Oberliga

„Den Gedanken, es nicht zu packen, hatte ich zu keiner Zeit“

25. September 2020, 16:10 Uhr

Wieder zurück: Jan Düllberg blickt im FussiFreunde-Gespräch auf seinen Kreuzbandriss, die lange Leidenszeit und sein Comeback zurück. Foto: KBS-Picture.de

Der Moment, der vorerst alles verändern sollte, liegt weit zurück. Nicht in der vergangenen Saison, sondern noch in der davor. Am Ende der Saison 2018//2019, als sich der SV Rugenbergen und der VfL Pinnberg gegenüberstanden. Damals war zwischen den beiden Mannschaften das Spiel schon fast beendet. „Es lief die 88. oder 89. Minute“, wie Jan Düllberg sich selbst erinnert. In jenem Moment ging der Mann des SVR in einen Zweikampf. „Eigentlich eine dumme Aktion, wir haben 2:0 geführt und das Spiel war fast vorbei“, sagt der 28-Jährige in der Rückschau und fügt hinzu: „Mein Gegenspieler und ich haben uns mit den Beinen beim Zweikampf verhakt. Ich habe schon in dem Moment, als ich am Boden lag, gemerkt, dass das was Schlimmeres ist. Aber ich hatte die Hoffnung, dass es nicht so ist.“

Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllen sollte. Denn schon kurz danach hatte Düllberg Gewissheit. Die Diagnose lautete: Kreuzbandriss. „Der Arzt hatte schon bei der Untersuchung gesagt, dass das nicht so gut aussehen würde. Als die Diagnose feststand, war ich dann total geknickt“, blickt Düllberg zurück. An Fußballspielen war erst einmal nicht zu denken. Stattdessem folgte das, was in solchen Momenten eben sein (leider) muss: Erst die Operation, dann die Reha. „Ich muss da einen großen Dank an unseren Physiotherapeuten Lennart Neumann aussprechen. Er war und ist sehr engagiert. Wir haben in der Zeit viel gemacht und haben dadurch auch schnell viel bewegt. Ich habe direkt gesehen: Es geht voran. Das war vom Kopf her unheimlich wichtig“, erzählt Düllberg über seine Leidens- und Wartezeit und sagt: „Ich hatte insgesamt vom Verein alle Unterstützung, die ich brauchte.“

„Ich habe jetzt die Gewissheit, dass mein Knie soweit wieder in Ordnung und reizbar ist“

Am vergangenen Wochenende stand der 28-Jährige (re., hier gegen den damaligen Wedeler Sascha Richert) gegen Hamm erstmals wieder 90 MInuten in einem Pflichtspiel auf dem Platz. Foto: KBS-Picture.de

Auch das ist ein fraglos nicht unwichtiger Punkt, fällt man nach einer so schweren verletzung doch leicht in ein Loch. Nicht so Jan Düllberg. „Den Gedanken, es nicht zu packen, hatte ich nie. Ich bin ein Optimist, ich denke immer positiv“, konstatiert Düllberg. „Die Zeit, wenn du als Aktiver auf der Tribüne sitzt und der Mannschaft auf dem Platz nicht helfen kannst, tut weh. Aber ich habe viel gemacht in der Reha – gerade in Sachen Fitness, um so schnell wie möglich wieder auf den nötigen Stand zu kommen“, so der 28-Jährige weiter, der sagt: „Ich bin einer der wenige, denen die Corona-Phase in die Karten gespielt hat.“ Denn: „Ich hatte mehr Zeit, um mich wieder heranzuarbeiten. Auch, dass ich so gesehen nicht die ganze Saison verpasst habe, spielt vom Kopf her eine Rolle. Und: Ich konnte in den vielen Testspielen, die wir gemacht haben, mein Knie unter Belastung testen und sehen, wie es reagiert.“

Es reagierte positiv – und so stand Düllberg bereits beim LOTTO-Pokalspiel des SVR gegen den TSV Sasel im August wieder im Kader. „Es war echt eine lange und blöde Zeit. Umso glücklicher war ich, als Michael Fischer mir in den Gesprächen signalisiert hat, dass er mich gerne dabei haben würde und gefragt hat, ob ich schon so weit bin, um im Kader stehen zu können“, sagt Düllberg, der dem neuen Coach der Bönningstedter signalisierte: „Wenn du mich brauchst, bin ich dabei.“ Aber: „Ich habe ihm gleich gesagt, dass es nur für 20 Minuten oder so reichen würde. Für mehr fehlte zu diesem Zeitpunkt noch die Wettkampf-Praxis. Es war ein gutes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen“, erzählt „Dülle“, der bereits seit 2014 zum Kader des SV Rugenbergen gehört im Hinblick auf seinen Einsatz, bei dem er nach 86 Minuten für Marlon Stannis in die Partie kam, das Ausscheiden der Fischer-Fußballer aus dem Wettbewerb allerdings nicht mehr verhindern konnte.

„Wenn wir uns mit der Abstiegsrunde zufrieden geben würden, wäre das der falsche Ansatz“

In der laufenden Saison will Düllberg mit dem SV Rugenbergen so oft wie möglich über drei Punkte jubeln – und die Meisterrunde erreichen. Foto: KBS-Picture.de

Nach dem Vier-Minuten-Auftritt aus dem August absolvierte Düllberg nun am vergangenen Wochenende im Auswärtsspiel gegen Hamm United seinen ersten Einsatz über die vollen 90 Minuten. „Die Zeit war lang, umso glücklicher bin ich, dass ich jetzt fast wieder bei 100 Prozent bin. Für mich persönlich war das Spiel in Hamm sehr schön, für uns als Mannschaft leider nicht“, resümiert „Dülle“, der sich nach der SVR-Niederlage beim HUFC „erst einmal hingesetzt und alles Revie passieren lassen“ hat. „Dabei habe ich festgstellt: Ich hatte schon lange nicht mehr dieses Erlebnis, Freitagabend unter Flutlich gespielt zu haben. Wir sind ja eher eine Truppe, die tagsüber im Hellen spielt. Die Rückkehr auf den Platz in einem Oberliga-Spiel über 90 Minuten hat mir viel gegeben“, befindet der 28-Jährige, „ich habe jetzt die Gewissheit, dass mein Knie soweit wieder in Ordnung und reizbar ist.“ Ein Umstand, der den Kaufmann für Spedition und Logistik hoffnungsvoll in die Zukunft schauen lässt. Sowohl auf sich bezogen als auch auf die Mannschaft.

„Mein Ziel ist ganz klar, dass ich wieder Stanmspieler werde. Ich möchte jedes Spiel über 90 Minuten spielen – genau dafür trainiere ich drei oder vier Mal in der Woche. Das zu erreichen, sollte der Anspruch von jedem Spieler sein“, so Düllberg, für den neben seiner eigenen Gesundheit vor allem eines im Mittelpunkt steht: „Wir wollen in der Saison logischerweise so viele Punkte wie möglich holen“, gibt der Mann, der gegen Hamm United in der Viererkette der Rugenbergener zum Einsatz kam, zu Protokoll. Worin die Ausbeute der Bönningstedter letzlich münden soll? Auch das steht für Jan Düllberg bereits fest. „Ich will mit der Mannschaft unter den ersten Acht landen. Unser Ziel muss es einfach sein, dass wir nach der Hinserie in der Meisterrunde spielen. Wenn wir uns mit der Abstiegsrunde zufrieden geben würden, wäre das der falsche Ansatz“, untestreicht „Dülle“ noch einmal das, was er auch in Bezug auf die Zeit seiner Verletzungsabstinenz sagt: „Ich bin ein Optimist, ich denke immer positiv.“  

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