Regionalliga Nord
27. Spieltag


FC Eintracht Norderstedt

1

:

0


Eimsbütteler TV

Anpfiff

So - 24.03. 14:00 Uhr

Spielstätte

Edmund-Plambeck-Stadion

Zuschauer

675

Schiedsrichter

Florian Pötter

Regionalliga Nord

„JPR“-Serie hält: Brendel sorgt wieder für „Schlüsselmoment, der zum Öffner wird“

Manuel Brendel (Mi.) avancierte einmal mehr mit seinem goldenen Tor zum Norderstedter Matchwinner. Foto: Eintracht Norderstedt/Alexander Koltermann

Das erste Aufeinandertreffen hat in Norderstedt Spuren hinterlassen. Mit 5:0 wurde die Eintracht von einem furios aufspielenden Aufsteiger aus Eimsbüttel überrollt. Der „in allen Belangen nicht Regionalliga-würdige“ Auftritt sorgte am Tag danach dafür, dass Olufemi Smith seinen Posten im Edmund-Plambeck-Stadion räumen musste, obwohl man tabellarisch noch ordentlich dastand. Der erhoffte Turnaround blieb in der Folge unter Max Krause allerdings aus. Stattdessen rutschte Norderstedt immer tiefer ab. Bis Jean-Pierre Richter das Ruder übernahm. „Wir haben das Hinspiel in der Analyse und in der Vorbereitung auf den Gegner nochmal angesprochen. Ich habe mir das Spiel auch nochmal angeguckt, um ein Gefühl für den Gegner zu bekommen. Natürlich war es auch unser Ziel, heute drei Punkte zu erzielen“, betonte „JPR“.

Sein erster Torerfolg wurde ihm noch zurückgepfiffen. Dabei tat Manuel Brendel nichts Regelwidriges. Nach einer Linksflanke von Nils Brüning profitierte der Stürmer des FC Eintracht Norderstedt davon, dass ETV-Keeper Viktor Weber am Ball vorbeisegelte und Jasper Hölscher gar nicht erst hochstieg – während Brendel entschlossen einnickte. Doch Referee Florian Pötter (FC Voran Ohe) machte offenbar ein Vergehen von Brendel aus, entschied auf Offensivfoul und gab den Treffer nicht (23.). Kurios!

Norderstedt im Glück

ETV-Keeper Viktor Weber (Mi.) fliegt vorbei, Manuel Brendel köpft ein - doch dem Treffer wurde die Anerkennung verwehrt. Foto: Eintracht Norderstedt/Alexander Koltermann

Nur wenige Augenblicke später wurde es auf der anderen Seite ziemlich undurchsichtig und vor allem erneut äußerst strittig: Samuel Olayisoye beförderte das Spielgerät vom eigenen Sechzehner aus weit vor das gegnerische Gehäuse. Arne Exner kam aus seinem Kasten, stoppte die Kugel mit der Brust und wollte sie aus der Gefahrenzone befördern, traf direkt an der Strafraumgrenze aber nur den Kopf von Henry Koeberer. Referee Pötter zeigte dem Keeper Gelb und entschied auf Freistoß für den ETV. Da sich Marc Bölter bereits in der Vorwärtsbewegung befand, Exner letzter Mann war und Koeberer das Leder – ohne Foulspiel – ins verwaiste Gehäuse hätte tragen können, wäre eine andere Kartenfarbe wohl gerechtfertigter gewesen (25.).

"Das war wohl ein Kommunikationsproblem"

Aushilfs-Rechtsverteidiger Marc Bölter (li.) im Duell mit Henry Koeberer, der eine strittige Szene auf der anderen Seite hatte. Foto: Heiden

„Das war eine zerfahrene Aktion. Ich glaube, wenn er im Tor bleibt, kann er den Ball einfach aufnehmen. Da rauszukommen, das war wohl ein Kommunikationsproblem mit Marc, weil die Abstimmung nicht gepasst hat. Ich glaube, der Ball war gar nicht so heiß, wie er dann wurde. Das ist eine Situation, die es häufiger gibt, die man auch anders lösen kann“, befand Norderstedt-Coach Jean-Pierre Richter – und durfte am Ende trotzdem erneut jubeln, weil Brendel auch im dritten Spiel unter der Regie des neuen Cheftrainers erfolgreich war. Einen Freistoß von Florian Meier ließ Kevin Prinz von Anhalt uneigennützig für Brendel abtropfen. Der wuchtige Abschluss aus kurzer Distanz führte zur Führung (34.)!

„Das hat er sich ein Stück weit erarbeitet und schon zu Beginn der Saison angedeutet. Umso schöner, dass er das jetzt mit tollen Leistungen umgesetzt bekommt“, lobte Richter seinen Matchwinner – und fügte an: „Er hat Zweikämpfe geführt, ist viel für die Mannschaft angelaufen und hatte eine hohe Intensität. Da darf er gerne in den nächsten Spielen weitermachen“, sah Richter den Torerfolg als „einen Schlüsselmoment, der zum Öffner wird“, aber auch einen „sehr couragierten und engagierten Start ins Spiel“. Trotz der Belastungen der letzten Tage habe sein Team „eine gute Anfangsphase“ gehabt und „war sehr griffig“.

"Vorne hat so ein bisschen der Punch gefehlt"

Der mal wieder starke Norderstedter Linksverteidiger Florian Meier (li.) im rustikalen Kampf um den Ball gegen Niklas Bär. Foto: Heiden

Ganz im Gegensatz zu den Gästen. „Wir sind nicht so gut reingekommen und waren ein bisschen passiver, als wir uns das vorgenommen haben. Norderstedt erzwingt das Tor durch den Standard“, konstatierte Co-Trainer Jonas Struckmann, der in der Halbzeitpause eine andere Marschroute vorgab: „Wir haben uns vorgenommen, wesentlich mutiger zu sein – sowohl mit als auch gegen den Ball. Ich glaube, das haben wir ganz gut umgesetzt und sind häufiger mal in gefährliche Räume reingekommen.“ Aber: „Vorne hat so ein bisschen der Punch gefehlt. Wir haben es nicht geschafft, aus unseren Zielräumen auch mal die Tiefe zu bespielen, die Box zu bespielen oder das Tor zu bedrohen. Das sind Themen, wo wir nochmal ranmüssen.“

"Die Liga kann sich darauf einstellen, dass wir weiter Vollgas geben"

Und dennoch war es Struckmann ein Bedürfnis, eine Lanze für seinen ETV zu brechen: „Wir können gegen einen guten Regionalligisten ein Spiel auf Augenhöhe liefern. Das merken wir Woche für Woche. Und das muss man der Mannschaft einfach mal zugutehalten, denn das ist für uns – mit den Umständen, die wir haben – ein Riesenerfolg. Ich erlebe eine Mannschaft, die viele Rückschläge einstecken muss, sich aber Woche für Woche unheimlich aufreibt im Training. Keiner lässt nach oder verliert an Motivation, sondern ich erlebe eine Mannschaft, die Bock hat zu arbeiten und die versucht, besser zu werden – sowohl individuell als auch im Kollektiv. Die Liga kann sich darauf einstellen, dass wir auch die letzten Wochen mit Vollgas agieren werden!“

"Man darf nicht vergessen, was die Mannschaft in den Beinen hat"

Sieben Punkte aus drei Spielen: Der Start von Jean-Pierre Richter als Chefcoach des FC Eintracht Norderstedt ist geglückt. Der Neu-Coach hat die Trendwende eingeleitet. Foto: Heiden

Auch Richter fand durchaus lobende Worte für den Kontrahenten. „Ein sehr lauffreudiger und taktisch ansprechender Gegner, der uns gefordert hat. Trotzdem hatten wir immer wieder Lösungen parat – sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball.“ Mit fortlaufender Spielzeit habe man es aber „verpasst, die Angriffe etwas gezielter und sauberer zu Ende zu spielen. Aber für uns zählt jetzt einfach, dass die Mannschaft die Intensität der letzten Tage angenommen hat, die Belastung weggelaufen ist und weggespielt hat.“ Denn: „Man darf nicht vergessen, dass ein Großteil der Mannschaft jetzt Mittwoch-/Samstag-Spiele über 90 Minuten in den Beinen hat. Da mussten wir die Körner nochmal reaktivieren. Hintenraus waren wir läuferisch da, wo wir sein müssen. Man hat aber auch gemerkt, dass es nach und nach etwas unsauberer wurde und eben sehr intensiv war, in acht Tagen drei Spiele zu absolvieren.“

"Einer der Spieler, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann"

Nichtsdestotrotz: Auch die taktischen Anpassungen haben gesessen. So musste Marc Bölter – nachdem er zuletzt schon als Innenverteidiger aushalf – dieses Mal den Rechtsverteidiger geben. „Marc ist – genauso wie Flo (Meier, Anm. d. Red.) – seitdem ich hier bin, einer der Spieler, auf den man sich permanent und zu 100 Prozent verlassen kann“, so Richter, der hofft, „dass wir am Donnerstag (Nachholspiel in Spelle, Anm. d. Red.) genau da ansetzen können, womit wir angefangen haben. Und dann werden wir über Ostern die eine oder andere Wunde lecken und den Akku nochmal aufladen dürfen“.