Die falschen 50 Prozent und das doppelte Pech mit der Hand

HTB verliert erst Keeper Sowa und durch einen Strafstoß das Spiel

30. Juli 2017, 18:50 Uhr

Da war die Welt noch in Ordnung: HTB-Coach Nabil Toumi (re.) hat das Spielfeld im Blick, neben ihm sitzt Ersatzkeeper Murat Bakir auf der Bank, der später ran musste. Foto: Knötzsch

Es war längst noch nicht alles Gold, was glänzt: Nur Dank eines Elfmetertores setzte sich der USC Paloma am heutigen Sonntagvormittag in seinem ersten Heimspiel in der Landesliga Hammonia gegen Aufsteiger Harburger TB knapp mit 1:0 durch. Für die Gäste aus dem Süden der Hansestadt lohnte sich der Ausflug nicht, auch wenn Coach Nabil Toumi nach dem Spiel in der Pressekonferenz beschied, dass „es Spaß gemacht hat, hier zu spielen.“ Denn: Der HTB verlor nicht nur das Match, sondern gleich auch noch zwei seiner Spieler. Während die Gelb-Rote Karte für Maximilan Meya noch zu verkraften war, tat die verletzungsbedingte Auswechselung von Maciej Sowa richtig weh.

Es verging Minute um Minute. Der Keeper des Harburger TB lag einen, vielleicht zwei Meter neben dem Gehäuse an der Torauslinie. Umringt von mehreren Betreuern. Hektisch wurde der Krankenwagen herbei telefoniert und es war schon das Schlimmste zu befürchten. Noch bevor das Gefährt allerdings den Kunstrasenplatz an der Brucknerstraße erreicht hatte, konnte sich Maciej Sowa dann doch endlich erheben. Mit einem dicken Eisbeutel auf der linken Hand wurde der 19-jägrige Schlussmann des Aufsteigers von HTB-Manager Robert Waliczek zum Rettungswagen geleitet, in dessen Innenraum Sowa schließlich verschwand.

Toumi: „Der Elfmeter ist eine 50:50-Situation“

Palomas Neuzugang Peter Iwosa erlebte durchwachsene 90 Minuten und konnte keine Akzente setzen. Foto;: Merk

Was war passiert? Nun: In der 52. Minute des Spiels zwischen dem HTB und den Palomaten war ein langer Ball in den Sechzehner der Gäste gesegelt. Sowa ging in dieser Szene ebenso wie USC-Stürmer Dominic Ulaga in Richtung Spielgerät. Ulaga unterlief den Torhüter, Sowa fiel zu Boden und landete äußerst unsanft. Offenbar eben genau auf seiner linken Hand, die er sich anschließend mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt. Irgendwann signalisierten die HTB-Betreuer: Es geht nicht mehr weiter! Für Sowa rückte Murat Bakir zwischen die Pfosten. Und der sollte nur zehn Minuten später im Mittelpunkt stehen. Zuvor allerdings manövrierte sich ein anderer ins Rampenlicht – und das zum Leidwesen des HTB nicht im positiven Sinne: Der Harburger Stefan Sawiel wurde im Strafraum aus kürzester Distanz angeschossen und bekam den Hall an die Hand. Allerdings ohne eine aktive Bewegung zum Ball gemacht oder aber seine Körperfläche durch das Ausstrecken von Arm und Hand vergrößert zu haben. Schiedsrichter Mike Franke (TuS Berne) deutete allerdings dennoch auf den Elfmeterpunkt. Dominic Ulaga sagte danke, traf flach links unten zum 1:0 für die Hausherren ins Netz (62.).

Als dann sieben Minuten später auch noch Maximilian Meya nach wiederholtem Meckern mit der Gelb-Roten Karte frühzeitig vom Platz musste, war klar, in welche Richtung die Sache laufen würde. „Mit einem Mann weniger konnten wir nicht mehr viel machen“, musste auch HTB-Trainer Nabil Toumi in der Pressekonferenz nach dem Spiel zugeben und erklärte: „Ich hoffe, dass wir so eine Gelb-Rote Karte nicht noch einmal bekommen.“ Klug jedenfalls war es nicht, dass Meya sowohl nach dem vermeintlichen Handspiel als auch nach einem Foul in der 69. Minute allzu lautstark insistierte. Gänzlich ohne Chance aber blieben die Harburger in der Endphase trotzdem nicht: Nach 87 Minuten hatte Sawiel den Ausgleich auf dem Fuß, verfehlt aber sein Ziel. Auf der anderen Seite spielte David Both im Gegenzug den letzten Pass zu steil für Ulaga, als dass dieser das 2:0 hätte erzielen können.

Harms: „Wir haben in den ersten 25 Minuten zu wenig Ruhe im Spiel gehabt“

Der Auftritt seiner Spieler in der Anfangsphase gefiel USC-Trainer Steffen Harms nicht. Foto: Merk

„Zum Glück haben wir dieses enge Spiel – anders als es noch in der Vorsaison bei so engen Partien der Fall war – gewonnen“, freute sich USC-Coach Steffen Harms nach der Begegnung zwar, wusste aber auch „das es für uns der erwartet schwere Start war. Wir haben in den ersten 25 Minuten zu wenig Ruhe im Spiel gehabt, da war der HTB die klar bessere Mannschaft. Wir hingegen haben einige Zeit gebraucht, um richtig reinzukommen, aber dann auch beweisen, dass wir die Disziplin dazu haben. So konnten wir mehr Zugriff aufs Spiel bekommen.“ Schwarz auf weiß liest sich das so: Nach 22 Minuten brauchte Lion Mandelkau im Strafraum zu lange und ließ sich zudem vom Zuruf seines Mitspielers Tom Bein aus dem Konzept bringen. Nach 39 Minuten warf sich Sowa in einen Schuss von Denny Schiemann und konnte diesen per Fußabwehr entschärfen. Auch der HTB blieb im ersten Durchgang nicht chancenlos: Erst segelte nach einer Ecke von Kirill Schneider beinahe ein Kopfball über die Linie, dann ging der Nachschuss von Yasin Aytekin drüber (45.).

Nach dem Seitenwechsel passierte abgesehen vom Ausscheiden Sowas, dem Treffer von Ulaga sowie den beiden Einschussmöglichkeiten aus der Schlussphase nicht mehr viel, auch wenn Steffen Harms davon sprach, seine Mannschaft hätte „die Dinge, die wir in der Pause besprochen haben, besser umgesetzt, So haben wir es geschafft, unseren Willen optisch auf das Feld zu bekommen." Sein Gegenüber Nabil Toumi lobte derweil: „Wir sind gut reingekommen und hatten starke erste 25 Minuten. Die Mannschaft hat die Vorgaben gut umgesetzt, es gab den einen oder anderen gefährlichen Konter. Ab der 35. Minute war das dann nicht mehr so. Ab da ist Paloma recht bissig dazwischen gekommen.“ Die Elfmeter-Entscheidung gegen seine Equipe bewertete der Übungsleiter, der den Verein im August in Richtung des Nachwuchses des FC St. Pauli verlassen wird, als eine „50:50-Situation.“ Ärgerlich aus seiner Sicht, dass sich Referee Franke ausgerechnet für die falschen 50 Prozent entschied... Am Abend übrigens übermittelte Toumi den FussiFreunden die Diagnose von Sowas Verletzung: Der Keeper hat sich einen Finger gebrochen.

Jan Knötzsch

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