Oberliga

Stierischer „Anschiss“ in der Pause – „Danach haben wir unsere breite Brust gezeigt“

HSV III-Trainerduo „sprachlos“ – „Wissen selbst nicht, wie wir das geschafft haben“

23. November 2019, 10:31 Uhr

Leitete mit seinem Distanzschuss zum 2:2 die Wende ein: Samuel Hosseini. Foto: Bode

„Das Spiel hat uns mal wieder sprachlos gemacht“, musste sich HSV III-Coach Christian Rahn erstmal ein wenig sammeln, um die vorangegangenen 90 Minuten Revue passieren zu lassen. Auch sein Trainerkollege Marcus Rabenhorst brauchte etwas, ehe er feststellte: „Das kostet Nerven ohne Ende. Vorne gut, hinten Katastrophe!“ Oder wie Rahn meinte: „Nach vorne haben wir sehr gute Angriffe gefahren und richtig gute Möglichkeiten gehabt, aber BU schießt die Tore – weil wir es einfach nicht hinkriegen, vernünftig zu verteidigen.“

Michele Morrone (re.) brachte den HSV III in Front und hatte die Riesenchance auf das 2:0. Archivfoto: KBS-Picture.de

Selbst BU-Trainer Marco Stier attestierte den Rothosen „eine gute erste Halbzeit“ und befand weiter: „Sie sind sehr gut ins Spiel gekommen und hatten einige gute Möglichkeiten.“ Eine davon nutzte Michele Morrone – nach Vorarbeit von Marco Schröder – aus 15 Metern zur Führung für den Aufsteiger (37.). Eben jener Morrone hätte noch das zweite Tor nachlegen können, wenn nicht gar müssen, scheitere aber an Johannes Höcker. Auch Sepehr Nikroo und Marcell Jansen – per Kopf nach einer Ecke – blieben an den kurz vor der Linie rettenden Barmbeker Abwehrbeinen hängen. „Wir haben zur Halbzeit verdient geführt, hätten eigentlich noch das Zweite nachlegen müssen“, konstatierte Rahn. Während sein Pendant urteilte: „Wir haben es von der Körpersprache her nicht gut gemacht, hinten zu viel zugelassen, waren nicht richtig in den Zweikämpfen und nach vorne nicht durchschlagskräftig genug“, so Stier, der seinen Mannen in der Pause „einen kleinen Anschiss“ verpasste und doppelt wechselte. Die Folge: „Wir haben unsere breite Brust gezeigt und mit brutal offenem Visier gespielt.“

„Wir sind drauf und dran, das Dritte zu machen“

Nach Ballgewinn von Nico Schluchtmann drang der gerade in die Begegnung gekommene Tim Jeske auf rechts in den Strafraum ein, konnte Tino Dehmelt aber nicht bezwingen – dafür stocherte Abdel Hathat den Abpraller zum Ausgleich über die Linie (47.). „Die zweite Halbzeit beginnt direkt mit einem Nackenschlag. Das war mal wieder ein völlig unnötiges Gegentor“, ärgerte sich Rahn über die Fehlerkette in der Hintermannschaft. Doch offensiv lief‘s. Nikroo flankte von links, in der Mitte vollstreckte Jansen per Direktabnahme zur abermaligen Führung (50.). „Wir kommen super zurück und waren eigentlich drauf und dran, eher das Dritte zu machen als BU das 2:2.“ Doch weder Morrone noch Dominik Jordan konnten ihre Chancen in einen Treffer ummünzen. Stattdessen klingelte es auf der anderen Seite…

„Wir wissen selbst nicht, wie wir das geschafft haben“

Tim Jeske sorgte nach seiner Einwechslung für Belebung im Offensivspiel bei BU. Foto: Bode

Zunächst ließ Samuel Hosseini, der mit der rechten Innenseite aus 25 Metern Maß nahm, Hausherren-Keeper Tino Dehmelt nicht allzu glücklich aussehen (67.). Dann brachte Jeske die Gäste nach einer Flanke von Hathat und Kopfball-Ablage von Fatih Umurhan per „Header“ erstmals in Front (74.). Keine 180 Sekunden später sorgte Ronny Buchholz vom Punkt aus für die Vorentscheidung (77.). Zuvor düpierten Hathat und Schluchtmann die linke Defensivseite des HSV III, ehe Jeonghoon Ahn gegen Chris Pfeifer zu spät kam und den Strafstoß verursachte. „Und dann verlierst du so ein Spiel extrem unnötig. Wir wissen selbst nicht, wie wir das geschafft haben“, lautete Rahns ernüchterndes Fazit. Während Stier abschließend zu Protokoll gab: „Hintenraus verdient – wobei der HSV III ein wirklich sehr gutes Spiel gemacht hat und viele Möglichkeiten hatte. Aber letztendlich haben wir in der zweiten Halbzeit richtig stark gespielt.“ Und so stand am Ende der zehnte Sieg in den letzten elf Spielen sowie die Tatsache, dass BU punktemäßig zum erneut patzenden FC Teutonia 05 (4:4 in Osdorf) aufgeschlossen hat. 

Autor: Dennis Kormanjos

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