Kreisliga 5

Sogar Kittel gratuliert: SV Blankenese landet „Hammer-Transfer“

Kusi Kwame (re.) verstärkt die SV Blankenese in der Bezirksliga - und kommt mit reichlich Drittliga-Erfahrung. Foto: SVB

„Wir hätten schon gedacht, dass das hohe Wellen schlagen wird – aber mit so hohen haben wir nicht gerechnet“, sagt Marc Zippel, Fußball-Abteilungsleiter der SV Blankenese. Der souveräne Meister der Kreisliga-Staffel 5 hat nämlich einen „Hammer-Transfer“ eingetütet: Wie der Verein über seine Social-Media-Kanäle verkündet, wechselt Kusi Kwame vom ambitionierten Oberligisten ETSV Hamburg zum Bezirksliga-Aufsteiger! „Kusi gehörte in den letzten zwei Jahren zu den Leistungsträgern der Mannschaft, führte den ETSV Hamburg als Kapitän aus der Landes- in die Oberliga und spielt aktuell um Platz drei in der höchsten Spielklasse Hamburgs.“ Doch auch Kwames vorige Stationen (unter anderem Hamburger SV II, Fortuna Köln und RW Erfurt) können sich sehen lassen. Über 100 Einsätze in der Dritten Liga lassen Kwame zu einem echten „Königstransfer“ für die SV Blankenese werden.

Sonny Kittel war einer der ersten Gratulanten unter dem „Instagram“-Post der SV Blankenese. Der Ex-Profi des HSV, der aktuell vom amtierenden polnischen Meister Rakow Czestochowa nach Australien zu den Western Sydney Wanderers ausgeliehen ist, hat auch einen kleinen Anteil am Wechsel von Kwame zur SVB – denn: Mit seiner „Write The Future Academy“, die Kwame zusammen mit dem Teutonen Kevin Weidlich betreibt, trainiert der 34-Jährige den einen oder anderen Akteur aus dem Profi-Bereich – darunter eben auch Kittel sowie Robert Glatzel, Lewis Holtby, Stephan Ambrosius oder Vitaly Janelt. Als Kwame eines Tages sein „Personal Training“ auf dem Sportplatz Waldesruh abhalten wollte, erhielt Marc Zippel einen Anruf vom Mittelfeld-Lenker des ETSV.

„Vorne gut bestückt, hinten noch leichte Bauchschmerzen“

Kusi Kwame wechselt vom Oberliga-Dritten ETSV Hamburg zum Bezirksliga-Aufsteiger - und hält sein neues Trikot in den Händen. Foto: SVB

So kam letztendlich eines zum anderen. Zippel, der zwei Söhne hat, fragte Kwame, ob sein Sohn Bennet, der selbst aktiv ist, im Sommer als einer von drei Spielern vom VfL Pinneberg nach Blankenese wechselt, aber gleichzeitig auch Ambitionen als Trainer hegt und gerade die B-Lizenz in Angriff nimmt, im Rahmen seines Studiums bei ihm in Zukunft mal hospitieren darf. „Das Gespräch mit Kusi war unglaublich sympathisch“, erinnert sich Zippel, der zusammen mit seinem Sohnemann beim Kittel-Auftritt auf dem Sportplatz Waldesruh zuschaute – und einen ungemein positiven Eindruck gewann. In doppelter Hinsicht. Denn: Zippel sah sein Team „vorne gut bestückt“, aber verspürte „hinten noch leichte Bauchschmerzen“ – auch aufgrund der höheren Spielklasse.

„Ein gutes Glas Wein“

Und so trat der Fußball-Abteilungsleiter der SVB mit Kwame aufgrund dessen riesengroßer Vernetzung in Verbindung. „Wir wollten eruieren, ob wir über ihn an den einen oder anderen Kontakt rankommen“, verrät er. Das gemeinsame Treffen im Altonaer Museum dauerte zwei Stunden an – und schnell spürten alle Seiten, dass man auf einer Wellenlänge ist. „Wie ein gutes Glas Wein“, witzelt Zippel, für den Kwame mehr als nur eine „Wunschlösung“ für die Position war. Eine anfangs scheinbar unerreichbare Wunschlösung. „Er ist der Stabilisator, den wir uns gewünscht haben. Auch die Jungs sind alle aus dem Häuschen und wollen von ihm und seinem Erfahrungsschatz viel lernen und mitnehmen.“

„Ich schreibe Ramon ganz viel zu – er ist ein super Trainer“

Denn Kwame gab der SVB tatsächlich sein Ja-Wort. „Wir haben von Anfang an offen kommuniziert, dass es bei uns kein Geld gibt“, beteuert Zippel – und schenkte dem hochrangigen Neuzugang direkt reinen Wein ein. „Aber wir haben ihm gesagt, dass wir ihn mit seiner Firma bestmöglich unterstützen können“, will er jedoch nicht allein die Lorbeeren ernten, sondern hebt Trainer Ramon Sagebiel hervor und lobt diesen in den allerhöchsten Tönen: „Ich schreibe Ramon ganz viel zu. Er ist ein super Trainer, sehr empathisch, ruhig, aber auch sehr fokussiert und sehr klar. Ich bin jetzt seit 15, 16 Monaten dabei – und kann sagen, dass ich noch nie einen so liebevollen Trainer erlebt habe.“

„Es ist so etwas wie mein Heimatverein“

Auch in Blankenese läuft Kwame mit seiner angestammten Rückennummer "6" auf. Foto: SVB

Fakt ist auch, dass am Waldesruh sportlich wieder etwas am Wachsen ist. Mit dem Ersten Vorsitzenden des Vereins, Jörg von Appen, hat Zippel einst selbst noch in der Liga zusammengespielt. Auch sein Vater war für die SVB aktiv. „Ich mag den Club und die Anlage furchtbar gern. Es ist schon so etwas wie mein Heimatverein“, beteuert er. Gleiches gilt für die Neuzugänge. Sein Neffe Lennart war acht Jahre lang Jugendspieler bei der SVB und Jugendtrainer, auch Ramy Mansour kickte im Nachwuchs für den Club. Beide stoßen ebenfalls vom VfL Pinneberg zum Bezirksliga-Aufsteiger. Letzterer mit der Empfehlung von sage und schreibe 36 Buden in der West-Staffel!

„Bei Niederlagen zeigt sich die Mentalität“

Trotz der hochkarätigen Neuzugänge und der äußerst souveränen Meisterschaft baut man in Blankenese keine Luftschlösser. Stattdessen nennt Zippel ein warnendes Beispiel: "Cosmos Wedel ist vor zwei Jahren auch als Meister auf- und als Letzter direkt wieder abgestiegen." Durch seine jahrzehntelange Erfahrung weiß er genau: „Im Erfolgsfall gerätst du in eine Spirale, in der alles klappt“, kennen seine Jungs das Gefühl einer Niederlage – nur zwei Spiele gingen in dieser Saison verloren – fast gar nicht mehr. „In der Bezirksliga bekommst du auch mehr Dampf auf das eigene Tor. Bei Niederlagen zeigt sich dann die Mentalität“, so Zippel, der nicht nur die Liga-Mannschaft, sondern auch die von seinem ehemaligen Keeper Michael Wegener trainierte „Zweite“, Vize-Meister der Kreisklasse B5, sowie den Nachwuchs, wo man im Laufe des letzten Jahres schon den zwölften Trainer („Tolle Leute, die schon richtig erfolgreich waren!“) für den Verein gewinnen konnte, als Beispiele für den augenblicklichen Erfolg der SV Blankenese nannte.