Standards und Barmbeks „Riesen“ brechen Sasel das Genick!

BU II erklimmt im Nord-Spitzenspiel die Tabellenspitze

19. November 2016, 18:54 Uhr

Louis Rytina (Mi.) ließ sich nach seinem Traumtor zum 4:1 gebührend feiern und hatte mit drei Scorerpunkten maßgeblichen Anteil am Sieg seiner Elf. Foto: timelash.de

Im Hinspiel zog der TSV Sasel II knapp mit 2:3 den Kürzeren, auch im Pokal hatte der Bezirksliga-Neuling mit 1:3 das Nachsehen gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst II. Fünf dieser sechs Gegentore kassierten die „Parkwegler“ nach Standards – und um es vorweg zu nehmen: auch im dritten Aufeinandertreffen beider Teams brachen die ruhenden Bälle den Gästen das Genick! Doch Trainer Tom Woltemath wollte das nicht als Ausrede geltend machen: „Wenn man das mal ausklammert und ich nur auf meine eigene Mannschaft gucke, dann finde ich, dass wir 70 Minuten lang gehemmt wirkten. Deshalb geht es mit auch gar nicht so sehr um die Standards. Natürlich ist es ärgerlich, wie die Gegentore fallen. Aber es war ja nicht so, dass BU sich das ergaunert hat. Wir haben da einfach zu wenig gemacht!“

Sasels Pablo Cardoso (li.) wurde von seinen Mitspielern nur selten in Szene gesetzt. Foto: timelash.de

Insbesondere in den ersten 45 Minuten fanden die Saseler – bis auf eine Ausnahme – nicht statt. Pablo Cardoso, der viel zu selten in Szene gesetzt wurde, aber immer dann, wenn er den Ball am Fuß hatte, wurde es gefährlich. So auch in Minute 26, als er durchs Mittelfeld marschierte und den Ball per Linksschuss aus 17 Metern an den linken Pfosten donnerte! Da fehlte wahrlich nicht viel, doch es war für lange Zeit auch die einzige Aktion der Gäste. Stattdessen beherrschten die Barmbeker das Geschehen, führten zur Pause aber „nur“ mit 1:0 – und das durch ein absolutes Slapstick-Tor: einen 22-Meter-Freistoß aus dem linken Halbfeld von Marco Hirsch entschärfte TSV-Fänger Florian Bramsiepe, der wahrlich nicht seinen besten Tag erwischte, äußerst unglücklich mit einer unnötigen Flugeinlage. Der Ball kam über dem Schlussmann wieder herunter und fiel Lukas Müller vor die Füße, der das Runde im Zusammenspiel mit Sasels Kapitän Fabian Becker ins Eckige bugsierte (35.)! 

Ansonsten verhinderte Bramsiepe sowohl gegen Lange (11.) als auch gegen Dominique Kottke (30.), im Eins-gegen-Eins gegen Patrick Lüth (38.) und beim Kopfball des freistehenden Müller – nach Langes Flankenlauf (44.) – einen höheren Rückstand. Auf der anderen Seite konnte Armin Gohari nach einem Sololauf nicht genügend Druck und Präzision hinter den Ball bringen (41.). Der zweite Durchgang begann mit einem Lüth-Schuss, den Bramsiepe zur Seite abwehrte (56.), und der vermeintlichen Ausgleichschance für den Aufsteiger: doch Marcus Pick und auch Ove Hoppe rutschten um Zentimeter an einer Cardoso-Hereingabe vorbei (58.). Also passierte das, was kommen musste. Zwei ruhende Bälle von Höhe der Mittellinie, die scheinbar leicht zu verteidigen waren, sorgten für den Saseler Knockout! 

Die Barmbeker Jubeltraube um 2:0-Schütze Jannik Landwehr (2. v. re.) und Vorbereiter Louis Rytina (Mi.). Foto: timelash.de

Hirschs Bogenlampe von links schädelte der wiedergenesene Louis Rytina, der sich spielend leicht gegen seinen Gegenmann behauptete, quer – und Jannik Landwehr brachte das Souelgerät im zweiten Anlauf über die Linie (62.)! Ähnlich lang war der folgende Freistoß von Mirco Missullis unterwegs. Bramsiepe kam zu zögerlich aus seinem Tor, so dass „Hüne“ Rytina vor dem Torsteher einköpfen konnte – 3:0 (69.)! „Eine gute, ich finde sogar sehr gute erste Halbzeit von uns“, befand BU II-Coach Andreas Höhn, der anfügte: „Die einzige Phase, die mir nicht so gut gefallen hat, war die Phase nach dem 3:0. Da haben wir den Gegner eingeladen und um das Gegentor gebettelt.“ Dieses fiel dann auch, als die Defensive der Barmbeker nach einem Pass von Marcus Pick im Zentrum dem eingewechselten Fabian Bings zu viele Freiheiten gewehrte, die dieser mit einem Flachschuss aus 22 Metern ins rechte untere Toreck zu nutzen wusste. Vom Innenpfosten fand der Ball den Weg ins Tor (81.)!

Sah in einigen Szenen unglücklich aus: TSV-Fänger Florian Bramsiepe - wie hier gegen Rytinas Kopfball zum 3:0 für BU II. Foto: timelash.de

Wirklich große Spannung kam aber nur für wenige Sekunden auf. Denn keine 240 Sekunden später antwortete der „Wieder-Primus“ und das auf traumhafte Art und Weise: in einer Kontersituation bediente Landwehr den mitgelaufenen Rytina, der sowohl links als auch rechts hätte rausspielen können. Stattdessen entschied er sich für Variante Nummer drei – und diese lautete: einfach mal aus 25 Metern draufhalten und das Leder mit Hilfe des linken Innenpfostens in den Knick zu jagen. 4:1 (85.)! Die Gäste betrieben nur noch Ergebniskosmetik, als Becker einen von Kottke verursachten Handelfmeter zum Endstand verwandelte (88.). Bevor wir zu den abschließenden Einschätzungen der Trainer kommen, muss auch einmal erwähnt werden, dass der junge Unparteiische, Jörn Ole Sendel, eine wirklich überragende Leistung zeigte! Mit einer unglaublich souveränen und angenehmen Art und Weise traf der Schiedsrichter ausschließlich richtige Entscheidungen, ergänzte sich mit seinem Gespann exzellent und handelte sich sogar von Sasels Liga-Trainer Danny Zankl, der unter den Zuschauern weilte, ein Sonderlob ein.

Währenddessen bilanzierte Woltemath: „Gerade in der ersten Halbzeit waren wir zu fehlerhaft im Aufbau und hatten unglaublich viele Stockfehler drin. So richtig erklären kann ich mir das nicht. Denn wir hatten ja keinen Grund, nervös zu sein – da wir vielmehr etwas zu gewinnen als zu verlieren hatten. Aber über 70 Minuten haben wir nicht die Leistung gebracht, die wir können – und vor allem auch nicht den Fußball gespielt. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Erst nach dem 0:3 waren wir im Grunde genommen etwas freier. Das war dann die Mannschaft, wie ich sie kenne. Allerdings war das natürlich zu spät.“ Sein Gegenüber, der auf den verletzten Torjäger Stephan Obst verzichten musste, freute sich über den Sieg und über die Tabellenführung – sowie über die Rückkehr von Louis Rytina. „Er war in den letzten zwei Wochen verletzungsbedingt nicht dabei. Wie wichtig er auch bei Standards ist, hat man heute gesehen.“

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