Kolumne

Harm(s)lose Tiefflug-Tauben und die Perfektionisten vom Parkweg

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

19. August 2019, 10:00 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. In dieser Woche geht es um den bislang missglückten Start des Oberliga-Schlusslichts USC Paloma sowie den momentanen Tabellenführer TSV Sasel und dessen Erfolgsgeschichte. 

Die Werbewand, die neuerdings bei Pressekonferenzen des USC Paloma hinter den Trainern steht, die das Match Revue passieren lassen, ziert unter anderem eine springende Raubkatze. Das Symbol des Ausrüsters, dessen Trikots die USC-Spieler tragen. Oder muss man angesichts der 2:7-Pleite gegen Concordia schon sagen: spazieren tragen? Jedenfalls würde derzeit ein anderes Tier besagter Wand besser zu Gesicht stehen: eine Taube. Das Wappentier des USC. Im Tiefflug, wohlgemerkt! Denn so oder ähnlich kann man das Abschneiden der Balltreter von der Brucknerstraße derzeit apostrophieren. Gerade das vom gestrigen Sonntag im Spiel gegen Cordi.

Tendenz: Es wird für Paloma hart, drinzubleiben

Schwere Zeiten: Coach Steffen Harms ziert mit dem USC Paloma derzeit das Tabellenende der Oberliga. Foto: KBS-Picture.de

Sieben Gegentreffer fing sich das kickende Ensemble von Coach Steffen Harms gegen den Konkurrenten vom Bekkamp ein und agierte dabei: harmlos. Ein Eigentor von Maxym Marx und sechs Gegentreffer – darunter zwei von Cordis Michael Netzbandt – fingen sich die Tiefflug- Tauben auf dem heimischem Kunstrasen. Quasi ein "maxym"aler Netzb(r)and(t) in den Maschen hinter Keeper Jannis Waldmann. Vier Spiele, null Punkte, 15 Gegentreffer. Eine bittere Bilanz, die den Harm(s)los-Herren von der Brucknerstraße den letzten Tabellenplatz einbringt. Und Fragen aufwirft. Vornehmlich diese: wann punktet Paloma? Reicht der Kader für die Oberliga? Kam der Aufstieg vielleicht doch ein bisschen (zu) früh? Nun soll man den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben und eine Saison nicht schon nach vier Spieltagen vielleicht verteufeln, doch die Analyse muss erlaubt sein. Auch, wenn sie hart ausfällt. Zumindest an der einen oder anderen Stelle.

Acht Mal, so sagt es unser FussiFreunde-Sonderheft, das zu Beginn der Saison erschien, griff Paloma auf dem Transfermarkt zu. Drei Mal (Lohrke, Waldmann, Haase) in Rugenbergen, zwei Mal beim Niendorfer TSV II (Niemann, Blumauer), je ein Mal beim SC Condor, Altona 93 und der eigenen Reserve. Zu wenig? Fakt ist: Ein Pascal Haase traf in Rugenbergen oft, muss aber beim USC in eine neue Mannschaft implementiert werden. Gleiches gilt auch für seine Ex-und-Weiter-Kollegen, wobei der gestern hochgradig indisponierte Lohrke auch beim SVR schon seine Aussetzer hatte. Auch der Ex-Condoraner Ken Niederstadt muss im neuen Umfeld erst zurechtkommen. Die beiden Ex-Niendorfer müssen sich an die höhere Liga gewöhnen. Ebenso Wolfgang Pesch aus der Reserve. Der Ex-Altonaer Maurice Schwäbe kann nicht – qua Regio-Erfahrung – der alleinige Heilsbringer sein. Gleiches gilt für (in der Landesliga) bewährte Kicker wie Max Krause oder Dominic Ulaga. Rechnet man Personalsorgen, wie sie im Laufe einer Saison dazu kommen, mit, dürfte klar sein: Im Taubenschlag geht's bis zum Saisonende rund – Ausgang offen. Das Projekt Paloma braucht Zeit, zusammenzuwachsen. Zeit, die man im Abstiegskampf (eigentlich) nicht hat. Tendenz: es wird mehr als eng, drinzubleiben...

Der TSV Sasel – der BVB der Oberliga

Spitzenreiter: Danny Zankl und der TSV Sasel blieben bislang ungeschlagen. Foto: KBS-Picture.de

Probleme dieser Art kennen sie beim TSV Sasel nicht – und das, wo der Verein doch vor gar nicht allzu langer Zeit noch selbst Aufsteiger in die Oberliga war. Es ist nicht unbedingt vergleichsweise viel an Wasser, das seitdem die Elbe entlang geflossen ist – und nachdem nicht wenige den TSV schon in der vergangenen Saison für ganz weit oben auf dem Zettel gehabt haben, steht Sasel auch jetzt wieder oben. Ganz oben. Ohne Punktverlust. Der Parkweg ist eine Adresse, zu der man in der Oberliga nicht gerne fährt – zumindest nicht als Gegner. Nicht, weil der an der Seitenlinie in seinem Auftreten bisweilen zumindest streitbare Danny Zankl dort wartet. Nein, weil dort ein Konstrukt an Spielern wartet, die Zankl geformt hat. Zu einem Team, das bisweilen einen berauschenden Ball spielt. Gerade nach vorne. Aber eben auch hinten, wo man sicher stehen muss. Nicht umsonst zählten Defensivstrategen wie Luis Take oder Tobias Steddin jüngst beim 5:0 gegen den SV Rugenbergen zu den Besten. Weil sie mit Zankl einem Coach haben, der Perfektionist ist.

Ein begnadeter Taktiker. Ein Mann, von dem nicht wenige sagen, er mache wirklich jeden Spieler besser. Ein Detailversessener, der ein wahnsinniges Händchen dafür hat, Typen und unbekannte Gesichter zu finden, die vortrefflich ins sein Spiel(Philosophie)-Puzzle passen. Oder mal ehrlich, liebe Leser, wussten sie von Beginn an etwas mit Namen wie Luis Take, Marc-Oliver Timm oder Jost Hausendorf anzufangen? Zudem gelingt es ihm, Landesliga-Spieler wie einen Jonathan Zinn einzubauen und auch einem Ulas Dogan das richtige Handling angedeihen zu lassen. Irgendwie, so ist man, wenn man die TuS Dassendorf als Bayern München der Oberliga betitelt und den FC Teutonia 05 als das ebenso Kohle ausgebende Konstrukt RB Leipzig, geneigt, den TSV Sasel zum Borussia Dortmund von Hamburgs höchster Spielklasse zu machen. Weil Zankl ein Taktikfuchs wie Lucien Favre ist, Vollgas-Fußball spielen lässt und der Parkweg-Club ähnlich solide und nachhaltig werkelt. Ein Club, mit dem man rechnen muss. Eben auch für ganz oben. Nicht umsonst ließ sich Rugenbergen-Coach Andelko Ivanko am Sonntag zu folgender Aussage hinreißen: "Manchmal musst du dich als gegnerischer Trainer zurückhalten, um nicht zu klatschen und zu gratulieren. Das ist wirklich so, weil mich das begeistert hat." Worte, denen nichts hinzuzufügen ist. 


Jan Knötzsch

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