Oberliga

Mit „Magengrummeln“ zum Auftaktsieg: Titelverteidiger startet erfolgreich!

30. Juli 2023, 00:15 Uhr

Der TSV Sasel ist trotz einiger Ausfälle mit einem 2:0-Erfolg beim FC Türkiye in die neue Saison als Titelverteidiger gestartet. Foto: Nina Ruck

Am Freitagabend wohnte er, wie viele andere Trainer und Funktionäre auch, der (in-)offiziellen Oberliga-Eröffnung an der Hoheluft bei und nahm die künftigen Kontrahenten vom SC Victoria Hamburg und FC Süderelbe beim irren Tor-Spektakel (6:5) unter die Lupe. Zu jenem Zeitpunkt rätselte Marco Stier noch, auf welche elf und ob er überhaupt auf elf Akteure aus seinem Kader zurückgreifen kann. So groß war die Verletzungsmisere beim amtierenden Hamburger Meister vom Parkweg. Lukas Kourkis (Leiste), Kjell Ellerbrock und Nico Zankl (beide Sprunggelenk), Niklas Sabas (Knie), Abdel Hathat (Armbruch). Maximilian Grünberg (Oberschenkel), Tim Jeske (starke Prellung), Kapitän Samuel Hosseini und Jean-Lucas Gerken (beide Urlaub) fielen sicher aus. Arnold Hoeling (Sprunggelenk), Marius Mohr (Leiste) und Simon Siegfried (Oberschenkel) waren angeschlagen.

Mit einem Traumtor brachte Simon Siegfried den amtierenden Hamburger Meister auf die Siegerstraße. Archivfoto: noveski.com

Die Seuche beim TSV Sasel war so groß, dass man das Pokalspiel beim Walddörfer SV (5:1) mit lediglich zehn Mann beendete. Dabei setzte Neu-Coach Stier beim Vorjahres-Finalisten, der auf 13 Spieler verzichten musste, sogar schon Akteure aus der Zweiten, Dritten und sogar Vierten Herren (!) ein. „Aufgrund der Personalsituation hatte man im Vorfeld schon ein wenig Magengrummeln“, gab Stier vor dem Liga-Auftakt beim FC Türkiye unumwunden zu.

Den Wilhelmsburgern erging es aber nicht viel besser. Während Top-Torjäger Michel Netzbandt nach seiner im Testspiel gegen Vorwärts-Wacker erlittenen Verletzung (HIER mehr dazu) noch eine Weile fehlen wird, gesellten sich mit dem urlaubenden Albin Bektesi und dem noch in der Türkei weilenden Yigit Yagmur zwei weitere Leistungsträger dazu. Aber für die Sager-Schützlinge kam es noch dicker: Unmittelbar nach Wiederanpfiff musste der nach ewig langer Verletzungspause gerade erst genesene Sahin Taflan verletzungsbedingt wieder die Segel streichen (47.). Und in der 77. Minute handelte sich der starke Martin Gyameshie aufgrund einer Notbremse den roten Karton ein!

Siegfried-Traumtor lässt Sasel jubeln - Toksöz erhöht

Bitter für den ohnehin schon personell am Stock gehenden FC Türkiye: Als die Partie bereits entschieden war, holte sich Abwehrrecke Martin Gyameshie noch die Rote Karte ab. Archivfoto: noveski.com

Zu jenem Zeitpunkt war die Partie aber schon längst (vor)entschieden. Nicht zuletzt, weil einer der angeschlagenen Saseler Spieler einen echten Geniestreich auspackte: Simon Siegfried. Nach einer Stafette über Außen zog der vom HSV III an den Parkweg gewechselte „Blondschopf“ in einer Überzahlsituation nach innen und jagte die Kugel aus ganz spitzem Winkel mit der rechten Innenseite in den Knick (13.). Ein Traumtor! „Wir haben das Spiel von Anfang an bestimmt, waren gut im Pressing drin, haben den Gegner zu Fehlern gezwungen und nicht eine Torchance zugelassen“, zeigte sich Stier hochzufrieden und haderte lediglich mit der Chancenverwertung: „Wir hätten zur Halbzeit auf jeden Fall mit 2:0 oder 3:0 führen müssen.“

Die größte Chance vergab Deran Toksöz, der seinem Gegenspieler am Sechzehner den Ball abluchste, aber freistehend um Zentimeter am Pfosten vorbeischoss. Besser machte es der Routinier kurz nach der Pause, als er ein Zusammenspiel mit Benjamin Dreca per Abschluss ins lange Eck veredelte (55.). Auch danach sei es „ähnlich wie im ersten Durchgang gewesen“, so Stier. Aber: „Wir hatten so viele Umschaltsituationen, wo der letzte Pass nicht oder zu unsauber gekommen ist. Da hätten wir das Ergebnis auf jeden Fall noch höher stellen müssen.“ Nichtdestotrotz müsse er angesichts der Personallage festhalten, „dass die Jungs das sehr gut umgesetzt haben“.

Stier lobt seine Rasselbande aus der Viererkette

Sasels neuer Cheftrainer Marco Stier (Mi.) lobte die sehr junge Viererkette - darunter auch den 19-jährigen Benedict Hwidie nach dessen erstem Oberliga-Einsatz. Archivfoto: noveski.com

Nicht nur das. In der Viererkette agierten mit Marius Mohr (20), Benedict Hwidie (19) und Sebastian Wien (18) drei absolute Youngster. „Dafür ist das echt beeindruckend, dass man hinten mit so vielen jungen Spielern, die zum Teil ihr allererstes Oberligaspiel gemacht haben, keine Torchance zugelassen hat. Da ist man schon sehr stolz auf die Jungs“, lobhudelte Stier, der mit Arnold Hoeling nur einen Spieler aus dem Liga-Kader einwechseln konnte, seine Jungspunde. „Das Allerwichtigste ist jedoch, dass wir ohne eine weitere Verletzung aus diesem Spiel gekommen sind“, zeigte sich der Chefcoach des Titelverteidigers abschließend sehr erleichtert.

Autor: Dennis Kormanjos