Oberliga

Sasel-Jubel in der Nachspielzeit: Zankl trotzt den Schmerzen und dem Risiko!

Deutschlands WM-Triumph als Vorbild - Traumtore an der Brucknerstraße

28. Juli 2019, 18:02 Uhr

Jubelnde Saseler! Nico Zankl (4. v. li.) lässt sich nach seinem Geniestreich in der Nachspielzeit von seinen Teamkollegen feiern. Foto: Olaf Both

Eigentlich hätte er gar nicht dabei sein können und sollen. „Klar war das Risiko groß“, gestand auch Danny Zankl nach dem Spiel – und sprach damit auf seinen Bruder Nico an. Dieser nahm „nur auf der Bank Platz, weil wir noch mehr Angeschlagene haben, die uns gar nicht zur Verfügung standen“, so der Sasel-Coach, der den Linksfuß knapp 20 Minuten vor Ultimo tatsächlich ins Rennen warf. Noch steht eine endgültige Diagnose beim Saseler Spielmacher aus – von Leistenbeschwerden, Problemen am Schambein oder aber einer Zerrung war die Rede. „Deshalb freut mich das so sehr für ihn, dass er sich heute belohnen konnte. Aber noch mehr würde ich mich freuen, wenn seine Schmerzen nachlassen und er wieder in den Trainingsalltag einsteigen kann“, fiebert der ältere Bruder einer schnellen Genesung entgegen.

Sasel-Keeper Todd Tuffour streckt sich vergeblich. Dominic Ulagas Schuss schlägt links oben im Winkel zum 1:0 ein. Foto: Olaf Both

Und damit zurück zu Nico Zankl: In seinen 20 Minuten auf dem Grün an der Brucknerstraße (alle Highlights im LIVE-Ticker) verzeichnete er einen „schwachen“ Freistoß, wie Danny Zankl befand, in die Mauer, einen Abschluss in Richtung Fangzaun hinter dem Tor – und eben jenen Moment in der Nachspielzeit: Nach einem völlig unnötigen Foulspiel von Maurice Schwäbe, der „vorher zwar von drei Leuten gut gepresst, aber einen Kontakt in der Hacke abbekam“, registrierte Paloma-Übungsleiter Steffen Harms ein Vergehen auf der anderen Seite, während das Spiel weiterlief und der „Palomat“ im Zurückeilen seinen Gegenspieler Timo Adomat zu Fall brachte, bekam Sasel noch einmal einen Standard zugesprochen. Zankl legte sich den Ball zurecht, schlenzte ihn über die Mauer hinweg rechts oben unter die Latte. USC-Fänger Jannis Waldmann konnte nicht mehr reagieren, da sich Lennard Wallner aus der Mauer zurück auf die Torlinie begab – und so seinen Schlussmann noch leicht irritierte. „Ich dachte eigentlich noch, als der Spieler zurücklief, dass er sich umentscheidet und den doch nicht da hinspielt“, mutmaßte Danny Zankl. „Aber zwischen Kopf und Latte war dann doch noch ein bisschen Platz“, und so schlug die Kugel zum viel umjubelten 2:1 für die Gäste im USC-Gehäuse ein.

Zankl zieht den Hut vor seinem Bruder und revidiert die Taktik

Der Ausgleich! Der Strahl von Jean-Lucas Gerken lässt einen chancenlos Jannis Waldmann (re.) zurück. Foto: Olaf Both

„Den legt er natürlich schön rüber“, strahlte Coach Zankl – und führte aus: „Das gönne ich ihm, weil er eine brutale Vorbereitung gespielt, sich echt in den Dienst der Mannschaft gestellt und sich in jedem Training gezeigt hat. Er war präsent und ist richtig gut vorangegangen. Jetzt hat er leider ein bisschen Pech mit der Verletzung, aber auch wir haben das Pech, dass er uns nur eingeschränkt zur Verfügung steht.“ Umso mehr zog Zankl seinen imaginären Hut vor seinem jüngeren Bruder. „Chapeau!“ Denn ohne Zankls Kunstschuss wären die „Parkwegler“ zum Auftakt beim Aufsteiger nicht über einen Punkt hinaus gekommen. „Was Besseres kann man sich zum Start – und dann auch noch auswärts – einfach nicht vorstellen, als so zu gewinnen“, jubelte Danny Zankl, der auf diverse Akteure verzichten musste. „Ich glaube, die ganzen Holzbänke waren von Sasel-Spielern belegt“, flachste er – und musste sich eingestehen, dass man zu Beginn „die falsche Taktik gewählt“ habe. „Wir hatten nicht den richtigen Zugriff.“ Als man nach gut 20 Zeigerumdrehungen umgestellt habe, sei man besser drin gewesen und habe „das Spiel in den Griff bekommen“, wie Zankl meinte. Und das mit einer blutjungen Truppe. Denn die Personalsituation gab nicht mehr viele Optionen her. „Wir haben mit fünf Innenverteidigern und vier 2000ern auf dem Platz gestanden.“

Gerkens Kunstschuss kontert Ulaga-Hammer

„Kunstschätze“ Gerken (2. v. re.) wird von seinen Mannschaftskameraden geherzt. Foto: Olaf Both

Mehr noch. Auf den Außenverteidigerpositionen nahm man sich das DFB-Team beim WM-Triumph zum Vorbild. „Die haben mit Mustafi und Höwedes den Titel geholt. Da dachten wir uns, das kann ja so schlecht nicht sein“, verriet Zankl mit einem Augenzwinkern seine Überlegungen, mit den Jungspunden Benjamin Lucht und Luis Take zwei gelernte Innenverteidiger auf die Außenpositionen zu ziehen. Seine „Fruchtzwergen-Garde“ wurde anfangs jedoch eiskalt erwischt. Die „Tauben“ erwischten einen Traumstart ins erste Oberliga-Jahr nach drei Landesliga-Spielzeiten. Dominic Ulaga jagte die Pille aus 15 Metern haargenau in den linken Giebel (16.)! „Wir waren sehr zufrieden, wie wir reingekommen sind. Wir haben die Räume, die wir bespielen wollten, gut bespielt, und das Tempo aus dem Spiel rausgekriegt. Nach der Führung waren wir aber nicht mehr zielstrebig und mutig genug. Das hat sich dann so ein bisschen durchs Spiel gezogen“, konstatierte Paloma-Dompteur Steffen Harms, dessen Schützlinge nach der Pause den Ausgleich kassierten – und Jean-Lucas Gerken stand Ulaga bei seinem Treffer in nichts nach. Sein 23-Meter-Kracher schlug an derselben Stelle ein, wo auch Ulagas Geschoss landete (53.)!

„Man hat gesehen, dass wir nicht zu Unrecht in dieser Liga sind“

Drin! Der Freistoß in der Nachspielzeit, der den Saseler Sieg bringt. Foto: Olaf Both

Es folgte der „Luckypunch“ von N. Zankl in der Nachspielzeit. „Das waren zwei überragende Tore. Dafür verzichtet man dann auch gerne auf die eine oder andere klarere Torchance mehr“, resümierte D. Zankl, der bilanzierte: „Diesen Sieg haben sich die Jungs erarbeitet.“ Sein Gegenüber haderte hingegen noch mit der Situation, die zum späten Schock führte: „Natürlich war das für uns eine unglückliche Szene“, so Harms, der zunächst ein Foulspiel an Schwäbe ausmachte, ehe sich dieser im Gegenangriff revanchierte: „Ich verstehe den Spieler, dass er dann ein bisschen aufbrausend und hektisch wird und hinterherrennt. Aber da hat er sein Adrenalin nicht so gut in den Griff gekriegt, weil es natürlich völlig unnötig ist, dann nochmal so einen Freistoß wegzugeben. Vor allem, wenn der Gegner zwei, drei gerade Füße in den Reihen hat. Aber er ist ein junger Spieler, der frisch bei uns ist. Ansonsten hat er ein richtig gutes Spiel gemacht“, gab Harms zu Protokoll – und hob noch einmal hervor: „Das Gespann hat heute eine richtig gute Leistung gebracht. Das muss man auch mal erwähnen.“ Nichtsdestotrotz hätte man „natürlich gerne für diese couragierte und tolle Leistung, gerade im kämpferischen Bereich, einen Punkt mitgenommen“. Um in den kommenden Wochen etwas Zählbarem einzufahren, müsse man „das Umschaltspiel stark verbessern“. Auch wenn die Niederlage „bitter“ war, habe man gesehen, „dass wir nicht zu Unrecht in dieser Liga dabei sind. Das ist eine schöne Erkenntnis.“

Das Siegtor von Nico Zankl im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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