Thiessen-Traumtor – doch ein Eigentor verhindert den Hammer gegen die „Hammers“

Altona 93 trotzt West Ham United ein 3:3-Unentschieden ab

01. August 2017, 22:16 Uhr

Jubel nach dem Traumtor: Dennis Thiessen (vo.) freut sich über seinen Treffer zum 2:1. Foto: KBS-Picture

Zwischenzeitlich roch es immer mal wieder nach der Sensation, am Ende blieb sie aber aus. Dennoch: Die Spieler von Altona 93 durften den Platz nach dem Schlusspfiff des Testspiels gegen West Ham United mit mehr als erhobenen Köpfen verlassen. Der AFC ärgerte den Premier League-Vetrreter vor 5000 Zuschauern in der Adolf-Jäger-Kampfbahn, wo er nur konnte und führte gleich drei Mal. Am Ende hieß es 3:3. Die beiden sehenswertesten Treffer gelangen dabei dem AFC. 

Dennis Thiessen fiel seinen Mitspielern in die Arme und ließ sich feiern. Zurecht. Denn das, was der Mittelfeldspieler von Altona 93 da soeben vollbracht hatte, gelingt einem auch nicht alle Tage. Nachdem ihm Finn Rettstadt den Ball zugespielt hatte, fasste sich Thiessen ein Herz und zog aus gut und gerne 25 Metern in Richtung des West Ham-Tores ab. Der Ball flog und flog – und dann schlug die Kugel oben links im Giebel des Gehäuses ein. Ein Traumtor! Und nicht nur das: Der Treffer des 26-Jährigen bedeutete in der 39. Minute des Spiels an der „AJK“ gleichzeitig auch die 2:1-Führung für die Mannschaft von Coach Berkan Algan.

Brisevac-Freistoß sorgt für Altonas 1:0-Führung

Nick Brisevac (vo.) brachte den AFC per Freistoß mit 1:0 in Führung. Foto: KBS-Picture

Die hatte vor den 5000 Zuschauern im Testspiel losgelegt, wie die berühmte Feuerwehr. Denn nicht der englische Premier League-Club war es, der den ersten Treffer der Partie erzielte – sondern der AFC. Nachdem West Ham-Akteur Pedro Obiang nach dem Auflaufen beider Mannschaften auf den Rasen noch einmal an die Seitenlinie schritt und mit den Händen eine Kugel formte, um zu signalisieren, dass ein Spielball fehlte, dauerte es im Spiel fünf Minuten, ehe Gästekeeper Adrian das Leder aus dem Netz holen musste. Nick Brisevac hatte aus etwa 20 Metern von halbrechts einen Freistoß unhaltbar für den Schlussmann des letztjährigen Tabellenelften der Premier League verwandelt. Doch die Antwort der „Hammers“ ließ nicht lange auf sich warten. Quasi im Gegenzug war Toni Martinez zur Stelle und überwand AFC-Torsteher Tjark Grundmann zum 1:1-Ausgleich (6.).

In der Folgezeit war es dann aber nicht etwa der Gast, der das Heft des Handelns in die Hand nahm, sondern Altona 93. Erst ließ Brisevac in der neunten Minute zwei West Ham-Spieler aussteigen, doch sein Zuspiel in die Mitte auf Rettstadt brachte nichts ein. Dann war es nur zehn Minuten später Marco Schultz, der von rechts auf Milaim Buzhala flankte. Dessen Kopfball ging am Tor vorbei. Nur eine Minute später probierte sich Brisevac ohne Erfolg. Auf der anderen Seite vergab Martinez (25.). Was folgte war der Führungstreffer des AFC durch Thiessen und eine Gelb-Rote Karte gegen Winston Reid. Der „Hammers“-Abwehrmann meckerte zum zweiten Mal. Referee Fabian Porsch (Barsbütteler SV) blieb konsequent und schickte den Mann mit der Nummer zwei eine Minute vor dem Pausenpfiff vom Platz.

West Hams Reid sieht kurz vor der Pause die „Ampelkarte“

Du musst runter: Referee Fabian Porsch verweist West Hams Winston Reid (Nummer zwei) des Platzes. Foto: KBS-Picture

Nach dem Pausenpfiff wollte der AFC eigentlich „aus Gründen der Fairness“, wie Stadionsprecher „Rollo“ Fuhrmann es per Mikrofon duchgab, dann auch mit einem Mann weniger spielen. „Slaven (Bilic, der Trainer von West Ham, Anm. d. Red.) hat das begrüßt, aber der Schiedsrichter meinte, es müsste mit elf gegen zehn Mann weitergehen. Wir wollten gegenüber ihm nicht respektlos sein, also haben wir normal weitergespielt“, sagte AFC-Trainer Berkan Algan nach dem Spiel, das für die Hausherren damit weiterging, dass sie sich trotz Überzahl den Ausgleichstreffer einfingen. Andre Ayew kam im Sechzehner zentral an den Ball und versenkte ihn halbhoch im Netz. Wer nun aber gedacht hatte, der AFC würde nach diesem Rückschlag aufstecken, der sah sich getäuscht. Denn: Wieder ärgerte Altona den „Goliath“: Samuel Hosseini schlug den Ball gefährlich vor das Tor, William Wachowski war zur Stelle – 3:2 für „93“ (58.).

West Ham traf nur drei Minuten später durch Marco Arnautovic den Pfosten (61.) und hatte dann das Pech, dass Niklas Holz nach 65 Minuten einen Schuss von Pedro Obiang abblocken konnte. In der nächsten Szene war Holz, der in diesem Sommer vom HSV II zum AFC wechselte, dann aber nicht mehr mit Glücksgöttin Fortuna im Bunde: Nachdem die „Hammers“ den Ball aufs Tor brachten, schoss Holz seinen eigenen Keeper Joshua du Preez an, von dem der Ball zum abermaligen Ausgleich über die Linie sprang (74.). In der Schlussphase hatten sowohl Arnold Lechler für den AFC (81.), als auch der inzwischen auf Seiten der Gäste eingewechselte Ex-Leverkusener Chicharito (87.) jeweils noch Möglichkeiten für einen vierten Treffer, ließen diese jedoch ungenutzt verstreichen, sodass es letztlich beim 3:3 blieb. 

Thiessen: „Ich habe nicht viel nachgedacht, sondern einfach gemacht“

Altonas William Wachowski (li.) versucht West Ham-Stürmer Chicharito zu stoppen. Foto: KBS-Picture

Ein Ergebnis, das dem Premier League-Club so gar nicht zu schmecken schien. Keiner der Akteure, der auf dem Platz gestanden hatte, war nach Spielschluss bereit, ein Statement abzugeben. Einer nach dem anderen verschwanden die West Ham-Kicker schnell in Richtung Kabine. Und so durften andere sprechen. „Ich kenne meine Mannschaft und weiß, was sie kann“, war AFC-Coach Berkan Algan nicht unbedingt überrascht davon, dass seine Schützlinge so gut mithalten konnten, „wenn so ein Club wie West Ham gegen Altona spielt, dann kommen die hier an und fragen: Wo ist die Dusche – und sind dann enttäuscht, wenn da drei Wasserhähne aus der Wand gucken, an denen noch nicht einmal ein Regler ist.“ Zudem sei, so Algan, „eine harte Zwei-Wochen-Vorbereitung eine mega Belastung für eine Profimannschaft. Dann noch gegen Altona 93 zu spielen, die hungrig und gierig sind – das ist nicht leicht. Wir sind schließlich auch ein Regionalligist und keine Spaßfußballer. Meine Jungs hören zu und ziehen mit. Aber wir haben null Punkte in der Regionalliga auf dem Konto – das ist unser Alltag.“

Stichwort Spaß: Für den sorgte allen voran der eingangs erwähnte Treffer von Dennis Thiessen zum 2:1. „In dem Moment habe ich nicht viel gedacht, sondern einfach gemacht. Ich hab den Ball ganz gut getroffen“, beschrieb der 26-Jährige den Moment aus der 39. Minute. „Dieses Ergebnis war so nicht zu erwarten, vor allem weil da ja auch nicht so ganz unbekannte Namen wie Chicharito, Arnautovic oder Ayew auf dem Platz standen. Das war keine C-Truppe. Wir sollten das trotzdem nicht zu hoch hängen. Für West Ham war das Pflicht, für uns ein Event“, so Thiessen weiter. Es sei klar, dass „bei uns jeder vor so einer Kulisse 120 Prozent bringt, darüber brauchen wir nicht zu reden. Wir haben eine super Leistung gezeigt. Heute kam vieles zusammen. Berkan Algan hat gerade im Teamkreis als erstes direkt gesagt, dass wir das Spiel abhaken und uns aufs Wochenende konzentrieren sollen. Ich denke, morgen kann man sich noch darüber freuen, aber spätestens übermorgen sollten wir den Blick wieder auf die Liga werden, weil das in dieser Saison dort schwierig genug wird“, erklärte der Kunstschütze. 

Jan Knötzsch   

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