Oberliga

Genickbruch binnen zwei Minuten: Condor weiß nicht, wie der Ha(a)se läuft

SCC verliert Duell der Abstiegskandidaten gegen Rugenbergen mit 0:4

09. März 2019, 18:37 Uhr

Super gemacht, Junge: Rugenbergens Coach Thomas Bohlen (re.) klatscht Torschütze und Dreifach-Vorbereiter Pascal Haase ab. Foto: Rob Kruber

Zumindest ein Mal an diesem Nachmittag verlor der SV Rugenbergen die Orientierung. Der 4:0-Erfolg gegen den SC Condor (Hier gibt’s den Liveticker des Spiels zum Nachlesen) war gerade mal ein paar Minuten alt, als sich nacheinander Sven Worthmann und Jan Schrage auf die Suche machten. Auf die Suche nach einem Kasten Bier für das Team, mit dem die Bönningstedter ihren Erfolg im Aufeinandertreffen der Abstiegskandidaten begießen wollten. Rettung sollte das Vereinsheim des SCC bringen, doch Worthmann und Schrage wären beinahe in der Condor-Kabine gelandet. Erst nach einem kurzen helfenden Hinweis gelangten sie ans Ziel und der Gerstensaft schließlich in die durstigen Kehlen der SVR-Spieler.

Wenige Augenblicke zuvor hatte der „Mann des Tages“ noch an der Seitenlinie gestanden. Unweit der Bank. Nachdem er vier Minuten vor dem Ende des Spiels ausgewechselt wurde, hatte sich Pascal Haase eine dunkle und dicke Trainingsjacke übergezogen, um sich gegen den Regen am Berner Heerweg zu schützen. Und davor, wieder krank zu werden. Noch am vergangenen Wochenende hatte Rugenbergens Offensivmann seinem Team gefehlt. Weil er eben krank war. „Ich hatte Hals- und Ohrenschmerzen und die Nase war zu“, verriet Haase, der am zurückliegenden Samstag seinen 24. Geburtstag beging, „jetzt bin ich aber wieder zu hundert Prozent fit.“ Den Nachweis dafür lieferte auf dem Platz: Drei Mal legte die Nummer 16 des SVR den Ball zu Toren seiner Teamkollegen auf, den vierten Treffer erzielte er dann höchstselbst und sorgte so für den Schlusspunkt.

Bohlen: „Wenn der Knoten gelöst ist, kann diese Mannschaft Fußball spielen“

Der Schlusspunkt: Haase (re.) bezwingt Condor-Keeper Maximilian Richter zum 4:0-Endstand. Foto: Rob Kruber

„Es war wichtig zu zeigen, dass wir noch gewinnen können“, konstatierte Haase mit Blick auf die zuletzt sechs Niederlagen in Serie, die die Elf von Trainer Thomas Bohlen sich eingefangen hatte. „Für uns war das heute ein Sechs-Punkte-Spiel. Wenn wir nicht gepunktet hätten, dann wäre Condor mit einem Sieg näher an uns herangekommen. Also mussten wir gewinnen“, sagte Haase, gab aber auch zu: „In der ersten Halbzeit haben wir uns schwergetan.“ Doch das war spätestens ab der 70. Minute vergessen – denn von da an legte Rugenbergen mit dem Toreschießen los. Erst stand Moussa Mané nach einer Rechtsflanke Haases blank und traf (70.), dann verwertete Hassan Zarei eine Haase-Flanke von rechts (72.), anschließend bediente Haase mit einem schönen Pass in die Tiefe Zarei, der erneut erfolgreich abschloss (81.) und dann war Condors Keeper Maximilian Richter auch gegen Haase selbst machtlos (83.). „Das heute war erst der Anfang“, erwiderte der Matchwinner auf die Frage, ob der SVR denn nun aus dem Gröbsten raus sei in Sachen Abstiegskampf: „Nächste Woche kommt Teutonia zu uns, das wird nicht einfach. Wir müssen versuchen, ein Remis zu holen. Danach spielen wir gegen Meiendorf und den HEBC – das sind zwei weitere Sechs-Punkte-Spiele.“

Als Haase schließlich nach seinen Äußerungen die Kabine ansteuerte, stand Thomas Bohlen noch auf dem Platz. Und Rugenbergens Coach kam nicht umhin, seinen Stürmer und auch Hassan Zarei zu loben. „Sie haben das souverän gemacht in der zweiten Hälfte. Aber es stand insgesamt ein Team auf dem Platz. Das war das, was ich haben wollte. Wir hatten mit der Dreierkette hinten mehr Sicherheit, haben an uns geglaubt und die Zweikämpfe angenommen. Nachdem wir 15 Minuten lang ein bisschen zaghaft waren, haben wir die Zweikämpfe dann ernst genommen und das Spiel mit mehr Willen, Ehrgeiz und Leidenschaft geführt. Das 1:0 haben wir uns erarbeiten müssen, das war mir schon im Vorfeld klar. Aber wenn der Knoten einmal gelöst ist, dann kann diese Mannschaft gut Fußball spielen. Das hat man gesehen. Wir waren ganz klar überlegen und haben das Spiel verdient gewonnen“, gab Bohlen nach der Begegnung zu Protokoll. Zunächst aber, so der SVR-Coach, habe er erkannt „dass Condor in der ersten Halbzeit auch wollte.“ 

Ansaldo: „Wir haben es nicht mehr geschafft, den Spielfluss zu stoppen“

Moussa Mané (hinten, hier gegen Condors Ken Niederstadt) hatte den Torreigen mit dem 1:0 eröffnet. Foto: Rob Kruber

Dem trat Rugenbergen mit dem Rezept entgegen, „dass wir versucht haben, sie früh zu pressen“, so Bohlen. Ganz ging dies zunächst nicht auf. „Wir hatten die Verunsicherung aus den letzten Spielen mit in die Partie genommen – das hat man gemerkt. Nach 25, 30 Minuten hatten wir zwar schon ein paar Chancen, haben sie aber nicht konsequent genutzt. Dadurch lassen wir Condor im Spiel. Ab der 30. Minute haben wir die Begegnung dann mehr und mehr in den Griff bekommen. Unser Ziel war es, die Bälle in die Tiefe zu spielen statt immer nur quer, damit unsere Stürmer die Kugel festmachen und wir nachrücken konnten. In der zweiten Hälfte haben wir genauso weitergemacht. Wir wussten: Dann ergeben sich die Räume und die haben wir konsequent genutzt“, fasste Rugenbergens Coach zusammen und ergänzte: „Wir hatten in der Woche gut trainiert und uns am Dienstag nochmal in den Besprechungsraum gesetzt. Da ging es drum, dass wir die Einzel- und die Mannschaftsstärken in den Mittelpunkt gestellt haben, um den Fokus weg von den unglücklichen Niederlagen zu bekommen.“

Unglücklich – das war genau das Wort, das den Gemütszustand von Fabio Ansaldo nach dem Schlusspfiff am besten umschrieb. „Ich würde noch nicht sagen, dass es das für uns im Abstiegskampf schon war. Es sind noch genügend Spiele auf der Uhr“, sagte Condors Co-Trainer, der den urlaubenden Coach Florian Neumann vertrat und in Sachen Kampf und Leidenschaft von seinen Kickern zu wenig geboten bekam. „Das sind genau die Punkte gewesen, über die wir gesprochen haben und wo wir uns etwas vorgenommen hatte. In der ersten Hälfte haben wir das vernünftig umgesetzt. Das hat mir auch der Gegner bestätigt. Da haben sie teilweise keine Lösungen gefunden“, berichtete Ansaldo. Aber eine Hälfte allein reicht eben nicht. „Nach der Pause haben wir das gar nicht mehr umgesetzt bekommen. Am Ende des Tages ist es so, wie es das Ergebnis widerspiegelt. Wir waren nicht eng genug an den Leuten, haben nicht vernünftig gearbeitet. Dann ergeben sich einfach die Räume, die Rugenbergen gut genutzt hat. Wir haben es nicht mehr geschafft, den Spielfluss zu unterbinden und fangen uns zwei Treffer binnen zwei Minuten. Das war definitiv der Genickbruch“, schloss Condors „Co“ sein Fazit.

Jan Knötzsch 

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