Landesliga 01

Ramelow geht mit seiner NTSV-U23 „All-in“ – und bleibt!

Jan Ramelow hat sich zu "Mr. Niendorf" gemausert. Mit der U23 führt er als Chefcoach die Landesliga an, als Co-Trainer der Liga weilt man auf dem dritten Platz in der Oberliga. Foto: Bode

Der Niendorfer TSV mischt den Hamburger Amateurfußball auf! Die Liga-Mannschaft der „Sachsenwegler“ hat zuletzt der schier übermächtigen TuS Dassendorf (1:0) ein Bein gestellt, die U23 führt das Feld in der Landesliga-Staffel 1 an – und das nicht irgendwie, sondern mit einem bereits satten Vorsprung. Jan Ramelow ist als Chefcoach der „Zweiten“ – im Verbund mit Sebastian Loether – nicht nur für den Erfolg der U23 verantwortlich, sondern mischt als Co-Trainer von Ali Farhadi auch bei der Oberliga-Truppe mit. Uns hat der 29-Jährige nicht nur einen Einblick in die „Erfolgsgeschichte“ mit der Zweitvertretung gegeben, sondern plaudert mit uns auch über das Ziel von der Meisterschaft – und blickt bereits konkret auf die kommende Saison voraus: „Der Großteil des Kaders hat bereits verlängert. Mit dem Rest sind wir in guten Gesprächen“, verrät Ramelow – und spricht auch über seine Zukunft.

FussiFreunde: Was macht ihr als U23 augenscheinlich so viel besser, als andere ambitionierte Vereine, die offenkundig in die Oberliga wollen oder zumindest damit kokettieren?

Jan Ramelow (li.) hat gut lachen. Mit der U23 will er nun "All-in" gehen und peilt den Titel an. Foto: noveski.com

Jan Ramelow: „Ich weiß ja gar nicht im Detail, wie gewisse Mannschaften arbeiten. Und ich maße es mir auch nicht an, zu sagen: Wir machen Dinge besser. Ich glaube aber, dass wir insgesamt sehr gut arbeiten und es momentan auf eine sehr gute Art und Weise schaffen, die Jungs einen großen Schritt nach vorne zu bringen und zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass sie sich dann schnell im Herrenbereich zurechtfinden, ihre Leistung abrufen und letztlich gut performen. Wir haben immer Spieler mit einem tollen Potenzial gehabt. Aber Potenzial ist nun mal nicht alles. In dieser Saison können wir auch zurecht offensive Ziele formulieren.“

Offensiv heißt: Meisterschaft?

Ramelow: „Wir sind sechs Spieltage vor dem Ende mit acht Punkten Vorsprung vorne. Wir gehen jetzt ‚All-in‘! Wir werden uns nicht kleiner machen, als wir sind, sondern sechs Spiele lang alles reintun, was wir haben. Jetzt am Wochenende müssen wir zu HR zum absoluten Topspiel. Danach werden wir schon mehr wissen – zumindest wird dann eine gewisse Tendenz erkennbar sein. Am Ende steckt da wirklich sehr viel Arbeit drin! Wir haben richtig Gas gegeben. Deshalb würde ich es uns allen riesig wünschen, diesen Erfolg auch einzustreichen.“

„Performt“ ihr denn über dem, was du für möglich gehalten hast?

Ramelow möchte den eingeschlagenen Weg, junge Talente zu fördern und zu entwickeln, beim NTSV weitergehen. Foto: Bode

Ramelow: „Wir sind relativ offen in die Saison gegangen, weil wir gesehen haben, was für tolle Jungs wir in der Mannschaft haben – und ein Ziel richtet sich auch immer danach. Dass wir zum jetzigen Zeitpunkt sechs Punkte weg sind, das hätte ich mir vielleicht nicht unbedingt ausgemalt. Aber wir wussten schon, dass wir eine sehr gute Mannschaft sind, die – wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen – unheimlich schwer zu schlagen ist. Und eben auch, dass es nicht viele Mannschaften in dieser Liga gibt, die besser sind als wir. Und wenn nicht viele Mannschaften besser sind, dann muss man vielleicht auch oben mit dabei sein.“ 

Ihr steht in der Tabelle ganz oben, könnt und dürft aber nicht aufsteigen. Was ist dir die Meisterschaft dennoch ganz persönlich wert?

Ramelow: „Dass mit dem Aufstieg ist halt so. Das sind die Regeln. Natürlich ist das schade und bitter, wenn wir uns das sportlich verdienen würden, Oberliga zu spielen in der nächsten Saison, es dann aber aufgrund von Regularien nicht können. Aber wir wussten das am Anfang der Saison. Es ist keine neue Situation. Trotz dessen wäre es mit einer so jungen Mannschaft eine Riesensache, die Liga am Ende einer Saison anzuführen – und vermutlich auch die beste Platzierung, die es für eine Niendorfer U23 jemals gab. Und das wäre doch ein schönes Ziel. Dafür lohnt es sich, jetzt nochmal sechs Wochen lang alles rauszuhauen!“

Inwiefern ist denn schon eine Entscheidung gefallen, wie es für dich in der kommenden Saison weitergehen wird?

Bei der Liga-Mannschaft wird Ramelow weiter als Co-Trainer von Ali Farhadi fungieren und damit für eine enge Verzahnung zwischen Erster und Zweiter Herren sorgen. Foto: Küch

Ramelow: „Ich habe meinen Vertrag in Niendorf um eine weitere Saison verlängert und werde Cheftrainer der U23 bleiben. Ich freue mich darüber sehr. Wir hatten gute Gespräche. Beide Seiten wollten weitermachen. Es ist nach wie vor ein sehr interessantes Projekt. Die Saison läuft wirklich sehr gut und ich habe große Lust, die Mannschaft in der nächsten Saison weiter zu begleiten, weiter zu entwickeln – und das, was wir diese Saison geschafft haben, auf jeden Fall mindestens zu bestätigen.“

„Mindestens“ zu bestätigen ist gut. Ihr seid Tabellenführer…

Ramelow: „Ja, das stimmt. Und grundsätzlich muss man ja auch sagen: Wenn man sechs Spieltage vor Schluss mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer ist, dann ist es auch nicht vermessen, zu sagen: Wir würden da oben auch gerne bleiben. Aber im Endeffekt hatten wir in Niendorf zu Beginn meiner Amtszeit auch ein schwierigeres Jahr. Wir haben lange darauf hingearbeitet, jetzt so gut dazustehen. Und ich glaube, wir stehen auch zurecht da oben und sind aktuelle die stärkste Mannschaft. So selbstbewusst bin ich, das zu sagen. Aber: Man kann immer mal ein Jahr erfolgreich sein. Es gibt genug Beispiele von Mannschaften, von denen dann lange nichts mehr kam. Von daher denke ich, dass es oftmals noch viel schwieriger ist, solch ein gutes Jahr im zweiten zu bestätigen, als so einen Erfolg in einem Jahr mal einzustreichen. Deswegen habe ich da große Lust drauf und glaube, dass wir eine richtig gute Mannschaft zusammen haben. Die werden wir auch nächstes Jahr noch beisammenhaben. Unser Anspruch muss es sein, unter den ‚Top 25‘ in Hamburg dabei zu sein. Und wenn ich das mal durchrechne, wäre man damit in der Landesliga relativ weit oben.“

Und was in dieser Saison eben auch sehr auffällig ist: Ihr macht das ohne große Liga-Unterstützung. Da gab und gibt es ja auch ganz andere Beispiele. Ist das von eurer Seite bewusst so gesteuert?

Ramelow: „Am Ende ist es einfach so, dass wir versuchen, dort eine gewisse Logik reinzubringen. Oft läuft es ja so, dass Spieler von ‚A‘ nach ‚B‘ geschoben werden. Ali (Liga-Trainer Farhadi, Anm. d. Red.) und ich arbeiten ja sehr eng zusammen – und wir sind der gleichen Meinung, dass das so eben keinen Sinn macht. Das bringt uns nichts, aber auch den Spielern nichts. Wir wollen, dass sich die Jungs von unten nach oben durch gute Leistungen in der U23 entwickeln, dadurch dann in der Oberliga Trainingszeiten bekommen und sich diese verdienen, um auf Sicht ein Thema zu werden. Aber es muss eben auch immer passen. Andersherum ist es aber auch so: Wenn ein Spieler oben nicht regelmäßig zum Zug oder aus einer Verletzung kommt, dann ist es auch für uns ein Teil der Aufgabe, dass wir diese Spieler unterstützen. Uns ist immer wichtig, dass das auf Leistungsebene basiert. Denn wir reden da eben auch über den Tabellenführer der Landesliga. Eine Mannschaft, bei der es eine große Breite an guten Spielern gibt. Wir sind da immer sehr eng im Austausch und versuchen, die individuell beste Lösung zu finden. Wir freuen uns, wenn uns die Oberliga unterstützt, sind aber nicht darauf angewiesen, weil wir eine richtig gute Truppe beisammenhaben. Geschenke gibt es bei uns nicht.“ 

Du hast den sehr engen Austausch mit Liga-Trainer Ali Farhadi schon angesprochen. Du bist ja aktuell in Doppelfunktion tätig – sowohl als U23-Coach als auch in der Funktion als Co-Trainer bei der Oberliga-Mannschaft. Wird das auch in der kommenden Saison in der Konstellation weitergehen?

Die Zusammenarbeit mit Liga-Chefcoach Ali Farhadi läuft richtig gut, sagt Ramelow. Foto: Bode

Ramelow: „Das wird so bleiben. Wir haben diese Entscheidung damals so getroffen, weil wir gemerkt haben, dass das vom Austausch her total Sinn macht. Es ist natürlich auch für die jungen Spieler eine ‚sehr angenehme‘ Situation, wenn ihr Cheftrainer aus der U23 auch in der Oberliga mit dabei ist. So sind die Wege natürlich kürzer. Und es macht uns großen Spaß. Ich denke, dass auch alle im Drumherum merken, dass wir richtig gut zusammenarbeiten – und das derzeit ja auch relativ erfolgreich. Von daher gab es nicht allzu viele Gründe, zu sagen, wir machen es jetzt anders. Vielmehr halten wir es intern konzeptionell für den sinnvollsten Weg. Wir haben in der Vergangenheit viele Dinge gut gemacht, aber es gab noch Optimierungspotenzial. Und ich glaube, in der Konstellation können wir wirklich behaupten, eine richtig gute Plattform für junge Spieler zu bieten. Einen engeren Austausch kann man letztendlich nicht haben.“

Wie eng sieht denn die Verzahnung zwischen der Liga und der U23 ganz konkret aus?

Ramelow: „Allein durch die Konstellation, dass ich Alis Co-Trainer bin, ist die sehr eng. Wir haben schon Spieler, die regelmäßig in der Oberliga mittrainieren, dort bereits im Kader waren oder sogar zum Einsatz gekommen sind. Ziel ist es natürlich, dass die Jungs über gute Leistungen in der U23 und im Training ihre Momente in der Oberliga bekommen. Denn dafür machen wir es auch, um für uns Oberliga-Spieler zu entwickeln. Wir haben in dieser Saison viele gute, junge Leute dabei, die die nächsten Schritte gehen werden. Den einen oder anderen der Jungs werden wir auch zeitnah in der Oberliga sehen. Darüber freuen wir uns. Denn das gehört am Ende des Tages auch immer zu unserer Aufgabe bei der U23 dazu.“

Um nochmal auf die U23 zu sprechen zu kommen: Eine Veränderung wird es ja definitiv geben. Und zwar wird dein bisheriger Trainer-Pendant Sebastian Loether zur Spielzeit neuer Chefcoach beim HFC Falke werden. Wie werdet ihr den Abgang kompensieren und auffangen?

Bei der U23 bekommt Ramelow zur kommenden Saison zwei neue Co-Trainer an die Seite gestellt. Foto: noveski.com

Ramelow: „Basti hinterlässt auf der Position natürlich eine Lücke. Aber uns ist es gelungen, diese relativ schnell und zügig zu schließen. Es werden zwei neue und junge Co-Trainer zur kommenden Saison dazu stoßen. Einerseits wird unser langjähriger Torwart Constantin Lustermann, der sich natürlich auch weiter fit halten wird, das Funktionsteam verstärken. Er hat große Lust, in diese Tätigkeit reinzuwachsen und wird nicht nur die Torhüter betreuen, sondern auch noch ‚on top‘ mich als Co-Trainer unterstützen. Das war uns sehr wichtig. Denn er war auch in der Vergangenheit schon jemand, mit dem ich mich immer viel und eng ausgetauscht habe. Deswegen freue ich mich sehr darüber, dass er jetzt auch ganz offiziell dabei sein wird.“

Und wer ist der zweite Name?

Ramelow: „Dabei handelt es sich um Dustin Benndorf. Er hat vorher im Niendorfer Jugendbereich sehr erfolgreich gearbeitet. Das spricht ja auch schon dafür, dass er eben sehr große Lust hat, mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten und sie zu entwickeln. Das ist bei uns natürlich immer ganz wichtig. Hinzu kommt, dass er die nächsten Jahrgänge, die für uns relevant sind, trainiert hat und sich dort bestens auskennt. Das ist für uns vom Insiderwissen eine super wertvolle Ergänzung – natürlich neben seiner Tätigkeit als Trainer.“

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