LL Hammonia

Unzufrieden - und doch zufrieden: „Wir sind gerade nicht vom Glück geküsst“

TuRa verspielt Führung und Überlegenheit, bleibt aber unbesiegt

31. August 2019, 03:53 Uhr

Feierte ein starkes Debüt für den ETV: Verteidiger Kevin Houndjame (li.), der hier versucht, den Schuss von Christopher Micheel zu blocken. Foto: Küch

Fünf Spiele, fünf Siege: Für TuRa Harksheide verlief der Saisonstart wie gemalt. Neben dem HEBC waren die Mannen vom Exerzierplatz – vor dem Duell beim Eimsbütteler TV – die einzig verbliebene verlustpunktfreie Truppe der Landesliga Hammonia. Lange Zeit sah es so aus, als würde der Lauf der „TuRaner“ anhalten – und doch musste man sich schlussendlich mit einem 1:1 (alle Highlights im LIVE-Ticker) zufrieden geben. Oder wie es Trainer Jörg Schwarzer formulierte: „Am Ende musst du sogar ein Stück weit froh sein, dass du nicht noch das Zweite bekommst. Insgesamt ist es zwar ein bisschen ärgerlich, aber wir sind mit der Prämisse hierher gefahren, einen Punkt zu holen – den haben wir geholt.“

Eine Ecke von Leon Schulz (re.) landete über Umwege im Tor und brachte TuRa auf die Siegerstraße. Foto: Küch

Es war ein wenig bezeichnend und gab die Gemütslage beider Teams treffend wieder: Während TuRa-Akteur Christopher Micheel nach Schlusspfiff das Trikot über den Kopf zog, zu Boden sackte und ein Stück weit frustriert wirkte, stapfte auf der anderen Seite ETV-Manager Koray Gümüs mit leicht verärgerter Miene in Richtung der Trainerbank. Beide haderten mit den ausgelassenen Chancen und trauerten den zwei verlorenen Punkten hinterher. Micheel, weil es seine Equipe bis zur 70. Minute schlichtweg verpasste, den berühmt-berüchtigten Sack endgültig zuzumachen – und Gümüs, weil seine Schützlinge in der Schlussphase urplötzlich am Drücker waren und die Partie gänzlich auf den Kopf hätten stellen können. „Ich glaube, ein zweites Tor hätte gelangt und der ETV wäre höchstwahrscheinlich aufgrund der Intensität, die wir gefahren haben, zusammengebrochen. Aber nach dem Ausgleich gingen die Köpfe bei uns ein Stück weit nach unten und der ETV hat Aufwind bekommen“, befand Schwarzer.

ETV kassiert „ganz unglückliches Ding“ - aber: „Gegner hat uns Probleme bereitet“

Heißer Kampf um den Ball: Marwin Bolz (li.) vs. Felix Feuerlein. Foto: Küch

Der TuRa-Coach sah „eine gute erste Halbzeit“ von seinen Jungs, aus der man jedoch „zu wenig Kapital“ schlagen konnte. Bis auf jene Situation in der 36. Spielminute, als der in der Vorwoche bärenstarke ETV-Fänger Anton Matthäi eine Ecke von Leon Schulz offenbar unterschätzte, diese nicht richtig zu fassen bekam – und sich selbst in die Maschen schaufelte. Auf der Linie versuchte Marwin Bolz – unter Bedrängnis von Falk Schmidt – noch zu retten, was nicht mehr zu retten war. 1:0 Harksheide! „Ein ganz unglückliches Ding“, wusste auch Hausherren-Dompteur Dennis Mitteregger, der zudem konstatierte: „Das passt gerade so ein bisschen rein. Wir sind gerade nicht vom Glück geküsst!“ Womit er nicht nur auf spieltaktische Szenen, sondern auch auf die (äußerst) dünne Personaldecke ansprach: „Das ist schon krass, wenn du nur vier Einwechselspieler hast und sonst fünf, sechs Spielern sagen musst, dass sie nicht im Kader sind.“ Aber: „Das heißt nicht, dass wir weniger Qualität auf dem Platz hatten, sondern wir hatten viele Spieler dabei, die aufgrund der langen Saison in der A-Jugend keine richtige Vorbereitung absolvieren konnten. Deshalb waren wir nicht so richtig im Rhythmus und kamen kaum ins letzte Drittel, obwohl wir auch gute Aufbauaktionen hatten.“ Allerdings stellte Mitteregger auch heraus: „Der Gegner hat das gut gemacht und uns richtig Probleme bereitet.“

„Wenn du die Chancen vorne nicht machst, wirst du hinten bestraft“

Jasper Hölscher (li.) sollte das Offensivspiel des ETV nach seiner Einwechslung nochmal beleben. Foto: Küch

Aber, wie Schwarzer schon meinte, zu wenig aus den vorhandenen Möglichkeiten gemacht. „Uns war klar, wenn wir sie vorne anlaufen, dann haben sie Riesenprobleme. Ich glaube, sie waren nicht einmal bei uns im Sechzehner“, so Schwarzer, der anschließend auf die Frage, ob sein Team die Partie bis zur Aktion, die sich in Minute 74 abspielte, hätte vorentscheidenden müssen, ohne zu Zögern mit einem klaren „Ja!“ antwortete. „Die Torchancen, die du bekommst, musst du dann auch machen.“ Doch wie es so oft ist: „Wenn du die Chancen vorne nicht machst, wirst du hinten bestraft.“ So kam es dann auch. Hammed Nawaz bediente Emre Cem Töremis, der zunächst Hannes Hatje ganz schlecht aussehen ließ und dann Dominik Mahnke düpierte. Letzterer wusste sich nur noch mit einem Foulspiel zu helfen. Elfmeter! Mert Erdal blieb ganz cool und verwandelte zum 1:1 (75.)! „Ich glaube, dass war die erste große Möglichkeit, die sie überhaupt hatten“, ärgerte sich Schwarzer. „Danach haben sie sich befreit“, fügte er an. Während Mitteregger das famose Solo von Töremis hervorhob: „Das ist einfach auch Qualität, die wir haben. Sowas brauchten wir. Danach waren wir richtig drin.“ Und wie! Die Gäste gerieten nun mächtig unter Druck – während der ETV auf einmal wie ausgewechselt agierte. Erst verpasste Maximilian Ofosu das 2:1 (81.), dann vergab Lennart Mierow den „Luckypunch“, als er aus kürzester Entfernung am herausragenden Reflex von Abou Fofana scheiterte (86.).

Pauli fällt aus - „Daran sieht man, dass wir einen richtig starken Kader haben“

Artistische Körperhaltung - und ein Punkt in der B-Note. Foto: Küch

So musste Harksheide letztlich sogar noch zufrieden sein, dass es beim Remis blieb. „Dass wir zurückkommen, ist schon mal positiv. Zum Schluss waren wir zweimal frei vorm Tor. Insofern haben wir zwei Punkte verloren. Einfach nur, weil die zweite Halbzeit richtig gut war von uns – vor allem von der Mentalität her“, bilanzierte Mitteregger, der das Geschehen wie folgt zusammenfasste: „Die ersten 20 Minuten haben wir gebraucht, um reinzukommen. Dann kommt das Gegentor und die Köpfe waren weit unten. Deshalb brauchten wir so eine individuell starke Aktion.“ Zumal in der Offensive die Alternativen fehlten. Jon Pauli, der gegen den HEBC in der Vorwoche noch groß auftrumpfte, fällt mit einem Meniskuseinriss mindestens vier Wochen aus. „Wir hatten starke Spieler auf der Bank, aber alle für hinten“, so Mitteregger, der zudem „das notwendige Spielglück“ zurzeit nicht auf Seiten der Eimsbütteler sieht. Dennoch: „Ein Kompliment, wie wir zurückgekommen sind und wie wir es wuppen, dass von 26 Leuten gerade mal 14 zur Verfügung stehen. Daran sieht man, dass wir einen richtig starken Kader haben.“ Und so konnten am Ende des Tages doch noch alle dem einen Punkt etwas Positives abgewinnen…

TuRa-Kapitän Nassim Saleh im Video-Interview nach dem Spiel

ETV-Manager Koray Gümüs mit seiner Einschätzung zur Partie

Autor: Dennis Kormanjos

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