Oberliga 01

Nitsch „entschuldigt“ sich, Bramfeld bestätigt „aufsteigende Formkurve“ – aber Coach Henning fliegt!

30. Januar 2022, 20:03 Uhr

Aus dem Stand schlenzt Robin Polzin (li.) den Ball technisch fein und sehenswert zum Ausgleich in die Maschen. Foto: Rob Kruber

Beiden Mannschaften war durchaus anzumerken, dass es – trotz Derby-Atmosphäre – eigentlich nur um die „Goldene Ananas“ ging. Während der USC Paloma bereits die Teilnahme an der Meisterrunde und damit im Konzert der Großen sicher hat, stehen für den Bramfelder SV in der kommenden Woche in Hamm (Mittwoch) und gegen Meiendorf (Sonntag) zwei immens wichtige Duelle im Kampf um Punkte für die Abstiegsrunde an. Somit mutierte das Duell zwischen den „Tauben" und den Mannen von der Ellernreihe zu einem Pflichtspiel mit großem Testspiel-Charakter (alle Highlights im LIVE-Ticker)...

Bramfelds Nils Knuth (li.) wird in der ersten Halbzeit gerade noch von Soleiman Kazizada am Einschuss gehindert. Foto: Rob Kruber

Oder wie es Bramfeld-Trainer Carsten Henning auf den Punkt brachte: „Beide Mannschaften wussten, dass es sozusagen um nichts geht. Es war ein Freundschaftsspiel unter Wettkampfbedingungen“, mit viel Rotation auf beiden Seiten. Viel Stückwerk, viele einfache Fehlpässe, viele Unzulänglichkeiten: Der USC Paloma tat sich über weite Strecken sehr schwer gegen einen bemühten Bramfelder SV. Und dennoch lagen die Uhlenhorster nach 45 Minuten in Front: Zwar hatte der Assistent kurzzeitig die Fahne oben, als Tom Wohlers nach einem zunächst abgeblockten Freistoß von Moritz Niemann und dessen anschließender Hereingabe auf einmal völlig blank vor BSV-Fänger Marcel Reimers auftauchte und vollstreckte, doch der Treffer zählte (38.).

Henning fliegt mit Rot und verpasst Hamm-Spiel

Max Krause (li.) und Jannis Waldmann (Mi.) ballen die Faust nach der vergebenen Dreifach-Slapstick-Chance des BSV. Okan Subay (re.) kann es kaum fassen. Foto: Rob Kruber

Bitter für Bramfeld: Zunächst versemmelten Raoul Bouveron, Dennis Facklam und Okan Subay eine – im wahrsten Sinne des Wortes – 100-prozentige Dreifachchance in allerbester Slapstick-Manier (52.). Dann flog Coach Henning mit Rot vom Platz (60.)! Grund: Der Übungsleiter fuhr im Ton – nachdem ein Palomat ein Foulspiel im gegnerischen Sechzehner reklamiert hatte – zu sehr aus der Haut. Damit wird der Übungsleiter auch im so wichtigen Spiel unter der Woche gegen Hamm nicht an der Seitenlinie Platz nehmen dürfen. „Ich habe mich direkt nach dem Spiel entschuldigt”, gab Henning seinen Fehler gegenüber „Hafo“ zu. „Aber ich finde, er hätte es auch bei einer Ermahnung oder Gelben Karte bewenden lassen können.“

"Joker" Polzin sticht erneut - Bramfeld verpasst Luckypunch

Kollektiver BSV-Jubel nach Polzins (Mi.) Freistoßtreffer zum 1:1-Ausgleich. Foto: Rob Kruber

Doch auch ohne ihren Trainer hatten die Gäste noch zwei „Joker“ in petto. Oder anders formuliert: Zwei Asse im Ärmel. In der 69. Minute brachte Co-Trainer Robin Hüttig – nach Absprache – mit Robin Polzin den überragenden Akteur aus dem Lohbrügge Spiel und den ebenfalls bärenstarken Maurice Freudenthal. Zwölf Zeigerumdrehungen auf dem Platz, zog Freudenthal gegen Maurice Schwäbe am USC-Sechzehner einen Freistoß, den Polzin – nahezu aus dem Stand (!) – mit ganz feiner Technik aus 17 Metern ins rechte Toreck zwirbelte. 1:1 (81.)!

Und auch 60 Sekunden vor Ultimo war es erneut Polzin, der den Ball gegen Max Krause eroberte und Simon Marklin auf dem linken Flügel in Szene setzte. Dieser tanzte Max Grablewski einen Knoten in die Beine und brachte das Spielgerät von der Grundlinie scharf auf den ersten Pfosten, wo Polzin um Millimeter den Luckypunch verpasste! Der BSV „wollte ein bisschen Unruhe stiften“ – und tat dies auch. „Mir wurde aus der Vergangenheit berichtet, dass es gegen Bramfeld immer enge und eklige Spiele sind. Das hat sich heute bestätigt. Die liegen uns offensichtlich nicht“, musste Marius Nitsch auf der anschließenden Pressekonferenz eingestehen. Währenddessen ließ zuerst Niemann direkt nach Abpfiff, dann Wohlers beim Gang zur Bank ihren Frust über die Leistung lautstark raus.

"Kann mich bei den zahlenden Fans nur entschuldigen"

Simon Marklin (Mi.) wirbelte in der Schlussminute noch ein ums andere Mal durch die Paloma-Defensive und bereitete die Riesenchance in der Schlussminute vor. Foto: Rob Kruber

„Wir wollten dominant spielen und das Tempo aus der Mittwochs-Partie mitnehmen – aber das haben wir nicht hingekriegt. Bramfeld hat tief verteidigt und uns das Leben schwer gemacht. Insgesamt war es für unseren Anspruch, was wir hier zu Hause unseren Zuschauern bieten wollen, kein gutes Oberligaspiel. Da kann ich mich heute bei den zahlenden Fans nur entschuldigen. Unser 1:0 kam gefühlt aus dem Nichts – und wir hatten zu keinem Zeitpunkt eine echte Drangphase. Es war eines unserer schlechteren Spiele diese Saison“, wird Nitsch bei „Hafo“ zitiert.

Während Henning bilanzierte: „In der zweiten Halbzeit haben wir Moral bewiesen. Eigentlich hätten wir schon direkt nach der Pause bei unserer Dreifachchance den Ausgleich machen müssen, sind dann aber durch den verwandelten Freistoß zurückgekommen. Wir hatten auch noch weitere Chancen und haben andererseits hinten nichts mehr zugelassen. Das war ein gutes Spiel von uns. Wir haben unsere seit dem 1. Januar aufsteigende Formkurve auf den Platz gebracht und sind guter Dinge, dass wir die nächsten Spiele siegreich gestalten werden.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren