Landesliga Hansa

„Wir sind dankbar, dass der Verein sich so schnell für uns entschieden hat – das zeigt Vertrauen“

09. Juli 2020, 12:55 Uhr

Ein Teil des künftigen ASV-Trainer-Duos: Devran Barlak (re., hier gegen den damaligen Süderelbe-Stürmer Tolga Tüter). Foto: KBS-Picture.de

Es gibt sie irgendwie eigentlich nur im Paket – das war schon den größten Teil der Zeit so, als Devran und Mekan Barlak noch aktive Fußballer waren. Gemeinsam kickten die Barlak-Zwillinge bei Eintracht Norderstedt, bei Hamm United, beim SV Curslack-Neuengamme – und auch beim FC Türkiye gab's die beiden nur im Doppelpack. Ein Zustand, der sich auch bei der zweiten Station ihrer noch jungen Trainerkarriere nicht ändern wird: Nachdem die beiden Barlaks in der vergangenen Spielzeit gemeinsam Veddel United trainierten, stehen sie nun in der kommenden Saison zusammen beim ASV Hamburg an der Linie. Wir haben mit Mekan und Devran Barlak über ihre neue Aufgabe, ihre eigenen Trainer, die Ziele mit dem Hansa-Landesligisten und ihre Fußball-Philosophie gesprochen.

„Dass es im Hamburger Amateurfußball zwei gleichermaßen verantwortliche Trainer gibt, hat man ja schon ein paar Mal erlebt, aber noch nicht so oft. Dass zwei Brüder zusammen als Trainer tätig sind, ist da schon was neues“, sagt Devran Barlak. „Aber das passt. Mekan und ich denken ähnlich, wir ticken gleich – nur beim Essen nicht. Er isst eher fettige Sachen, ich achte da schon mehr auf meine Ernährung“, lacht er sympathisch – freilich ohne seinem Bruder etwas Böses zu wollen. „Wir arbeiten generell zusammen, was Training, Inhalte oder Sielbeobachtungen angeht. Es ist nicht so, dass mein Bruder zum Beispiel für die Offensive zuständig ist und ich die Defensive als Aufgabe habe. Wir haben zusammen ein Grundkonzept – und ich denke Fußball genauso wie mein Bruder“, erklärt Devran Barlak.

„Wir werden einen ähnlichen Fußball spielen lassen wie in der vergangenen Saison“

Mekan Barlak (re., hier gegen Niendorfs Fynn Huneke) wird mit seinem Bruder Devran an der Setenlinie stehen. Foto: KBS-Picture.de

Dass er mit seinem Zwillingsbruder an der Seitenlinie und auf dem Trainings-Platz stehen wird, so Devran Barlak, „macht es – glaube ich – leichter für uns beide. Es ist schwieirg zu sagen, ob es mit einer anderen Person als Team besser oder schlechter funktionieren würde. Wir haben bislang nicht mit Co-Trainern oder in anderen Konstellationen gearbeitet. Als Brüder ist es einfach: Wir haben kurze Wege. Wenn ich wegen Schichtdiensten im Beruf nicht da bin, ist Mekan da. Wenn er nicht kann, bin ich da. Wir können uns als darauf verlassen, dass im Training das Programm immer genauso zu 100 Prozent umgesetzt wird, wie wir es vorhaben.“ Und auch ein „Problem“, so verrät Mansoor Ahmadi, haben die Barlaks von vornherein aus der Welt geräumt: dass die Spieler die Zwillinge im Aussehen nicht unterscheiden könn(t)en. „Sie haben den Jungs schon gesagt, dass sie sie bloß nicht mit Namen ansprechen, sondern einfach nur Trainer sagen sollen“, so der ASV-Manager mit einem Lachen.

Man kann also konstatieren: Die Barlaks wissen genau, was sie wollen – und das gilt nicht nur für eine so kleine Randnotiz, sondern auch, was das große Ganze betrifft. Ihre Fußball-Philosophie und den Spielstil zum Beispiel. „Wir wollen generell so attraktiv wie möglich spielen lassen. Unsere Idee vom Fußball deckt sich genau mit dem Konzept des Vereins. Wir setzen auf Ballbesitzfußball. In der Mannschaft wollen wir junge und erfahrene Spieler haben. Du brauchst die erfahrenen Spieler, die ein Team führen können. Die richtige Mischung aus alt und jung macht's. Die Harmonie in der Mannschaft ist da. Der Verein war bereits gut aufgestellt und ist es jetzt, mit den neuen Strukturen drumherum, noch besser. Wir werden einen ähnlichen Fußball spielen lassen, wie ihn der ASV in der vergangenen Saison gezeigt hat“, umreißt Mekan Barlak, was er und sein Bruder in der neuen Spielzeit vorhaben. Devran plichtet dem bei und ergänzt: „Wer uns im Profibereich in Deutschland fasziniert, ist Julian Nagelsmann. Es ist stark, wie er zum Beispiel Pressing spielen lässt. Man erkennt ganz klar seine fußballerische Handschrift. Das ist einer, wo man sich schon was abschauen kann.“

„Wir müssen schauen, ob es uns gelingt, in dieser Saison die Euphorie aus der letzten mitzunehmen“

Ghazi Mustapha und Mansoor Ahmadi (re.) unterstützen die Barlak-Zwillinge als Manager. Foto: Bode

(Trainer-)Vorbilder aber können Mekan und Devran Barlak nicht nur im Profibereich festmachen. Schließlich haben die beiden 30-Jährigen auch im Hamburger Amateurfußball in ihrer Laufbahn mit dem einen oder anderen großen Namen zusammengearbeitet: „Wir hatten von unserem Start bei Eintracht Norderstedt an und später auch bei den anderen Vereinen mit Marco Krausz, Uli Schulz, Torsten Henke oder Matthias Stuhlmacher immer gute Trainer. Jeder davon hatte seine Stärken, entsprechend nimmt man von jedem etwas mit. Es ist schwer zu sagen: Der war gut, der war besser. Wir wollen unsere Erfahrungen mit eigenen Ideen und Eindrücken kombinieren“, erläutert Mekan Barlak. „Mit dem, was wir gelernt haben, wollen wir jetzt den nächsten Schritt machen und unser Wissen so gut wie möglich an die Jungs auf dem Platz weitergeben“, ergänzt Devran, wobei beide sich über das im Klaren sind, was Mekan hinzufügt: „Als Trainer hast du nochmal eine ganz andere Perspektive als du sie als Spieler hattest.“ Eine Perspektive, die die Barlak-Brüder so noch nicht lange einnehmen.

„Es waren andere Trainer im Gespräch, die mehr Erfahrung als wir haben. Wir sind so gesehen noch ziemliche Neulinge. Wir bedanken uns dafür, dass wir vom Verein aus das Vertrauen bekommen. Das ist schön für uns und eine gute Erfahrung“, so Mekan Barlak, der davon berichtet, dass „der Kontakt zum ASV zeitnah zustande kam, nachdem feststand, dass Ghazi Mustapha nicht mehr Trainer sein wird, sondern ins Management wechselt. Die Gespräche waren vom ersten Tag an positiv, wir haben uns gut verstanden.“ Devran gibt derweil zu Protokoll: „Wir sind dankbar, dass der Verein sich so schnell für uns entschieden hat – das zeigt Vertrauen. Und genau das wollen wir zurückzahlen.“ Beide wissen aber: „Der Sprung von der Kreis- in die Landesliga ist groß, den Vergleich kann man eigentlich gar nicht ziehen.“ Und so gibt’s erstmal auch „keinen Tabellenplatz als Zielvergabe. In der letzten Saison ist der ASV gut durchgestartet, hat die Euphorie des Aufstiegs mitgenommen. Wir wollen gerne genauso gut abschließen“, konstatiert Mekan Barlak, während Devran feststellt: „Wir müssen schauen, ob es uns gelingt, in dieser Saison die Euphorie aus der letzten mitzunehmen. Wir werden dann im Laufe der Spielzeit sehen, was dabei herauskommt.“ 

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