Oberliga

„Die zweite Halbzeit war mit Abstand das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe“

Nach Rückstand: Sasel lässt in Bramfeld nichts anbrennen - aber Zankl schimpft

03. November 2019, 20:51 Uhr

Stefan Winkel (Mi.) sorgte mit seinem Doppelschlag nach einer guten halben Stunde für die Entscheidung zugunsten des TSV Sasel. Foto: Rob Kruber

Danny Zankl hatte genug gesehen. „Holli, sag bitte, es ist die 90.“, sehnte der Coach des TSV Sasel den Schlusspfiff herbei und fragte seinen Torwart-Trainer Holger Sander, als noch zwei reguläre Minuten zu absolvieren waren, nach der verbleibenden Spielzeit. Als Zankl endlich „erlöst“ wurde (alle Highlights im LIVE-Ticker), richtete er im Mannschaftskreis einige Worte an seine Truppe – unter anderem: „Die zweite Halbzeit war mit Abstand das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe!“ Später entgegnete er auf Nachfrage: „Ja, das habe ich gesagt“, ehe er ausführte: „Ich habe aber auch gesagt, dass ich den Finger heute mal nicht in die Wunde lege und glücklich bin, dass wir hier gewonnen haben und ‚zum richtigen Zeitpunkt‘ so eine Halbzeit abgeliefert haben.“

Raoul Bouveron (Nr. 13) brachte das Tabellen-Schlusslicht überraschend in Front. Foto: Rob Kruber

Was Zankl damit meinte? „Der Gegner hatte in der zweiten Halbzeit nicht einmal den Mut, uns zu pressen, obwohl wir schlampig und fahrig geworden sind.“ Weiter befand er: „Eigentlich waren wir anfällig für ein 2:3 und dafür, dann zu schwimmen. Aber der Gegner hat es uns heute leicht gemacht, das muss man ganz ehrlich sagen. Es soll nicht arrogant klingen, aber wir konnten es letztlich in der zweiten Halbzeit im Schongang zu Ende bringen.“ Seine Elf hätte nach dem 3:1 „gefühlt drei Gänge zurückgeschaltet, weil es einfach viel zu dominant und viel zu klar war. In der Halbzeit habe ich versucht, das zu verhindern – und habe gewarnt. Aber sie haben es nicht umgesetzt.“ Schon zu Beginn wirkte der favorisierte Gast beim Schlusslicht ein wenig abwesend. So hatte Raoul Bouveron nach einem langen Befreiungsschlag von Christian Westphal urplötzlich freie Bahn und ließ Todd Tuffour aus 18 Metern keine Abwehrchance (7.). Die Führung für den Underdog!

„Wir haben eine gute Phase, die das Spiel entscheidet“

Melvin Bonewald feierte nach ewig langer Verletzungspause sein Debüt für Bramfeld. Foto: Rob Kruber

„Danach machen wir das gar nicht so schlecht, kriegen dann aber durch eine unglückliche Situation, die Sasel selbst nicht herausgespielt hat, das 1:1“, ärgerte sich Bramfeld-Trainer Carsten Henning über das Zustandekommen des Ausgleichstreffers, als ein ungenaues Zuspiel von Jean-Lucas Gerken so unglücklich abgefälscht wurde, dass Jonathan Zinn auf einmal blank vor Steven Pagenkop, der den Vorzug vor Victor Medaiyese erhielt, auftauchte und diesen überwand (21.). „Wenn wir die Führung in der Phase etwas länger halten, wird das gesamte Spiel vielleicht interessanter“, mutmaßte Henning. Während Zankl konstatierte: „Wir haben eine gute Phase, die das Spiel entscheidet.“ In jener Phase legte Stefan Winkel mit einem Doppelschlag nach. Erst schaltete er nach einem Distanz-Kracher von Marc-Oliver Timm, den Pagenkop noch entschärfen konnte, am schnellsten und staubte ab (30.). Dann profitierte der Angreifer von einem Missverständnis in der Bramfelder Hintermannschaft zwischen Christopher Skalnik und dem nach langer Verletzungspause wiedergenesenen Melvin Bonewald, woraufhin Zankl seine Mannen umgehend zum Pressen aufforderte. Timo Adomat eroberte den Ball und spielte einen „No-Look-Pass, den Winkel veredelte und die Kugel im linken Knick zappeln ließ (33.). „Wir haben eine vernünftige erste Halbzeit gespielt und müssen vor der Pause das Vierte machen, spielen es aber nicht gut genug zu Ende. Dann wäre Ruhe drin gewesen“, so Zankl, der stattdessen „eine katastrophale zweite Halbzeit“ von seinem Team zu sehen bekam.

„Hätten wir das Tor gemacht, hätte Sasel wieder einen Gang hochgeschaltet“

Doppeltorschütze Stefan Winkel (li.) im Duell mit Lennard Bahn. Foto: Rob Kruber

„Anscheinend war die Anfangszeit der Saison und eine Phase in der ersten Halbzeit so imponierend, dass sie nicht den Mumm hatten, uns ein bisschen mehr zu ärgern“, befand er. Dem entgegnete Henning: „Wir haben momentan nun mal nicht die Optionen, um richtig nachzulegen, umzustellen oder richtig aggressiv zu pressen. Das liegt uns auch nicht so. Und dann muss man auch die Stärke des Gegners anerkennen. Auch wenn sie einen Gang runtergeschaltet haben, haben sie ihren Stiefel runtergespielt.“ Und weiter: „Gegen eine Mannschaft wie Sasel, die spielstark ist und immer wieder anläuft, ist es schwierig, richtige Akzente zu setzen und sie auch in Bedrängnis zu kriegen, sodass die Überraschungs-Führung relativ schnell verpufft ist.“ Nichtsdestotrotz befand Henning: „Wir haben es besser gemacht als in der ersten Halbzeit und hatten ein paar Halbchancen. Wenn wir das besser lösen, hätte es vielleicht nochmal spannend werden können.“ Allerdings: „Ich glaube, wäre da in Richtung zweites Tor noch etwas gegangen, hätte Sasel wieder einen Gang hochgeschaltet. So stark schätze ich sie schon ein, dass sie das können.“ Man hätte zwar das Glück beim ersten Tor gehabt, „aber dann ein bisschen Pech in den Situationen, die zu den Gegentoren geführt haben“, resümierte der BSV-Dompteur, der zusammen mit Mirko Schulz die Richtung an der Ellernreihe vorgibt.

„Es wird Mannschaften geben, die hier Punkte liegenlassen werden - wir waren es nicht“

Derweil bilanzierte Zankl: „Die zweite Halbzeit war richtig schlecht. Ob es die schlechteste war, weiß ich nicht. Heute kommen wir mit dem Sieg davon, morgen kriegen die Jungs frei und am Dienstag gucken wir dann mal, wie wir damit umgehen.“ Fakt sei, dass „wir heute ein paar Spieler in keiner guten Verfassung hatten und in ein, zwei Momenten nicht so Konter-resistent waren“. Aber: „Wir sind völlig glücklich über die drei Punkte. Denn es wird Mannschaften geben, die hier ihre Punkte liegenlassen werden – wir waren es nicht und das ist gut.“

Autor: Dennis Kormanjos

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