Oberliga 02

„Wahrscheinlich, weil wir heute mit dem Bus angereist sind und die meisten Jungs schon zwei, drei Bier intus hatten“

02. März 2022, 08:07 Uhr

HEBC-Coach Özden Kocadal war nach dem "Grottenkick" zu Späßen aufgelegt. Foto: KBS-Picture.de

„Wir sind unserer Pflicht nachgekommen und haben alles für die Tabelle getan“, richtete Michael Fischer „schöne Grüße an den Hamburger Fußball-Verband“ aus. Denn zwischen dem Ende des Spiels beim Meiendorfer SV (3:0) am Samstagnachmittag und dem Beginn der „guten Trainingseinheit“ am Montagabend gegen den HEBC in Quickborn (!) lagen gerade mal 52 Stunden.

Lion Jodeit brachte die Gäste früh vom Punkt in Führung. Foto: KBS-Picture.de

„Das ist für uns ja nicht mal die Champions League. Denn das würde heißen, dass man zwischen dem Bundesliga- und dem Champions League-Spiel mindestens zwei Tage frei hat. Wir hatten einen Tag frei“, kündigte „Fischi“ bereits nach dem Sieg am Deepenhorn an, dass gegen den HEBC „definitiv rotiert wird“. Da sein Team fix in der Abstiegs- und die Gäste aus Eimsbüttel in der Meisterrunde stehen, war das direkte Duell nicht mehr als ein „sehr intensives Freundschaftsspiel“. Oder auch: „Eine gute Trainingseinheit für uns“, konstatierte Fischer.

"Man braucht schon ein bisschen Adrenalin und Druck"

Nicht groß anders sah es HEBC-Coach Özden Kocadal. Dieser reagierte auf Nachfrage, warum vor allem in der zweiten Halbzeit die Spannung bei seinen Schützlingen fehlte: „Wahrscheinlich, weil wir heute mit dem Bus angereist sind und die meisten Jungs schon zwei, drei Bier intus hatten“, witzelte er – und fügte erklärend an: „Man braucht auch ein bisschen Adrenalin und Druck, um so ein Spiel für sich zu entscheiden. Deshalb mache ich meiner Mannschaft auch gar keinen Vorwurf. Denn der ganze Druck ist am Sonntag abgefallen, als feststand, dass uns die Meisterrunde nicht mehr zu nehmen ist. Und als Amateursportler ist es dann nicht immer so einfach, den Schalter einfach mal umzulegen. Viele waren schon in den Feierlichkeiten.“

"Bezeichnend waren die vielen 'grundlosen' Wechsel"

Hütete in der ersten Halbzeit mit seinen 45 Jahren das Tor beim SVR: Sinanudin Omerhodzic. Foto: KBS-Picture.de

Der neue Modus macht’s (leider) möglich, dass gewisse Punktspiele keinerlei Wert haben! Und so war das erste Wort, was Kocadal nach den 90 Minuten einfiel: „Grottenkick! Das muss man so ehrlich sagen. Beide Mannschaften sind das Spiel wie ein Testspiel angegangen. Bezeichnend dafür waren auch die vielen ‚grundlosen‘ Wechsel, die keine Impulse oder taktischen Veränderungen bringen sollten. Bei uns war es eher so, dass alle mal spielen sollten.“ Es sei zwar „sehr intensiv“ gewesen, „aber insgesamt kein gutes Fußballspiel. Es war wenig Spielkultur zu sehen“, befand Kocadal, dessen Mannen dennoch früh auf die Siegerstraße abbogen, als Lion Jodeit einen von SVR-Keeper Sinanudin Omerhodzic an ihn selbst verursachten Foulelfmeter verwandelte (6.).

Rugenbergen gelingt Last-Minute-Ausgleich

Aber Rugenbergen blieb dran, änderte im Vergleich zur ersten Halbzeit gegen Meiendorf das Anlaufverhalten (Fischer: „Da hatten wir Probleme“) und kam zu Chancen durch Marlon Stannis und Kilian Utcke. Allerdings wollte der Ausgleich nicht fallen. „Letztendlich ist Omerhodzic in der ersten Halbzeit einmal runtergegangen. Den Ball konnte er mit dem Fuß stoppen“, sah Fischer bei seinem Team „insgesamt die deutlich besseren Chancen“. Der HEBC verpasste es derweil, für eine Vorentscheidung zu sorgen. Und so gelang den Bönningstedtern im Heimspiel in Quickborn doch noch der verdiente Last-Minute-Ausgleich. Tim Hamer vollstreckte einen Konter nach uneigennützigem Querpass von Kevin Beese (90.).

"Werden wahrscheinlich sehr viel lernen, wollen aber auch eine Duftmarke setzen"

Auch Augenbergen-Trainer Michael Fischer sprach von einer "guten Trainingseinheit" am Montagabend. Foto: KBS-Picture.de

„Das Ergebnis geht völlig in Ordnung“, bilanzierte Kocadal. Während Fischer trotz des Testspiel-Charakters befand: „Man hat schon gesehen, dass keiner verlieren will.“ Die Motivation vor dem Spiel lautete: „Wir wollten aus den letzten beiden Heimspielen sechs Punkte holen und damit zweitbeste Heimmannschaft in unserer Liga werden. Aber für uns war vor allem wichtig, dass gewisse Leute mal von Anfang an und durchgespielt haben – und auch, dass wir am System nochmal ein bisschen feilen konnten.“ Apropos Ziel: Für den HEBC gehe es in der Meisterrunde darum, „es besser zu machen als heute. Mal gucken, was wir gegen solche Top-Teams erreichen können. Wir werden wahrscheinlich sehr viel lernen, wollen aber auf jeden Fall eine Duftmarke setzen“, so Kocadal abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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