Oberliga 01

„Prädestiniert“ dank purer „Präsenz“ – Bein schenkt Meiendorf doppelt ein!

27. November 2021, 18:06 Uhr

Tom Bein (li.) und Jassin Zabihi (re.) bejubeln das zwischenzeitliche 3:1 des Angreifers - MSV-Keeper Sulejman Hoxha kann den Einschlag nicht mehr verhindern. Foto: Christoph Hellwig

Bereits nach dem Warmmachen unkte Marius Nitsch: „Das wird ein reines Kampfspiel auf zweite Bälle“, wusste der Coach des USC Paloma mit einem leicht gequälten Lächeln, was auf seine „Tauben“ zukommen würde (alle Highlights im LIVE-Ticker). Nach den 90 Minuten gestand er schließlich: „Ich habe in meinen bisherigen Fußballerjahren auch noch nie auf einem so schwer zu bespielenden Platz gespielt. Da kann man sich auch nicht drauf vorbereiten oder noch so viel und oft sagen, dass der Platz schlecht ist. Wenn man hier wirklich draufsteht und sieht, wie der Rasen umgepflügt wird, dann hat das mit Fußball wenig zu tun, sondern ist eine reine Charakterfrage. Und wir haben mal weder bewiesen, dass wir eine saustarke Charaktertruppe sind!“

Heißes Duell im Schneetreiben an der Meiendorfer Straße zwischen Arnold Hoeling (li.) und Maurice Schwäbe. Foto: Christoph Hellwig

Betreuer der Uhlenhorster sprachen beim Betreten des Platzes an der Meiendorfer Straße gar von „gemeingefährlichen“ Zuständen. Ans Fußball spielen war tatsächlich nicht zu denken, so tief, löchrig und uneben war das Geläuf an der B75. Aber: Beide Mannschaften wollten, konnten oft jedoch schlichtweg nicht. Ein probates Mittel in solchen Situationen: Standards. Aber eben auch: Lange Bälle. Und genau dafür zauberte Nitsch den „prädestinierten Spieler für so ein Spiel“ aus dem Hut: Tom Bein. „Er hat eine enorme Physis, eine Präsenz und ist groß“, erklärte der „Uhlen-Züchter“ anschließend. Zudem könne Bein mit seiner Statur „Bälle festmachen, verlängern und ist stark in der Box“. Neben dem 27-Jährigen bekam auch Maurice Schwäbe das Vertrauen von Nitsch geschenkt.

"Die Art und Weise hat mir wirklich imponiert"

Und wie es der Zufall – oder eben auch nicht – so wollte, waren es ausgerechnet die Neuen in der Startelf, die sich mit Leistung bedankten: Ecke Schwäbe, wuchtiger Kopfball Bein – 1:0 USC (22.)! „Die Art und Weise, wie wir heut aufgetreten sind, hat mir wirklich imponiert. Wir haben ja auch den einen oder anderen Wechsel vorgenommen, mussten weiter auf Spieler wie Soleiman Kazizada oder auch Tom Wohlers verzichten – und trotzdem ist kein Leistungsabfall da“, strahlte Nitsch, ehe er in Bezug auf seinen Torschützen anfügte: „Wie ein Tom Bein hier heute reinkommt, ohne große Spielpraxis einen Doppelpack macht und sich richtig stark präsentiert, das hat mich extrem gefreut. Er hat das super gemacht und genau das gezeigt, was wir von ihm sehen wollten.“

Kapitän Krause kontert Meiendorf-Ausgleich - Bein schlägt erneut zu

Moritz Niemann (li.) und Joshua Freude nehmen Atef Zakerwal in die Mangel. Foto: Christoph Hellwig

Doppelpack? Ganz genau! Denn nach dem zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich der stark kämpfenden Meiendorfer durch Damian Ilic, der eine tolle Vorlage von Mustafa Ercetin ganz cool verwertete (31.), und der postwendenden Paloma-Antwort durch „Captain“ Max Krause, nach einem Freistoß von Lion Mandelkau und einer Kopfballverlängerung von Colin Blumauer, war es abermals „Bomber“ Bein, der nach der Pause die Weichen endgültig auf Sieg stellte. Diesmal überwand der Stürmer nach einem uneigennützigen Steckpass von Lasse Blöcker den Meiendorfer Schlussmann Sulejman Hoxha im Nachsetzen (56.)!

Zwei zweifelhafte Platzverweise, zwei weitere Tore

Die Partie schien entschieden – und Referee Björn Lassen (Barsbütteler SV), bis dato tadelloser Spielleiter, rückte in den Blickpunkt: Zunächst zeigte er Palomas Jassin Zabihi nach einem Pressschlag mit Necati Agdan, was man auch andersherum hätte ahnden können, die Ampelkarte (75.). Dann folgte wohl die Konzessionsentscheidung, als er Evailton Fernandes, dem die Kugel auf dem hoppelnden Grün bei der Annahme unglücklich und unbeabsichtigt an den Arm sprang, ebenfalls Gelb-Rot (78.)! Mit Zehn gegen Zehn legte der USC noch einen Treffer nach: Christian Merkle, der zur zweiten Halbzeit für Schwäbe ins Geschehen eingriff und vor allem die körperliche Präsenz bei Standards erhöhen sollte, köpfte eine Mandelkau-Hereingabe zum 4:1 ins rechte untere Toreck (80.). Den Schlusspunkt setzten jedoch die Hausherren, als John Zimmermann eine starke Einzelaktion von Ercetin krönte (90.).

"Die Jungs waren sehr fokussiert und wach"

Lasse Blöcker (re.) behauptet sich gegen den eifrigen Widersacher Mustafa Ercetin. Foto: Christoph Hellwig

Trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichstreffers zum 1:1 hatte Nitsch keine Bedenken, dass seine Elf das Feld als Sieger verlassen würde: „Heute nicht“, entgegnete er – und erklärte: „Die Jungs waren sehr fokussiert und haben einen sehr wachen Eindruck gemacht. Ich hatte schon das Vertrauen, dass wir heute gewinnen. Vielleicht nicht mit der überzeugendsten und schönsten Art und Weise, aber wir haben das, was und wie du hier spielen musst, auf den Platz bekommen.“ Und man habe dahingehend den nächsten „guten Entwicklungsschritt“ gemacht, „auch solche Spiele eklig zu gewinnen – und nicht zu sagen, wir wollen nur eine Top-Leistung gegen die vier großen Konkurrenten bringen. Auch in solchen Spielen wollen wir liefern und die Position festigen“, betonte er, dass die Ausgangslage, dass man die drei Punkte vermutlich nicht mit in die Meisterrunde nehmen werde, keine Rolle spielte.

Nitsch lobt, Yavuz schweigt

Jassin Zabihi (re.) versucht, Arnold Hoeling unter Druck zu setzen. Foto: Christoph Hellwig

„Ich glaube, die Tabelle täuscht auch ein bisschen. Von daher war für uns schon wichtig, dass wir den Abstand vergrößern. Denn wir haben uns auch vorher mit 22 Punkten noch nicht sicher in der Meisterrunde gesehen.“ Aber seine Mannschaft mache einen „sehr reifen“ und „sehr präsenten“ Eindruck. Nicht zuletzt auch die Spieler, die reinkommen. „Genau das macht uns stark“, freute sich Nitsch.

Und Meiendorf-Trainer Hakan Yavuz? Der „Schweiger“ von der B75 machte nach Spielschluss das, was er für gemeinhin jede Woche tut: Schweigen, den gegnerischen Trainer beim Versuch des „Handshakes“ im Regen stehen lassen – und den schnellstmöglichen Weg vom Platz in Richtung Kabine suchen. Eine Außendarstellung, die zu den Resultaten des MSV passt! Besser als ihr Übungsleiter präsentierten sich die Spieler am heutigen Nachmittag auf dem Platz. Zu etwas Zählbarem reichte es aber erneut nicht…

Autor: Dennis Kormanjos

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