LOTTO-Pokal
5. Spieltag


FC Hamburger Berg

7

:

6


Harburger SC

Anpfiff

So - 20.03. 15:00 Uhr

Spielstätte

Wichmannstraße/Grand

Zuschauer

--

Schiedsrichter

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LOTTO-Pokal

Das Märchen geht weiter: Der FC Hamburger Berg lebt den Pokal-Traum!

Die Spieler des FC Hamburger Berg bejubeln ihren Keeper Patrick Antwi (Mi.). Foto: Heiden

Kreisklassist FC Hamburg (4:0), der unangefochtene Landesliga-Primus Eimsbütteler TV (2:0 n. E.) und Bezirksligist Heidgrabener SV (2:1) mussten bisher dran glauben. Sie alle fielen dem FC Hamburger Berg auf sportlicher Ebene zum Opfer. Völlig überraschend, fast schon sensationell, kämpfte sich der krasse Underdog aus der Kreisklasse bis ins Achtelfinale im LOTTO-Pokal vor. Dort sollte mit dem Harburger SC der nächste Bezirksligist ausgeschaltet werden. Und genau so kam es auch (alle Highlights und Einzelheiten im LIVE-Ticker zum Nachlesen)!

Ex-Profi Morike Sako (li.) im Duell mit dem ehemaligen Oberliga-Trainer Markus Walek, der beim HSC als "Sechser" kickt. Foto: Heiden

Erst ballte Patrick Antwi vor Freude beide Fäuste. Dann guckte er etwas ungläubig nach rechts und links, als wollte er fragen: „War‘s das?“ Als seine Teamkollegen schließlich auf den Keeper des FC Hamburger Berg los- und zustürmten, schien er etwas verlegen mit beiden Händen andeuten zu wollen: „Ich habe doch gar nichts gemacht.“ Denn: Als Aron Kolako zum Elfmeter für seinen Harburger SC anlief und treffen musste, um den Bezirksligisten im Spiel zu halten, jagte er das Spielgerät an die Latte. Schluss, Aus, vorbei – der Kreisklassist hatte das nächste Pokal-Wunder wahrgemacht! Und Antwi? Der trug dazu entscheidend bei. Der 34-jährige Fänger, einst sogar ghanaischer Nationaltorwart (!), parierte im Elfmeterschießen gleich zwei Versuche gegen Leon Löffke und Marco Löffke. Damit hielt er sein Team überhaupt im Spiel!

Reckewell findet deutliche Worte: Pokal-Aus ist "Dummheit"

Der ehemalige Altona-Angreifer Marko Sumic (Mi.) war bei der Hamburger Berg-Defensive gut aufgehoben und nahezu abgemeldet. Foto: Heiden

„Wir sind zweimal vor, müssen den Ball nur ins Eck schießen – und wir scheißen uns in die Hose! Dabei ist das doch ein geiler Moment, wenn du weißt, du musst ihn nur reinschießen – und du gewinnst“, ärgerte sich HSC-Coach Alexander Reckewell. Auch darüber, dass Markus Stromberger eine Viertelstunde vor Ultimo komplett blank vor Antwi auftauchte, mit einem jämmerlichen Abschluss aber am „Teufelskerl“ zwischen den Pfosten scheiterte (76.). „Wir müssen kurz vor Schluss das 2:1 machen – dann war‘s das“, bezeichnete Reckewell das Ausscheiden als „Dummheit“. Und weiter: „Wir wussten, dass wir kämpferisch dagegenhalten müssen, konnten unser Spiel auf dem Acker aber gar nicht aufziehen.“

Das Ausscheiden sei enorm „hart“, machte er keinen Hehl daraus. „Man muss jetzt gucken, wie man das verarbeitet. Sicherlich geht die Meisterschaft vor. Die HNT hat heute verloren – es hätte so ein geiler Abend werden können. Stattdessen trägt man jetzt Trauer. Aber wir müssen nun zusehen, dass wir in der Liga dranbleiben", will man das Pokal-Aus schnell abschütteln und im Aufstiegsrennen dabeibleiben.

Touray trifft früh, Shir gleicht aus

Morike Sako zog im Mittelfeld die Fäden beim Hamburger Berg. Foto: Heiden

Aber zurück zum „Pokalteam“ Hamburger Berg: Sie kämpften, sie ackerten und rackerten leidenschaftlich. Mehr noch. Nach nicht einmal 180 Sekunden krönte Ebrima Touray eine starke Einzelaktion und brachte den David gegen den Goliath abermals auf die Siegerstraße! Der zwei Klassen höher spielende Gegner wirkte unheimlich träge und fahrig, fand kaum statt, so dass der Außenseiter um Ex-Profi Morike Sako keine große Mühe hatte, die Führung zu verteidigen. Zumindest bis zur 31. Minute, als Ilias Jawan Shir mit einem mächtigen 16-Meter-Pfund in den rechten Giebel den Ausgleich markierte.

Antwi zu Sako: "Mo, lass uns ins Elfmeterschießen gehen"

Aber die Kruspe-Kicker hielten auf der roten Asche an der Wichmannstraße weiter dagegen – bis zum Schlusspfiff. Bis zu eben jenem Moment, als mal wieder die große Stunde von Patrick Antwi schlug. Auch der langjährige Profi Morike Sako, der im Mittelfeld die Fäden zog, war sich sicher, dass seine Equipe vom Punkt die besseren Karten haben würde – nicht zuletzt dank des Torhüters. „Definitiv. Zehn Minuten vor dem Ende hat er zu mir gesagt: ‚Mo, lass uns ins Elfmeterschießen gehen.‘ Deswegen habe ich die Bälle auch immer wieder nach vorne geschlagen, weil die Kräfte nicht mehr da waren“, verriet er anschließend.

"Unter die letzten Acht zu kommen, da wird ein Traum wahr"

Die Spieler des Hamburger Berg lassen ihren Trainer Gerd Kruspe nach dem neuerlichen Coup hochleben. Foto: Heiden

Doch auch auf der Gegenseite stand mit Koray Candan ein Könner seines Fachs zwischen den Pfosten und parierte die Versuche von Sharif Osman und Zakariya Nasiru. Zweimal hatte der HSC so etwas wie einen Matchball. Aber Antwi hatte etwas dagegen! „Es ist schon fast normal – ich kenne das ja bereits aus den Runden zuvor“, scherzte der Matchwinner, der einen Elfmeter selbst verwandelte, hinterher. „Unter die letzten Acht zu kommen, da wird ein Traum wahr. Das ist unglaublich!“ Dabei hat Antwi sogar schon Erfahrungen auf allerhöchstem Niveau in seiner Heimat gesammelt. Aber: „Er hat eine starke Verletzung, weshalb er nicht mehr als Profi spielen kann“, erklärte sein Trainer Gerd Kruspe.

"Die Jungs haben wieder voll dagegengehalten"

Der Übungsleiter war einmal mehr mächtig stolz auf seine Schützlinge: „Ich wusste, dass die Chance da ist. Und die Jungs haben wieder, wie bisher in jeder Runde, voll dagegengehalten. Ein Elfmeterschießen ist immer auch eine Portion Glück. Aber wir haben es wieder richtig gut gemacht – schon während der 90 Minuten. Ich bin sehr glücklich“, strahlte Kruspe übers ganze Gesicht.

"Ich habe viel erlebt - aber das gehört ganz oben mit dazu"

Kreisklassist FC Hamburger Berg steht nach dem Sieg gegen den Harburger SC im Pokal-Viertelfinale und trifft dort auf Landesligist SC Hansa 11. Foto: Heiden

Auch der inzwischen 40-jährige Morike Sako, der seinen „Elfer“ sicher verwandelte, kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: „Nie im Leben“, habe er damit gerechnet, so weit zu kommen. „Was wir geleistet haben, ist unfassbar! Die Truppe ist verrückt. Wir kriegen kaum zehn Leute zum Training zusammen. Das ist echt krass. Aber wir schaffen es immer wieder, voll fokussiert auf dieses eine Spiel zu sein. Das ist auch keine Glückssache. In einem Spiel ist alles möglich. Und wir haben das mit Erfahrung und Cleverness geschafft.“ Der 2,02 Meter Hüne, der 67 Zweitliga-Spiele für St. Pauli und Arminia Bielefeld in seiner Vita stehen hat, gestand abschließend sogar: „Ich habe echt viel erlebt, aber das gehört ganz oben mit dazu.“

Morike Sako trifft vom Elfmeterpunkt

Hamburger Berg-Keeper Patrick Antwi verwandelt einen "Elfer"

Patrick Antwi pariert den Strafstoß von Marco Löffke

Die Sensation ist perfekt: Der Hamburger Berg steht im Pokal-Viertelfinale

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