Landesliga Hammonia

„Vor ein paar Jahren war nicht im Ansatz daran zu denken, dass wir jemals gegen BU spielen werden“

07. Oktober 2023, 09:56 Uhr

Viele intensive Duelle und Kämpfe um den Ball im "Barmbek-Battle". Foto: privat

„Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, so ein Derby vor der Brust zu haben und zu spielen. Das haben wir uns über die letzten Jahre hart erarbeitet“, war der Weg dorthin für die U23 des USC Paloma steinig und schwer – denn: „Vor ein paar Jahren waren wir noch in der Kreisliga. Da war nicht im Ansatz daran zu denken, dass wir überhaupt jemals gegen die Liga von BU spielen werden“, erinnerte „Tauben“-Dompteur „Mo“ Snoussi an vergangene Tage. Die Erkenntnis nach den 90 Derby-Minuten an der Dieselstraße: „Einige sagen, dass das ein total gerechtes Ergebnis ist. Andere wiederum sagen, dass es leicht schmeichelhaft für uns ist, weil BU über die Spielzeit die ein, zwei hochkarätigeren Chancen hatte, wo sie definitiv das zweite Tor hätten machen können. Aber grundsätzlich hatten wir zwei ausgeglichene Halbzeiten“, befand Snoussi – und fügte an: „Die ganzen Rahmenbedingungen haben natürlich richtig Bock gemacht!“

Due U23 des USC paloma schwört sich auf das Lokal-Derby gegen den vermeintlich "großen" HSV Barmbek-Uhlenhorst ein. Foto: privat

Überrascht zeigte sich der Übungsleiter der Paloma-Zeiten zu Beginn davon, „dass sich BU im eigenen Stadion, vor eigener Kulisse zurückgezogen und eigentlich nur auf das Konterspiel gelauert hat. Das hat es schwierig gemacht gegen einen tief stehenden Gegner. Wir haben versucht, Lösungen zu finden. Und die Jungs kennen die eine oder andere Lösung, wie man eine Fünferkette bespielen kann. Aber die haben das gut verteidigt. Wir mussten viel Geduld zeigen.“ Während BU-Trainer Michael Koss meinte: „Zu Beginn hatte Paloma Ballbesitzphasen, die nicht gefährlich wurden. Aus diesen Phasen haben wir eine Vielzahl an Geschenken und drei, vier große Chancen, wo du zwingend die Tore machen musst, bekommen.“

"Aus der Vielzahl an Chancen müssen wir zwingend drei, vier Tore machen"

Paloma II-Coach Mo Snoussi gibt an der Seitenlinie die Richtung vor. Foto: privat

Den Anfang machten aber die Hausherren mit einem gut getretenen Halbfeld-Freistoß von Raffael Kamalow und einem satten Kopfball von Jonas Wesemann zur Führung (12.). Die Antwort der Gäste ließ aber nicht lange auf sich warten: „Ein Gegentor, was wir selbst hergeschenkt haben. Wir verlieren uns im Aufbau im Klein-Klein, treffen die falsche Entscheidung und wählen nicht die sichere, sondern die riskantere Lösung“, haderte Koss. Nutznießer war Josiah Borkwei, der sich auf halblinks stark durchsetzte, in die Box tankte und das Eins-gegen-Eins gegen Lasse Erichsen erarbeitete – 1:1 (14.)!

Es folgte die Phase, in der Koss die mangelnde Chancenverwertung kritisierte – während Snoussi meinte: „Wir machen das Spiel, haben den Ballbesitz und versuchen, den Gegner zu bespielen, kriegen aber nicht die richtigen Chancen. Und BU kommt zu guten Chancen durch Konter, wo wir sie mit fahrlässigen Ballverlusten einladen.“ Zweimal hatte Kilian Utcke die abermalige Führung auf dem Fuß, vergab aber kläglich. Hinzu kamen zwei Halbchancen von Yannik Kurowski. „Aus der Vielzahl an glasklaren Torchancen müssen wir zwingend mit drei, vier Toren auf unserer Seite in die Halbzeitpause gehen, machen aber leider nur eins“, trauerte Koss den vergebenen Möglichkeiten hinterher.

"Vor sieben Wochen wäre der wahrscheinlich noch reingeflogen"

Die Punkteteilung dürfte für den Aufsteiger eher als Erfolg verbucht werden, als für die Hausherren vom HSV Barmbek-Uhlenhorst. Foto: privat

Die Marschroute der „Täubchen“ für die zweiten 45 Minuten: „Wir wollten die Bälle gegen eine tief stehende Mannschaft früher gewinnen. BU hatte ein ganz klares Schema. Wir hatten recht guten Zugriff, aber die Durchschlagskraft hat gefehlt“, so Snoussi, der mit offensiven Wechseln reagierte und ein Zeichen setzte. „Dadurch haben wir aber ein bisschen die Zuordnung verloren.“ Und BU? „Wir hatten noch zwei gute Chancen durch Wesemann und Benjamin Baffour nach einem Eckball sowie gute Flügeldurchbrüche über links, haben aber den letzten Pass nicht an den Mann gekriegt und das konsequent zu Ende gespielt“, konstatierte Koss.

Und so blieb es bis zum Schluss bei der Punkteteilung im Barmbek-Battle. „Zu Saisonbeginn hatten wir noch mit dem fehlenden Spielglück zu kämpfen. Die hatten in der 92. Minute nochmal einen Freistoß. Der wäre wahrscheinlich vor sieben Wochen noch reingeflogen, heute fliegt der übers Tor. Ich kann schon einschätzen, dass wir vor ein paar Wochen noch ein Thema im Kopf hatten, wo wir das Selbstvertrauen erstmal wieder aufbauen mussten. Dass man sich nach einem Unentschieden eher ärgert und mehr will, zeigt ja, dass wir wieder in eine Fahrspur reinkommen, wo wir eigentlich hinwollen. Seit dem Norderstedt-Spiel hat die Mannschaft gezeigt, dass sie angekommen ist und weiß, was wichtig ist“, bilanzierte Koss – und erklärte: „Wir sind mit Sicherheit nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Es war kein hochklassiges Spiel, das können wir in der Gesamtheit durchaus besser lösen. Nichtsdestotrotz haben wir gegen den Ball über nahezu die gesamte Spielzeit das Spiel gut kontrolliert.“ Das Ziel für die anstehenden Wochen: „Wenn der Weihnachtsmann kommt, gucken wir uns mal die Tabelle an und schauen, welche Ziele wir dann für die Rückrunde rausgeben. Erstmal geht es darum, den Anschluss ans obere Mittelfeld finden.“

"Können mit dem Ergebnis nicht traurig sein"

Tim Schröder verhalf seinen "Tauben" zu einem Remis an der Dieselstraße. Foto: privat

Das Fazit von Snoussi: „BU spielt das super variabel. Das ist nicht einfach für einen Gegner.“ Deshalb richtete er auch ein „Kompliment an meine Jungs. Insgesamt ist das ein gerechtes Ergebnis. Wir hätten natürlich gerne drei Punkte mitnehmen wollen, können aber mit dem 1:1 nicht traurig sein.“ Schließlich weiß man genau, wo man herkommt…

Autor: Dennis Kormanjos