Bezirksliga 06

Wieder auf den letzten Drücker: Noah Freyer als Alsterbrüder-Sieggarant

20. September 2021, 15:41 Uhr

Foto: Klaas Dierks

Am frühen Samstagnachmittag empfing die erste Mannschaft der Alsterbrüder die dritte Mannschaft von St. Pauli. Die Frage vor Anpfiff war, würden die Spieler vom Walter-Wächter-Platz an die Leistungen beim letzten nervenaufreibenden Derby gegen Grün-Weiß Eimsbüttel in der Liga und an den Überraschungssieg gegen den Oberligisten SC Viktoria anknüpfen können, oder würden die Anstrengungen für Körper und Geist ihren Tribut fordern? Immerhin ging es darum das bisher erreichte durch einen Sieg gegen St. Pauli zu bestätigen, um sich so oben in der Tabelle festzusetzen. Auch der Gegner hatte aufgrund der engen Tabellensituation bei erfolgreicher Gestaltung der Partie Aussicht auf höhere Tabellen-Sphären.

Raphael Wolf brachte die Kiezkicker mit dem strammen Abschluss in Führung. Foto: Klaas Dierks

Die Alsterbrüder beginnen nervös und verlieren im Aufbauspiel zu viele Bälle an den gutstehenden Kontrahenten. Einen dieser Abspielfehler im Mittelfeld nutzt Raphael Wolf in der siebten Minute entschlossen. Aus 20 Metern in zentraler Position lässt er Keeper Kühn nach Ballgewinn und beherztem Antritt keine Chance. Hoch rechts am Pfosten schlägt die Kugel zur Führung für die Gäste ein. Um es kurz zu machen: Bis zur Halbzeit bietet sich den Zuschauern dasselbe Bild. Alsterdorf ist feldüberlegen aber nicht zwingend. Was in Richtung auf das Tor von Pauli Torwart Jannik Burkhardt kommt, geht entweder daneben oder wird, wie vor allem gegen Ende der ersten Halbzeit glänzend von ihm pariert. Die raren Entlastungsangriffe der Braun-Weißen ändern am Ergebnis nichts.

Noah Freyer erzielt den 1:1-Ausgleich. Foto: Klaas Dierks

Nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit ist das Bemühen der Gäste erkennbar. Hinten nichts zulassen und vorne durch schnelles Umschaltspiel für die Entscheidung sorgen. Aber die Alsterbrüder drücken und haben schnell weitere Chancen u.a. durch Maximilian Susemihl (knapp drüber) und Tim Algner, der im letzten Moment gestört wird. Die Vorentscheidung zu Gunsten von St. Pauli vergibt Maximiliano Tevez, der bei einem der seltenen Angriffe seiner Mannschaft aus 20 Metern draufhält und nur knapp über den Kasten zielt. Beiden Trainern ist die Anspannung deutlich anzumerken. Wird die Zeit reichen? In der 87. Minute flankt der eingewechselte Lenny Akpu von rechts in den Fünfmeterraum. Da steht der Alsterbrüder Noah Freyer goldrichtig. Zuvor mit seinen Versuchen noch ohne Erfolg, schädelt er nun den Ball vorbei am chancenlosen Burkhardt zum Ausgleich ins Netz. Sicher nicht unverdient, aber soooo bitter für Pauli.

St. Paulis Keeper Burkhardt ist beim Kopfball von Freyer geschlagen. Das späte 2:1 für den FCA! Foto: Klaas Dierks

Während die Gäste konsterniert die Köpfe hängen lassen, will die Heimmannschaft tatsächlich mehr. Die letzten Minuten werden nochmal hitziger. Kein Ball wird verloren gegeben, von niemandem. Weil die Alsterbrüder hinten jetzt offen stehen, ergibt sich die eine oder andere Chance für Pauli. Eine Großchance der Gäste wird wegen angeblicher Abseitsstellung zurückgepfiffen. Da haben die Gelben richtig Glück. Kurz darauf hält Torwart Kühn einen Kopfball von Pauli-Kapitän Kühne aus kurzer Distanz noch knapp vor der Linie. Das wär‘s gewesen! Die Nerven liegen blank. Alles fiebert mit. Wieder versucht es die Heimmannschaft. Es entwickelt sich eine unübersichtliche Situation rund um den Strafraum der Braun-Weißen, die den Ball nicht richtig klären können. In zentraler Position schnappt sich Freyer den Ball, legt ihn am Gegenspieler vorbei und schiebt ihn aus 15 Metern überlegt flach ins linke Eck. Torwart Burkhardt ist noch mit den Fingerspitzen dran, muss sich aber erneut geschlagen geben.

Kontor und Freyer: Die Alsterbrüder-Schützen an jenem Nachmittag. Foto: Klaas Dierks

Wie schon im Spiel gegen Grün-Weiß Eimsbüttel wird Freyer zum Matchwinner in der Nachspielzeit. Grenzenloser Jubel auf der einen, großer Frust auf der anderen Seite, der sich leider derart entlädt, dass der Gast die letzte Minute der Nachspielzeit aufgrund einer roten Karte mit nur noch zehn Spielern bestreiten muss. St. Pauli nun hinten völlig offen. Ein misslungener Angriff der Braun-Weißen führt zu einem Konter der Platzherren, den Emmanuel Kontor nach einer Zwei-gegen-Eins-Situation mühelos zum 3:1, quasi mit dem Schlusspfiff, abschließt.

Die Alsterbrüder feiern den dritten Sieg im vierten Spiel und dem daraus resultierenden zweiten Tabellenplatz direkt hinter dem verlustpunktfreien Spitzeneiter HFC Falke. St. Pauli rutscht auf den siebten Platz der Tabelle ab, liegt aber trotzdem nur einen Sieg hinter Platz vier. Für Spannung in der nächsten Woche ist also gesorgt, wenn die Paulianer gegen die Teutonen von 1905 versuchen den Anschluss nach oben wieder herzustellen. Die Alsterbrüder müssen zur zweiten Mannschaft des TuS Osdorf. Dem Tabellennachbarn. Wer da gewinnt bleibt oben. Also wieder nichts für schwache Nerven.


Klaas Dierks

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