Oberliga 01

„Wir unterstützen uns gegenseitig, dass wir nicht ansatzweise auch nur einen Millimeter aus unserer Spur fahren!“

18. November 2021, 15:57 Uhr

Der erfolgreiche Weg geht weiter: Jean-Pierre Richter hat seinen Vertrag als Cheftrainer bei der TuS Dassendorf verlängert - und mit uns über seine Arbeit, Ziele und Ambitionen gesprochen. Foto: Bode

„Man will als Trainer immer das Maximale rausholen“, ist der Ehrgeiz bei Jean-Pierre Richter ungebrochen. Mit seinen gerade mal 34 Lenzen ist er bereits seit über elf (!) Jahren im Herrenbereich und sogar schon 16,5 Jahre im Trainer-Geschäft tätig. Über den FC Süderelbe und den SC Victoria Hamburg landete „JPR“ im Februar 2019 beim Hamburger Serienmeister und „Überteam“ TuS Dassendorf. Mit den „Wendelweglern“ eilt Richter von Sieg zu Sieg und von Titel zu Titel. „Ich will nicht sagen, dass ich ein Perfektionist bin, aber zumindest ein bisschen besessen darauf, immer alles optimal lösen zu wollen“, betont „Jonny“, der seinen Kontrakt beim Oberliga-Primus unlängst verlängert und mit uns über die Erfolgs-Geschichte gesprochen hat…

FussiFreunde: Das Ziel, in jedes Spiel zu gehen, um es zu gewinnen, ist in Dassendorf ja klar verankert und fast schon Vereins-DNA. Dennoch: Inwieweit hättest du gedacht und erwartet, dass es so gut läuft?

Klare Haltung: Im Frühjahr 2019 übernahm Richter am Wendelweg - und der eingeschlagene Weg ist noch lange nicht vorbei. Foto: Bode

Jean-Pierre Richter: „Die Staffel ist durchaus unbequem – und durch die Corona-Pause sind auch viele Variablen drin gewesen, auf die man vorbereitet sein musste. Wir haben natürlich alles versucht, um uns bestmöglich auf die Saison vorzubereiten. Man hat aber auch während der Vorbereitung gemerkt, dass teilweise die Integration einiger Spieler, aber natürlich auch die Gesundheits-Thematik und Urlaube eine gewisse Zeit in Anspruch genommen haben. Wir haben bisher noch nicht einmal auf alle Spieler zurückgreifen können. Die Jungs tun aber wirklich viel dafür, arbeiten hart – und die Leistungen sowie Ergebnisse sind auch kein ‚Geschenk‘. Das ist das Endprodukt der Mühen und der Qualität, die wir Woche für Woche weiterentwickeln und abrufen wollen. Deshalb: Überrascht bin ich nicht, weil ich weiß, wie gut die Jungs sind – aber auch, wie gezielt und engagiert wir darauf hinarbeiten. Und trotzdem ist es nicht vorauszusetzen und auch nicht zu erwarten gewesen, dass man so erfolgreich ist – auch wenn man das Ziel hat, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Denn das haben wir auch in der Vergangenheit nicht immer geschafft. Aber es macht natürlich extrem viel Spaß, mit dem Selbstbewusstsein und der Serie von ungeschlagenen Spielen, Woche für Woche mit den Jungs zu arbeiten.“

Wie schaffst du es als Trainer, diese Spannung immer wieder hochzuhalten – oder eben auch dagegen zu steuern, wenn das mal nicht der Fall ist?

Richter: „Wir hatten das ja vor ein paar Wochen, dass man durchaus gemerkt hat, dass wir in eine gewisse Trägheit kommen. Da waren die Leistungen auch nicht immer dementsprechend – auch nicht unter der Woche. Und da muss man dann auch ganz klar sagen, dass meine Aufgabe Woche für Woche eigentlich die gleiche ist: Die Mannschaft optimal in der Nachbereitung zu unterstützen, aber auch in der Vorbereitung auf den jeweiligen nächsten Gegner. Ich glaube, das hat in dieser Saison bisher außergewöhnlich gut geklappt, dass wir in der Vorbereitung sowohl spieltaktisch als auch vom Matchplan wirklich gut Zugriff auf den Gegner bekommen und auch im Ballbesitz viele gute Ansätze im Positions- und Zonen-Spiel hatten, so dass es in der Theorie und in der Praxis gut ‚gematched‘ hat.“

Es geht ja auch nicht nur um die Spannung, sondern auch um das Thema Motivation…

Nicht nur von sich, auch von seinen Spielern erwartet "JPR" stets absolute Höchstleistungen. Foto: noveski.com

Richter: „Dadurch, dass ich sehr ehrgeizig bin – genauso wie die Jungs – und jedes Spiel gewinnen möchte, ist die Motivation immer die gleiche. Man möchte die Mannschaft unter der Woche aufs Ziel hinführen und am Wochenende auf der Bühne abliefern. Da gehört es dann eben auch dazu, dass man eine gewisse Besessenheit und Gier hat, zu zeigen, dass man besser ist als der Gegner. Wir versuchen auch jetzt, wo es gut läuft, trotzdem immer mehr zu machen, indem wir ganz zielorientiert in der Trainingssteuerung, der Trainingsbelastung, aber natürlich auch in der Art und Weise, wie wir die Spiele angehen, sind, um das Maximum rausholen. Und die Jungs zahlen das Vertrauen mega zurück. Es harmoniert in dieser Saison – sowohl menschlich als auch sportlich – auf einem ganz tollen Niveau. Deshalb sind wir auch so erfolgreich, weil Vieles nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis greift.“

Bisher hat man den Eindruck, dass die Mannschaften, die für sich selbst den Anspruch hatten, euch das Wasser zu reichen, sich selbst so ein Stück weit ins Bein schießen – und dadurch hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Ist das für euch ein Vorteil oder eher ein Nachteil, weil man ja davon ausgehen muss, dass diese Teams irgendwann die Kurve kriegen?

Richter:
„Ehrlicherweise schauen wir gar nicht so sehr auf die anderen Mannschaften. Wir bereiten uns natürlich gezielt vor, aber es macht für uns keinen Unterschied, ob es wie am letzten Wochenende gegen Bramfeld oder wie jetzt gegen Paloma geht. Wir versuchen immer, das Maximale rauszuholen. Das ist auch meine Dienstleistung als Trainer an die Mannschaft.“

Eine bis dato sehr erfolgreiche Dienstleistung – nicht erst seit dieser Saison…

Nach längerer Verletzungspause kann sich Richter (re.) auch über die Rückkehr von Leistungsträger Maximilian Dittrich (li.) freuen. Foto: noveski.com

Richter: „Es ist jetzt grob die Hälfte der Saison gespielt. Wenn man das Bisherige Revue passieren lässt, kann man sehr zufrieden sein. Wir haben wenig Ausfälle im Saisonverlauf gehabt, die uns so schwer getroffen haben, dass wir es nicht kompensieren konnten – und das, obwohl wir inzwischen wohl auf jeden Spieler mindestens einmal verzichten mussten. Das ist leider Gottes so. Deshalb muss man ein Kompliment an die Kaderplanung und generell an die Jungs, die diesen Weg mitgehen, machen. Dass wir immer wieder die Möglichkeit haben, Ausfälle so aufzufangen, dass wir im Großen und Ganzen keinen Qualitätsverlust haben. Denn es ist nicht einfach, wirklich Woche für Woche die Spiele zu gewinnen. Gerade auch, weil man natürlich merkt, dass beim jeweiligen Gegner eine ganz große Begeisterung herrscht, uns ein Bein zu stellen. Wenn wir nur ein Prozent nachlassen, dann wird es schwierig. Das hat man gesehen. Dann sind wir auch dazu in der Lage, uns selbst Probleme zu bereiten. Aber ich glaube, wir sind gerne in der Rolle, in der wir uns aktuell bewegen – und aktuell sind wir da auch völlig zurecht.“

Nur wenige Monate nach seiner Amtsübernahme feierte Richter (Mi.) mit der TuS auf Anhieb den Pokalsieg - und zwar gegen Regionalligist Eintracht Norderstedt. Foto: Bode

Du hast eben schon die Kaderplanung angesprochen. Es ist immer von dem vielen Geld und lauter Ex-Profis die Rede. Nichtsdestotrotz muss man ja auch festhalten, dass viele Spieler über Jahre hinweg bei euch spielen und zudem ein extrem guter Teamgeist herrscht. Wie gelingt es, scheinbar immer wieder die richtigen Spieler und Charaktere auszuwählen?

Richter:
„In gewisser Weise ist das schon eine Kunst, aber auch in den letzten Jahren vom Verein so vorgegeben mit tollen Werten und einer nachhaltigen Umsetzung. Erfolg schafft man nicht von heute auf morgen. Mal ein Spiel zu gewinnen oder mal einen erfolgreichen Monat zu haben, das kann man immer mal schaffen. Aber über Jahre hinweg so konstant Leistung zu bringen und erfolgreich zu sein, das bedeutet natürlich auch, dass man nachhaltig dafür sorgt, im Umfeld und von den Rahmenbedingungen alle Voraussetzungen zu erfüllen. Wir als Trainer und Spieler haben unglaublich tolle Möglichkeiten. Das heißt also: Man hat alle Voraussetzungen, sport- und leistungstechnisch das Maximale rauszuholen. Und darüber hinaus werden die Spieler natürlich auch nicht nur aufgrund der sportlichen, sondern auch wegen der menschlichen Voraussetzungen verpflichtet.“

Was noch hinzu kommt: Im vorletzten Sommer habt ihr einen ziemlich großen Umbruch hinter euch gebracht…

Vom ehemaligen HFV-Spielausschussvorsitzenden Joachim Dipner (li.) bekommt Richter die Ehrung für die Dassendorfer Meisterschaft im Jahr 2020 überreicht. Foto: Bode

Richter: „Ja, über die Hälfte des Kaders. Trotzdem haben wir es nach und nach geschafft, nicht nur eine Einheit, sondern wirklich auch eine Mannschaft zu sein, die sich miteinander beschäftigt, Freude aneinander hat, Spaß macht – und auf sowie neben dem Platz immer mehr harmoniert. Jetzt geht es darum, aus den individual-taktischen und qualitativ guten Spielern Gruppen- und Mannschafts-taktisch ein Optimum zu schaffen, dass man sich in jedem Spiel mit verschiedenen Mustern helfen kann, effektiv und zielstrebig erfolgreich Fußball zu spielen. Aktuell arbeiten wir unglaublich gut darauf hin und haben viele tolle Menschen bei uns in der Mannschaft, die wir zusammenhalten können und wollen, um weiter so erfolgreich zu sein. Die Jungs stehen ja für den Erfolg.“


Autor: Dennis Kormanjos

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