanken. Auch die Verletzung von Top-Torjäger Soleiman Kazizada, der mit Rückenbeschwerden zur Pause raus musste, konnte den „Flow“ des USC nicht unterbinden. Zweimal bogen die Nitsch-Mannen auf die Siegerstraße ab. Beide Male hatte Cordis Dallas Aminzadeh seine Füße beziehungsweise Hände mit im Spiel. Erst verursachte er in bester Handball-Torwart-Manier einen Handelfmeter, den eben jener Kazizada trocken in die Mitte verwandelte (18.). Dann spielte der Ex-Altonaer einen kapitalen Fehlpass in die Füße von Michel Blunck. Dieser steckte mit dem ersten Kontakt für Tom Wohlers durch, der im gegnerischen Sechzehner regelwidrig von Seyhmus Atug am Einschuss gehindert wurde. Da es sich um eine glasklare Notbremse handelte, hätte Atug den roten Karton sehen müssen, bekam aber „nur“ Gelb. Diesmal ließ sich der starke Lasse Blöcker nicht beirren und behielt vom Punkt die Nerven (67.).

Sulejmani schlägt zurück

Das 2:2: Der starke Veli Sulejmani (Mi.) hechtet eine Lindenar-Flanke im Sinkflug ins Cordi-Glück. Foto: noveski.com

Cordi fehlte oft die Leichtigkeit und „Denker“ Saglam. Aber: Die Elf von Trainerduo Frank Pieper-von Valtier/Baris Saglam wehrte sich gegen die drohende Niederlage. Maßgeblich daran beteiligt: Der emsige Veli Sulejmani. Erst legte Vincent Boock dessen scharfe Hereingabe nach einem zuvor starken Laufweg für Fatih Umurhan ab. Dieser vollendete ins lange Eck zum zwischenzeitlichen 1:1 (35.). Sechs Minuten vor Ultimo und kurz vor jener Situation, die das Spielgeschehen nahezu unwichtig werden ließ, hechtete Sulejmani selbst eine Flanke von Steven Lindener zum Endstand in die Maschen (84.). Doch das Ergebnis wurde zur Nebensache. Unseren Informationen zu Folge hat sich Berkant Aydin inzwischen aber schon aus dem Krankenhaus bei der Mannschaft gemeldet. Die wohl schönste Meldung des Tages!

Autor: Dennis Kormanjos

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