Landesliga Hansa

Blum(ige) Aussichten: Wadhwa zieht sein „Ass“ aus dem Ärmel

03. Oktober 2020, 18:11 Uhr

Er kam, sah, traf - und siegte: Artur Blum (re.) erzielte das vorentscheidende 2:0 für den Rahlstedter SC. Foto: noveski.com

„Das Tor ist leer – den musst du einfach reinmachen“, haderte Jörn Großkopf mit der letzten Aktion des Spiels. Mit jener Szene, die seinem FC Türkiye noch einen Punkt beschert hätte (alle Highlights im LIVE-Ticker). Doch Inan Türkad schaffte das Kunststück, das Runde aus allerkürzester Distanz am Eckigen vorbei zu schießen – nachdem der bis an die Mittellinie aufgerückte Türkiye-Torsteher Frederic Böse die Kugel lang vors Rahlstedter Gehäuse beförderte und Oguz Koras für Türkad auflegte (90. +3). „Die Aktion müssen wir besser verteidigen und dürfen es gar nicht zulassen, dass sie den Ball festmachen. Da haben wir natürlich Riesenglück gehabt“, gestand auch RSC-Coach Mohet Wadhwa, der am Ende aber ein ganz besonderes „Ass im Ärmel“ hatte…

Auf der einen Seite wird Vitor Cadilhe Branco (li.) von Marvin Dose gestoppt. Foto: noveski.com

„Er war die Woche über leicht angeschlagen“, verriet Wadhwa, weshalb der zuletzt stark aufspielende Artur Blum zunächst einen Bankplatz einnahm. In der 67. Spielminute zog der Übungsleiter der Rahlstedter, der auf Lukas Baake verzichten musste, jedoch sein „Ass im Ärmel für die Schlussphase“. Und Blum spielte den Wilhelmsburgern auf der linken Seite ein ums andere Mal einen Knoten in die Beine. Nicht nur das. Der 21-Jährige sorgte zehn Minuten vor Ultimo für die vermeintliche Vorentscheidung, als die Hausherren-Defensive nach einem Rahlstedter Wechsel mit den Köpfen scheinbar noch abwesend war, während Philip Idziak einen Freistoß schnell ausführte. Blum war hellwach und schweißte trocken zum 2:0 für die Gäste ein. „Der Matchplan ist voll aufgegangen“, strahlte sein Trainer hinterher. Denn Türkiye kam nur noch zum Anschlusstreffer durch Marcel Rodrigues, der einen von Florian Rust an den häufig sehr unglücklich agierenden Vitor Cadilhe Branco verursachten Strafstoß sicher verwandelte (83.).

"Wenn sie das nicht können, wird's unruhig"

Im Gegenzug trifft Joel Szillat kurz vor der Pause zur Rahlstedter Führung. Foto: noveski.com

Doch zurück zu Wadhwas Matchplan: „Wir haben im Abschlusstraining genau das gemacht“, erzählte er – und führte aus: „Das Zentrum dicht zu halten. Wir wussten natürlich um die Futsal-Spieler bei Türkiye, die alles spielerisch lösen wollen – und wenn sie das nicht können, wird‘s sehr unruhig. Dementsprechend war es ‚einfach‘ für uns, wobei wir in einigen Situationen auch etwas Glück hatten.“ Glück, dass den Großkopf-Kickern jegliche Präzision abhandenkam. „Wir müssen zur Halbzeit 2:0 führen. Dann läuft das Spiel ganz anders“, befand der Türkiye-Trainer, der insbesondere auf die Abschlüsse von Sascha de la Cuesta (34.) und Cadilhe Branco (42.) ansprach. Während „Dela“ das Leder jedoch genau in die Arme von Pascal Marquardt beförderte, zielte Branco weit rüber. Stattdessen hatte der Gast nach einem Geschenk von Martin Sobczyk die größte Chance, als Cai-Louis Hess für den starken Nicholas Opoku Ntiri auflegte. Dieser scheiterte aber im Eins-gegen-Eins an Böse (27.).

"Hier in Wilhelmsburg zu bestehen, das ist schon eine Ansage"

Joker Artur Blum (3. v. li.) avanciert mit seinem Treffer zum 2:0 tatsächlich zu Wadhwas "Ass im Ärmel. Foto: noveski.com

Als sich beide Teams bereits mit einer Nullnummer in der Halbzeit wähnten, wurde Cadilhe Branco im gegnerischen Sechzehner von Marvin Dose gestoppt, ehe der Gegenzug rollte. Mohamed Giresse Fane setzte auf halblinks den pfeilschnellen Joel Osei Szillat in Szene. Der Torjäger behauptete sich und schloss staubtrocken mit der rechten Innenseite ins lange Toreck ab – 0:1 (45.). „Wir haben es clever gemacht“, konstatierte Wadhwa anschließend. „Auf dem Rasen brauchst du gegen eine spielerisch so starke Mannschaft wie Türkiye nicht mitspielen. Dann kriegst du fünf Stück.“ Vielmehr wirkte der Auftritt seiner Jungspunde schon sehr reif. „Man darf nicht vergessen, dass viele der Jungs gerade mal 19 sind. Und dann hier in Wilhelmsburg zu bestehen, das ist schon eine Ansage“, so ein stolzer RSC-Dompteur, der jedoch anfügte: „Das ist ein Lernprozess für die Jungs, das auch konstant über 90 Minuten abzuliefern. Aber im Endeffekt ist es ein durchaus verdienter Sieg.“

"Da muss man mehr Engagement und Willen haben"

Rahlstedt-Coach Mo Wadhwa (Mi.) bejubelt den Auswärtssieg mit Keeper Pascal Marquardt. Foto: noveski.com

Ein verdienter Sieg gegen einen Gegner, dem im zweiten Abschnitt wenig einfiel. „Wir haben immer nur bis 20 Meter vors Tor und dann schlecht zu Ende gespielt. Da muss man einfach mehr Engagement und Willen haben, sich unbedingt durchsetzen zu wollen“, sah auch Großkopf einige Mängel. „In der ersten Halbzeit hat mir die Intensität in allen Situationen gefehlt. Dabei hat der Gegner eigentlich genau so gespielt, wie es uns entgegenkommt: Sie sind immer vorgerückt und wir haben schnelle Spieler, haben es aber nicht geschafft, die Bälle in die Schnittstelle zu spielen. Das muss man besser lösen.“ Aber: „Wir haben alle ein halbes Jahr lang kein Fußball gespielt. In manchen Situationen merkt man das einfach.“ Auch in der Defensive. „Das zweite Gegentor verteidigen wir ganz katastrophal. Am Ende haben wir noch den Luckypunch. Aber ich habe den Jungs auch gesagt, dass wir nicht durch die Liga marschieren, sondern richtig Vollgas geben müssen.“ Letzteres tat an jenem Samstagnachmittag aber vor allem Wadhwas Rasselbande…

Autor: Dennis Kormanjos

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