Oberliga

Begeisterter Trainer, beeindruckter Winkel: Sasel überfährt Cordi!

„Für den neutralen Zuschauer ein richtig geiles Amateur-Fußballspiel“

04. August 2019, 20:46 Uhr

Knappe zehn Minuten vor Schluss bekam Dreifachschütze Stefan Winkel (2. v. re.) seinen verdienten Abgang und wurde durch Lukas-Gabriel Kourkis ersetzt. Foto: Kormanjos

Immer wieder spendete er seinen Kickern aus der Coaching-Zone heraus Beifall und fand ausschließlich lobende Worte: „Sehr gut, Sasel!“ Oder aber: „Klasse, Jungs!“, hallte es von draußen in Richtung Spielfeld. TSV-Trainer Danny Zankl war überaus angetan von dem, was seine Schützlinge – insbesondere in den ersten 45 Minuten – aufs Parkett zauberten (alle Highlights im LIVE-Ticker). Hinterher gestand er auf der Pressekonferenz: „Ich war begeistert von der ersten Halbzeit.“ Aber: „Das durfte ich den Jungs in der Pause nicht so sagen“, wollte er die Spannung möglichst hochhalten. Die 251 Besucher am Parkweg bekamen jedenfalls allerhand geboten. „Für den neutralen Zuschauer war das ein geiles und temporeiches Amateur-Fußballspiel – gerade in der ersten Halbzeit ging richtig die Post ab“, befand Zankl.

Bereits zum Saison-Auftakt bei Paloma (2:1) musste der Übungsleiter der „Parkwegler“ eine ganze Fülle an Stammkräften und Leistungsträgern ersetzen. So auch gegen Concordia. Zum ohnehin schon riesigen Lazarett, das auch der neue und auf der anschließenden PK feierlich verkündete Hauptsponsor „GfG Architektenhäuser“ – für mindestens drei Jahre an den Verein gebunden – nicht flicken konnte, gesellte sich auch noch der urlaubende Kapitän Timo Adomat. Dafür kehrten Tolga Celikten und Andranik Ghubasaryan in die Mannschaft zurück. Letztgenannter drückte der Partie – allen voran dem ersten Abschnitt – seinen Stempel auf. Trotz dessen bestand die Viererkette mal wieder aus zwei 19-Jährigen und einem 18-Jährigen. Dieser hört auf den Namen Benjamin Lucht – und machte als Rechtsverteidiger ein herausragendes Spiel, gewann nahezu jeden Zweikampf, agierte mit einer ungeheuren Ruhe und hatte etliche wichtige Ballgewinne und -eroberungen. „Wahnsinn, er hat jeden Zweikampf gewonnen“, zeigte sich auch Stefan Winkel überaus angetan von der Leistung des Jungspundes. „Aber auch die anderen Neuen fügen sich super ein. Deswegen macht es einfach nur Spaß“, fügte er an – und gehört mit seinen 29 Jahren bereits zum „alten Eisen“ beim TSV.

„Für mich ein Stück weit beeindruckend“

Nach seinem Treffer zum 2:0 steuerte Ulas Dogan (Mi.) schnurstracks auf den schwer verletzten Enrik Nrecaj zu. Foto: Kormanjos

Seine Teamkameraden bereiteten ihm so viel Freude, dass sich Winkel selbst überrascht zeigte, „dass wir schon so weit sind. Und das mit einer so jungen Truppe. Die Leute, die fehlen, sind für uns extrem wichtig. Deshalb ist es auch für mich ein Stück weit beeindruckend, dass die Jungs das so gut machen und so gut ausfüllen. Da habe ich ehrlich gesagt auch nicht mit gerechnet“, gestand er – und scherzte: „Ich musste ja vorne eigentlich nur so ein bisschen stehen und mir das angucken, was die Jungs da machen – und das war einfach nur geil“, stellte er sein Licht ganz bescheiden ein wenig unter den Scheffel. Denn: Der Offensiv-Allrounder trumpfte als Dreifachschütze auf! Erst war er nach einer maßgeschneiderten Flanke von Ulas Dogan im zweiten Anlauf zur Stelle, nachdem sein Kopfball noch von Tobias Braun entschärft werden konnte, ehe er den Abpraller sehenswert in Seitlage im rechten Toreck unterbrachte (25.). Zum Glück für ihn – denn: „Ich hatte Danny (Zankl; Anm. d. Red.) schon wieder im Ohr gehabt. Wenn der nicht reingegangen wäre, hätte ich mir beim Essen wieder was anhören können“, scherzte er – nachdem „der Kopfball davor ein bisschen kläglich war. Danach hab’ ich mir einfach gedacht: Volles Risiko – alles oder nichts.“ Mit Erfolg.

Pieper verärgern Elfer-Pfiffe - Winkel guckt Braun zweimal aus

Die ganz in Weiß spielenden Saseler um Stefan Winkel und Lukas Kourkis (re.) hatten nach einer starken Performance gut lachen. Foto: Kormanjos

Nachdem der nicht minder starke Dogan eine Vorarbeit von Jean-Lucas Gerken zum 2:0 veredelte, dem (mal wieder) schwer verletzten Enrik Nrecaj (Kreuzbandriss) das Tor widmete, diesem in die Arme lief (28.) – und die Saseler nach einem nahezu perfekten ersten Durchgang, in dem man das gegnerische Pressing immer wieder überspielte und in die freien Räume kam, mit einer hochverdienten Führung in die Kabine marschierten, kam es nach Wiederanpfiff zu zwei Aufregern. Beide Male war Sasel-Neuzugang Jonathan Zinn daran beteiligt. Der Ex-Berner holte erst gegen Sulieman Omar (47.), dann gegen Philip Pettersson (74.) einen Strafstoß heraus. „Wenn ich mir die Entscheidungen bei den Elfmetern anschaue...“, haderte Cordi-Coach Frank Pieper mit den Pfiffen. „Beim ersten Elfer spielt unser Spieler den Ball, und der steigt ihm obendrauf. Dann geht der Freistoß in die andere Richtung. Und beim zweiten läuft Philipp Pettersson den Ball ab, ist vor dem Spieler, der ihm dann in die Hacken läuft“, konstatierte er. Beide Male verwandelte Winkel ganz cool und abgezockt, weil sich Cordi-Keeper Tobias Braun schon sehr früh für die jeweils falsche Ecke entschied. „Ich habe es ein wenig im Augenwinkel gesehen. Ich wusste, dass ich heute nicht mehr so viel im Köcher hatte. Deswegen habe ich einen etwas langsameren Anlauf gewählt“, witzelte er. Während das Spiel längst entschieden war. Cordi hatte den Hausherren kaum etwas entgegenzusetzen. „Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen“, begann Coach Frank Pieper sein Statement. „Rein sportlich sind wir das Spiel nicht so angegangen, wie wir es angehen wollten. Wir haben die zweiten Bälle schlecht verteidigt und zu spät Druck auf den Ball gegeben, weil die Abstände zu groß waren.“

Schrecksekunde um Novotny - Pieper bedient: „Nicht das umgesetzt, was wir umsetzen wollten“

Der Saseler Siegerkreis nach dem Spiel. Foto: Kormanjos

Ein Grund dafür könne „sicherlich sein, dass ‚Novo’ (Verteidiger Jan Novotny; Anm. d. Red.) unmittelbar vor dem Spiel verletzungsbedingt ausgefallen ist, weswegen wir die komplette Viererkette umstellen mussten. Das ist natürlich in Anbetracht der Tatsache, dass sich auch Max (Grablewski) am Dienstag im Pokalspiel verletzt hat, extrem bitter“, so Pieper. „Von daher hoffen wir jetzt bei ‚Novo‘, dass die Verletzung nicht so gravierend ist, dass wir, wie bei Max, vier Monate auf ihn verzichten müssen.“ Da mit Niel Lüthje (Seminar) und Gideon Baur (Trainingsrückstand nach viermonatiger Pause aufgrund einer Schambeinentzündung) zwei Abwehr-Alternativen ebenfalls nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung standen, mussten „wir Spieler positionsfremd und vor allem auch nicht eingespielt reinbringen. Das war für uns eine ungünstige Voraussetzung, damit sind wir nicht so gut umgegangen und es hat vielleicht auch dafür gesorgt, dass wir an der einen oder anderen Stelle ein bisschen weniger laufbereit, ein bisschen weniger mutig und dadurch auch teilweise zu spät in den Zweikämpfen waren.“ Daran änderten auch die Ehrentreffer von Umut Kocin – verwandelte einen an Steven Lindener verursachten Strafstoß (76.) – und Bazier Sharifi (90. +2) nichts mehr. „Wir haben nicht das umgesetzt, was wir in der gesamten Vorbereitung umgesetzt haben“, analysierte Pieper. Während Zankl abschließend meinte: „Ich kann und will jetzt noch nicht verlangen, dass wir das Niveau, was wir die ersten 30 Minuten gespielt haben, über 90 Minuten halten – vor allem bei 18- oder 19-Jährigen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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