Oberliga

„Das Geheimrezept ist, dass wir nicht nur auf den monetären, sondern auch auf andere Ansätze gucken“

21. Juli 2020, 13:38 Uhr

Neue Liga, neuer Stil, altbekannter Coach: Elvis Nikolic ist in Lohbrügge einer der beiden Übungsleiter, die den Weg vorgeben. Foto: Bode

Sie waren in der vergangenen Saison in der Landesliga Hansa das Maß aller Dinge und stiegen unangefochten auf – auch, wenn am Ende die Corona-Krise den Sturmlauf des VfL Lohbrügge abrupt abbremste. Seit mit der Entscheidung des Außerordentlichen Verbandstages des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) auch formell feststeht, dass die Equipe vom Binnenfeldredder in der neuen Saison in der Oberliga spielen wird, basteln die beiden Trainer Sven Schneppel und Elvis Nikolic sowie Manager Robert Mimarbachi am Gesicht des „Wild Boys“ für die Spielzeit 2020/2021. Mit Erfolg: Den Lohbrüggern ist es gelungen, diverse in der Regional- und Oberliga erprobte Spieler an Land zu ziehen. Wir haben mit Nikolic darüber gesprochen, wie dem VfL dieses Kunststück geglückt ist, welche Zielsetzung für die neue Serie realistisch ist, wie der Verein den Abgang des Sportlichen Leiter Mato Mitrovic weggesteckt hat und was sich am Spielstil des VfL in der neuen Serie ändern wird.

Elvis, vor wenigen Wochen sagte Alen Brandic, euer nach Österreich abwandernder Torwart, im Interview, dass der VfL in der Oberliga auf den ersten sechs, sieben Plätzen landen könne. Was war deine Reaktion, als du das gelesen hast?

Elvis Nikolic: Ich musste, ehrlich gesagt, grinsen (lacht). Aber das ist genau das, was ich an Alen so mag: Dass er den Blick immer optimistisch nach vorne richtet. Und ich freue mich natürlich darüber, dass er der Mannschaft in Zusammenarbeit mit Sven (Schneppel, Anm. d. Red) und mir als Trainer sowie unserem Co-Trainer Marco Schultz so etwas zutraut.

Welche Zielsetzung hältst du aus deiner Sicht für die kommende Saison für realistisch?

Nikolic: Realistisch ist – glaube ich –, dass wir so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Ich bin allerdings der Meinung: Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir sind ein Aufsteiger und sollten nicht zu doll trommeln. Ich denke, dass die Oberliga in der neuen Saison so schwer einzuschätzen ist wie noch nie zuvor. Gerade wegen der langen, durch Corona bedingten Pause. Man muss abwarten, wie die Mannschaften in die Saison kommen, wie schnell sie sich finden. Und dann kommen ja auch immer noch so Themen wie Verletzungspech hinzu...

Aber ist das angesichts der Neuzugänge, die ihr bislang geholt habt, nicht doch eher ein wenig Understatement?

Nikolic' Trainerkollege Sven Achneppel (li.) stieg mit dem VfL bereits vor zehn Jahren schonmal aus der Landes- in die Oberliga auf. Foto: Bode

Nikolic: (überlegt länger) Was diese Sache angeht, habe ich zwei Dinge im Kopf. Zum einen kann ich mich daran erinnern, dass Marinus Bester, als er vor der vergangenen Saison neuer Trainer beim TSV Buchholz 08 wurde, gesagt hat, dass er mit seiner Mannschaft unter den Top Sechs landen will. Letztlich war er der erste Oberliga-Trainer, der in der zurückliegenden Spielzeit seinen Platz räumen musste. Man muss sich im Klaren sein: Jede Aussage, die man über Ziele macht, peitscht doppelt zurück, wenn es nicht läuft. Die andere Sache ist die, dass ich noch genau weiß: Sven Schneppel hat vor zehn Jahren mit Lohbrügge schon mal den Aufstieg geschafft, danach hat der Verein dann den Fehler gemacht, dass er bei den Neuzugängen zu wenig an Erfahrung nach Lohbrügge geholt hat. Genau darauf haben wir diesmal geachtet. Wir haben mit Erdogan Pini, Chris Pfeifer oder Christian Gruhne genau solche Jungs dabei, die bereits ihre Erfahrungen in der Regional- oder Oberliga gemacht haben. Selbst Simon Keisef hat, obwohl er vergleichsweise jung ist, bereits jede Menge Oberliga-Spiele auf dem Buckel.

Das ist ein gutes Stichwort. Der VfL holt einen namhaften Spieler nach dem anderen – und das in einer Zeit, wo andere Clubs in der Corona-Krise jeden Euro doppelt umdrehen. Was ist euer geheimes Rezept?

Nikolic: Das Geheimrezept ist, dass wir nicht nur auf den monetären, sondern auch auf andere Ansätze gucken. Hinzu kommt, dass bei dem einen oder anderen Spieler bereits eine langfristige Bindung zwischen ihm und jemand von uns besteht. Bei wiederum anderen ist es eine Mischung aus Glück und Zufall. Es ist zum Beispiel so, dass wir Seyhmus Atug, den wir letztes Jahr ja schon geholt haben, bei uns in die Arbeit in der Jugend eingebaut haben. Er ist Co-Trainer in der U17. Christian Gruhne wird künftig unsere Jugend-Torhüter trainieren und mit Erdogan Pini haben wir, wenn er nach dem August, wo er Vater wird, wieder mehr Zeit hat, etwas in die ähnliche Richtung vor. Ihn kenne ich schon über Jahre hinweg. Insgesamt kann man sagen: Es ist so, dass jeder Transfer in diesem Sommer seine eigene Geschichte hat. Bei Chris Pfeifer war es zum Beispiel ein Glücksfall für uns, dass BU nicht mehr mit ihm geplant hat und er im VfL Lohbrügge eine interessante Perspektive gesehen hat. Ich glaube, dass wir allgemein mit unserer Infrastruktur punkten können. Wir hatten den einen oder anderen Spieler aus der Regionalliga im Gespräch, der uns deutlich gemacht hat, dass eine eigene Kabine, ein eigener Kraftraum nebenan und ein Rasenplatz unter Umständen auch mal einen Verzicht auf Geld unterstützen oder auslösen...


Auf der zweiten Seite spricht Nikolic über Gerüchte, es gebe Probleme beim Pini-Transfer sowie über die Pläne bei der Kader-Zusammenstellung, den Mitrovic-Abschied in der vergangenen Saison und einen neuen Spielstil des VfL.

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