Bezirksliga West

„Als Außenstehender ist es relativ einfach, zu sagen: Es war ein Fehler“

Bennet Krause (re.) und sein TuS Osdorf haben sich nach dem Neustart in der Bezirksliga West gut zurechtgefunden und führen das Tableau an. Foto: noveski.com

Mit der Entscheidung, nach dem Oberliga-Abstieg auf den Landesliga-Startplatz zu verzichten und freiwillig in der Bezirksliga, wo bis dato die Zweite Mannschaft aktiv war, um Punkte zu kämpfen, sorgte der TuS Osdorf im vergangenen Sommer für einen wochenlangen Aufschrei in der Hamburger Amateurfußballszene. Seit 2016 hielt sich der Club vom Blomkamp – nach einem kometenhaften Aufstieg – in der höchsten Hamburger Spielklasse, setzte in all den Jahren diverse Highlights, feierte geschichtsträchtige Erfolge und Errungenschaften. Und plötzlich der Absturz!

Der "neue" TuS Osdorf hat neun von 14 Spielen siegreich gestalten können und ist eine von drei Mannschaften mit 29 Punkten in der West-Staffel. Foto: Verein

Noch als Spieler erlebten Bennet Krause, Torben Krause und Antonio Ude das absolute Hoch des Vereins mit und ebneten zum Teil sogar noch aus der Kreisliga heraus den Weg für das, was für den rasanten Aufschwung verantwortlich war. Inzwischen ist das Trio als Trainerteam beim TuS Osdorf tätig. Den Oberliga-Abstieg konnte man nicht mehr verhindern und stand schließlich vor der schwerwiegenden Entscheidung: Geht man in der Landesliga oder freiwillig eine Etage tiefer an den Start? Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf die deutlich drastischere Option.

Und obwohl die „Blomkampler“ zuletzt zwei Niederlagen in Folge einstecken mussten, führen sie nach 14 absolvierten Partien das Feld in der West-Staffel an. Trotz einer komplett neu zusammengestellten Mannschaft kam man überraschend gut in die Saison rein. Sofort wurden Stimmen laut, dass der Entschluss, den Landesliga-Startplatz einfach so „herzuschenken“, ein großer Fehler gewesen sei. Bereut man den Schritt inzwischen? „Wenn ich gewusst hätte, dass die Mannschaft so aussehen, so intakt sein und so funktionieren wird, dann hätte ich uns das nicht nur zugetraut, sondern hätte die Truppe auch gerne dort gesehen und glaube auch, dass wir durchaus den einen oder anderen Sieg hätten einfahren können“, entgegnet Bennet Krause.

"Die damalige Situation war einfach eine ganz andere"

Torben (li.) und Bennet Krause haben die Höhen des Vereins als Spieler mitgeprägt - nun wollen sie als Trainer-Gespann nach dem Absturz eine neue Ära am Blomkamp einläuten. Foto: noveski.com

Wenn man nur die nackten Zahlen und Fakten betrachtet, sei es „als Außenstehender vielleicht relativ einfach, zu sagen: Es war ein Fehler. Ich kriege die Frage auch sehr oft gestellt. Aber die damalige Situation war einfach eine ganz andere“, erinnert Krause an eben jene Zeit, als er komplett ohne Personal dastand. „Uns haben 34 Spieler aus zwei Mannschaften verlassen. Dass jetzt wieder so schnell aufzubauen, das war schon eine monstermäßige Arbeit. Aber wir sind natürlich froh, dass es so läuft – und hoffen, dass wir so zusammenbleiben können“, hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Aber Krause weiß auch – und dass nicht erst seit den beiden Pleiten zuletzt: „Es wird immer mal einen Dämpfer und Nackenschläge geben. Daraus müssen die Jungs lernen.“

Fakt sei aber auch, dass das Zusammenspiel – auch mit der Rückkehr von Liga-Manager Cemil Yavas – derzeit „super viel Spaß bringt. Die Jungs sind in jedem Training gierig. Das spiegelt sich dann auch auf dem Platz wider.“ Zudem ist das Selbstvertrauen, was am Blomkamp komplett abhandengekommen war, zurückgekehrt: „Du gewinnst jetzt wieder ein bisschen häufiger. Da ist dann auch wieder ein anderes Selbstverständnis da, es bringt allen Spaß, man will sich zeigen und viele Dinger fallen einfacher.“ Deshalb will Bennet Krause auch nichts vom Wort „Bereuen“ wissen oder hören. Manchmal kann so ein Schritt eben auch eine neue Ära einläuten. „Wir werden auf jeden Fall versuchen, so lange wie möglich da oben mitzuspielen und uns auch nicht davor verschließen. Es kann für einen Neuaufbau auch ganz gut sein, etwas aufzubauen, anstatt als Mannschaft zu starten, die nur etwas verwalten muss oder gegen den Abstieg spielt. So kann man eine gewisse neue Euphorie entfachen.“

"Wir können da oben mitspielen"

Eine Euphorie, die den TuS Osdorf wieder in andere Sphären führen kann. „Wir haben uns jetzt einen Eindruck von der Liga verschaffen können. Ich stelle mich auch nicht hin und sage, da sind fünf, sechs Mannschaften besser. So selbstbewusst sind wir schon und so ehrlich will auch ich sein, zu sagen: Wir können da oben mitspielen. Und ich glaube auch, dass wir die Breite im Kader haben, so dass man das bis zum Ende der Saison durchaus als Ziel vorgeben kann“, richtet Krause den Blick nur noch nach vorne.